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Ein lauer Frühlingsabend, 4.469 Zuschauer im Stadion an der Hauptstraße - und am Ende ein 0:0, das sich wie ein 3:3 ohne Tore anfühlte. Weddinghofen gegen FK Pirmasens, das war am 9. Spieltag der Regionalliga B kein Leckerbissen für die Torjägerstatistik, aber ein Fest für Freunde des gepflegten Verzweifelns. Von Beginn an rollte die Kugel in Richtung Pirmasenser Strafraum. Schon in der 12. Minute prüfte Stef Van Noppen zum ersten Mal Gästekeeper Dennis Frei, der die Hände so sicher an den Ball brachte, als würde er eine heiße Kartoffel auffangen - und sie dann lieber gleich wieder fallen lassen, nur um sie im Nachfassen spektakulär zu sichern. Es war der Auftakt zu einer wahren Flut an Weddinghofener Torschüssen: ganze 18 Mal feuerten die Gastgeber auf den Kasten, doch das Netz blieb so unberührt wie der Rasen hinter dem Tor. Trainer Luca Papagallo, sonst eher ein Mann des stoischen Pragmatismus, brüllte nach Van Noppens viertem Versuch (18.) Richtung Linienrichter: "Der Ball will einfach nicht! Gibt’s da ’ne Regeländerung?" - Der Linienrichter blieb unbeeindruckt, der Ball ebenso. Pirmasens, anfangs mit einer offensiven Grundordnung, zog sich nach den ersten zwanzig Minuten zunehmend zurück. "Wir wollten ja Fußball spielen", erklärte Gästecoach Gudrun Schweitzer hinterher mit einem süffisanten Lächeln, "aber Weddinghofen hatte offenbar andere Pläne - so was wie Dauerfeuer ohne Zielkoordinaten." Tatsächlich beschränkte sich ihr Team auf Konterversuche. Die besten davon hatte Nikolai Dotschew (1.) und Dani Tabenkin (60.), doch Weddinghofens Keeper Roman Dostalek war auf dem Posten - und das, obwohl er in der ersten Halbzeit hauptsächlich mit Dehnübungen beschäftigt war. Die erste gelbe Karte kassierte Samuel Reid bereits in der 23. Minute, nachdem er Van Noppen an der Außenlinie stoppte - oder besser gesagt: umpflügte. "Ich hab nur den Ball gesehen", beteuerte Reid später, "leider war Stef davor." Schiedsrichter Schlotter gab Gelb und mahnte freundlich: "Ein bisschen weniger Begeisterung, junger Mann." Zur Pause stand es 0:0, aber die Heimmannschaft hatte mit 54 Prozent Ballbesitz und fast dreimal so vielen Torschüssen alles im Griff - außer den Spielstand. Papagallo gestikulierte in der Kabine wild mit einer Taktiktafel, auf der laut Augenzeugen "Schießen, aber richtig!" stand. Nach Wiederanpfiff änderte sich wenig. Weddinghofen blieb am Drücker, Fojut (58.) und Malgin (63.) versuchten ihr Glück, während Nicolas Aimee aus der zweiten Reihe schoss, als wolle er das Tornetz hypnotisieren. Es blieb standhaft. Auf der anderen Seite brachte Schweitzer frischen Wind: Erst Noah Specht (24.), dann Müjdat Öztürk (47.) und schließlich Ulf Eriksen (65.) kamen ins Spiel. Die Wechsel brachten Pirmasens etwas Stabilität, allerdings auch drei weitere Gelbe - Baer (62.), Öztürk (81.) und Tabenkin (86.) sahen alle den Karton. "Das war kein böses Spiel", meinte Schweitzer nach Abpfiff, "aber der Schiri wollte wohl auch mal seine Karten benutzen." In den Schlussminuten tobte Weddinghofen noch einmal an. Aimee prüfte Frei in der 88. Minute mit einem Schuss, der so wuchtig war, dass der Ball fast in die Zuschauer flog - leider in Richtung Bratwurststand. Ein älterer Fan rief: "Jungs, die Wurstbude trifft ihr, aber kein Tor!" Das Stadion lachte, Papagallo nicht. "Wir haben alles versucht, aber das Runde wollte nicht ins Eckige", seufzte der Coach. "Manchmal ist Fußball eben wie ein schlechter Witz - nur lacht keiner." Van Noppen ergänzte trocken: "Ich hätte heute zehn Stunden weiterspielen können, der Ball hätte trotzdem Nein gesagt." Statistisch gesehen hätte Weddinghofen den Sieg verdient: Mehr Ballbesitz, mehr Schüsse, bessere Zweikampfquote (53,7 %). Aber Fußball ist kein Statistikseminar, und Tore sind bekanntlich die einzige Währung, die zählt. Pirmasens verdiente sich den Punkt mit zäher Defensive und einem Torwart, der an diesem Abend wohl sogar Schneebälle in der Sauna gefangen hätte. Das 0:0 hilft keinem so richtig, aber immerhin bleibt Weddinghofen ungeschlagen zu Hause - wenn auch sieglos. Pirmasens dagegen reist mit einem Lächeln ab, das ein bisschen nach Erleichterung aussieht. "Ein Punkt ist ein Punkt", sagte Schweitzer, "und wenn man 18 Schüsse überlebt, darf man sich ruhig mal freuen." Zum Schluss meinte ein Fan beim Verlassen des Stadions: "Das war wie ein Actionfilm ohne Explosion - spannend, aber irgendwie fehlt was." Treffender kann man diesen Abend wohl kaum zusammenfassen. 22.06.643997 19:45 |
Sprücheklopfer
Bei diesem Schiedsrichter hätte auch unser Busfahrer eine gelbe Karte bekommen.
Rainer Calmund