// Startseite
| Anpfiff |
| +++ Sportzeitung für Deutschland +++ |
|
|
|
Ein lauer Maiabend in Bochum-Hordel, Flutlicht, Pokal-Viertelfinale - und am Ende ein 0:0, das die Zuschauer zwischen Gähnen und Herzrasen schwanken ließ. TuS Hordel und Lüner SV lieferten sich am Freitagabend ein Duell, das alles hatte - außer eben Tore. 15.076 Zuschauer sahen 90 Minuten voller Chancen, Pfostenkracher und kleiner Dramen, die eher an ein Theaterstück erinnerten als an ein Fußballspiel. Von der ersten Minute an ging’s rund. Schon nach 60 Sekunden prüfte Marwin Rodriguez den Lüner Keeper Lionel Bergantinos - der parierte mit einer Flugeinlage, als bewerbe er sich für die nächste Staffel "Ninja Warrior". "Ich dachte, der Ball sei schon drin", stöhnte Hordels Trainerin Ute Finkeldy später, "aber Bergantinos hatte wohl was dagegen." Danach übernahmen die Gäste das Kommando. Sven Hanke, der quirligste Rechtsaußen nördlich der Lippe, zog gleich dreimal in den ersten 25 Minuten ab, begleitet von den Stoßseufzern der Hordeler Hintermannschaft. Auch Duarte Barros versuchte es gefühlt aus jeder Lage - Minute 15, 16, 21 -, doch entweder stand Torwart Davide Lorenzo im Weg oder der Ball flog in den Nachbargarten. "Ich wollte zeigen, dass ich’s kann", grinste Barros nach dem Spiel, "nur das mit dem Zielen übe ich noch." Die Hordeler hielten mit langen Bällen dagegen, wie es ihr taktischer Plan vorsah. Ernst Kunkel prüfte in der 13. Minute die Stabilität des Tornetzes, Tiago Valente scheiterte kurz vor der Pause gleich zweimal. 51 Prozent Ballbesitz für die Hausherren sprechen für ein leichtes Übergewicht, aber Lünen hatte mit 14 Torschüssen gegenüber 12 auch seine Argumente. Das Spiel blieb intensiv. In der 47. Minute dann der Schreckmoment: Lünen musste gleich doppelt wechseln. Sergio Santos raus, Jesus Mann rein - und kaum auf dem Platz, blieb der Pechvogel nach einem Zweikampf liegen. Diagnose: Zerrung. Trainer Markus Hering schlug die Hände über dem Kopf zusammen. "Ich wusste gar nicht, dass man im ersten Einsatz gleich zweimal Pech haben kann", sagte er später mit bitterem Humor. Auch TuS Hordel hatte sein Verletzungsdrama: Vincent Albinana humpelte in der 77. Minute vom Platz, und ausgerechnet Innenverteidiger Luke Kinsella musste als Notlösung im Mittelfeld ran. "Ich hab da noch nie gespielt", gestand Kinsella, "aber ich dachte, schlimmer als Matheunterricht kann’s nicht werden." Kurz zuvor hatte Ernst Kunkel Gelb gesehen, nachdem er in bester südamerikanischer Manier versuchte, den Ball samt Gegenspieler aus dem Stadion zu befördern. "Das war Leidenschaft", verteidigte ihn Trainerin Finkeldy, "nicht Foulspiel." Der Schiedsrichter sah das naturgemäß anders. In der Schlussphase war’s ein offener Schlagabtausch. Hordel drängte, Lünen konterte. Gunborg Brun, der 33-jährige Dauerläufer, prüfte Bergantinos in der 90. Minute noch einmal mit einem satten Rechtsschuss - wieder ohne Erfolg. Auf der anderen Seite verfehlte Lünen-Verteidiger Louis Kendall mit einem wuchtigen Distanzversuch in der 84. Minute nur um Zentimeter. "Wenn man kein Tor schießt, kann man auch nicht verlieren", philosophierte Hering nach dem Abpfiff und zuckte mit den Schultern. Finkeldy konterte trocken: "Oder gewinnen. Aber wenigstens hatten wir den Ball öfter." Die Statistik gab ihr recht: 51,4 Prozent Ballbesitz, 49,3 Prozent gewonnene Zweikämpfe - kein Ruhmesblatt, aber solide. Das Publikum verabschiedete beide Teams mit Applaus - vielleicht auch aus Erleichterung, dass das Nervenflattern endlich vorbei war. Ein Fan fasste es auf der Tribüne zusammen: "Das war kein 0:0, das war 90 Minuten Schwebezustand." So blieb der Abend torlos, aber nicht ereignislos. Fußball kann manchmal grausam ehrlich sein: Zwei Mannschaften, 26 Spieler, 26 Schuhe mit Grasnarben - und am Ende steht eine Null, die größer wirkt als jede Zahl. Ute Finkeldy nahm’s mit Humor: "Ich hab meinen Spielern gesagt, sie sollen aufs Tor schießen, nicht drum herum. Vielleicht war das zu kompliziert." Markus Hering grinste: "Wir üben nächste Woche das Treffen - aber erst, wenn der Physio durchgezählt hat, wer noch laufen kann." Ein Pokalabend also, der in Erinnerung bleibt - nicht wegen der Tore, sondern wegen allem dazwischen. Und vielleicht ist das ja auch Fußballromantik: Manchmal erzählt ein 0:0 mehr Geschichten als ein 5:4. 12.03.644000 17:55 |
Sprücheklopfer
Da muss jemand einen Fußball in die Sonne geschossen haben.
Mario Basler erklärt die Sonnenfinsternis