// Startseite
| Anpfiff |
| +++ Sportzeitung für Deutschland +++ |
|
|
|
Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob die Fußballgötter einfach nur Spaß daran hatten, die Nerven von 4251 Zuschauern auf die Probe zu stellen. BW Magdeburg und der FK Pirmasens trennten sich am 5. Spieltag der Regionalliga B mit 0:0 - ein Ergebnis, das auf dem Papier nach Langeweile klingt, aber auf dem Rasen alles andere als das war. Von Beginn an entwickelte sich eine Partie, die weniger durch technische Finesse als durch unbändigen Willen auffiel. Schon in der 5. Minute prüfte Niko Koch den Pirmasenser Keeper Dennis Frei mit einem wuchtigen Schuss - ein Lebenszeichen, das allerdings eher den Rasen als die Torbilanz strapazierte. Danach übernahmen die Gäste das Kommando. Nikolai Dotschew, der rechte Mittelfeldmotor aus Pirmasens, ballerte gleich mehrfach drauflos (11., 27., 66.), als wolle er den Ball persönlich in die Elbe befördern. "Wir wollten früh Druck machen", erklärte Gästecoach Gudrun Schweitzer nach dem Spiel mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Stolz und Fassungslosigkeit pendelte. "Aber wir haben das Tor einfach nicht getroffen. Vielleicht stand der Mond heute schlecht." In der Tat: 14 Torschüsse für Pirmasens, fünf für Magdeburg - ein klares Chancenplus für die Gäste, doch die Null blieb hartnäckig wie Kaugummi unterm Schuh. Magdeburgs Torhüter Carsten Frei (nicht verwandt mit Dennis Frei, aber vermutlich seelenverwandt im Frust) hielt, was zu halten war, und noch einiges mehr. Besonders in Minute 50, als David Marano per Kopf aus fünf Metern scheiterte, riss der Keeper seine Handschuhe gen Himmel und schien zu rufen: "Nicht mit mir, Freunde!" Doch die Partie blieb nicht nur sportlich intensiv - sie hatte auch reichlich Drama im Angebot. Der 50-jährige Rui Morais, eine lebende Legende im Magdeburger Mittelfeld, zeigte, dass Erfahrung manchmal Temperament ersetzt - oder eben nicht. Nach einer Gelben Karte kurz vor der Pause (45.) folgte in Minute 58 der Platzverweis mit Gelb-Rot. "Ich hab nur laut geatmet", verteidigte sich Morais später lachend. Trainer Sven Lange sah das etwas anders: "Man kann auch mit 50 noch lernen, wann man einfach mal nichts sagt." Die Überzahl nutzte Pirmasens zunächst kaum - vielleicht, weil sie sie gar nicht lange hatten. Vier Minuten später sah auch Marcel Baer die Ampelkarte (62.), und die Partie kippte endgültig in Richtung Chaos. "Das war dann mehr Rugby als Fußball", kommentierte ein Zuschauer trocken, während er seine Bratwurst vor herumfliegenden Grätschen in Sicherheit brachte. Magdeburg kämpfte sich mit einem Mann weniger (und später wieder gleich viel) tapfer durchs Spiel. Ralf Otto sorgte mit zwei beherzten Distanzschüssen (53., 59.) für Herzklopfen im Stadion, allerdings eher bei den Balljungen hinter dem Tor. In der 72. Minute kassierte er selbst Gelb - vermutlich, weil der Schiedsrichter das Gefühl hatte, er müsse die Karten gleichmäßig verteilen. FK-Mittelfeldmann Archie MacAlister holte sich in der Nachspielzeit (91.) ebenfalls eine Verwarnung ab - als Souvenir sozusagen. Statistisch gesehen war Pirmasens überlegen: mehr Ballbesitz (55 %), mehr gewonnene Zweikämpfe (54 %) und vor allem mehr Abschlüsse. Doch BW Magdeburg zeigte, warum Fußball keine Mathematik ist. Mit lang geschlagenen Bällen, unermüdlichem Einsatz und einer Prise anarchischer Spielfreude hielten sie das 0:0 fest. "Das war kein schönes Spiel, aber ein ehrliches", resümierte Trainer Lange nach dem Abpfiff. "Wir haben heute gesehen, dass man mit Herz und ein bisschen Glück auch gegen bessere Statistiken bestehen kann." Seine Kollegin Schweitzer konterte charmant: "Ich hätte lieber unverdient gewonnen als verdient unentschieden gespielt." Als das Flutlicht erlosch, applaudierten die Fans beiden Teams - vielleicht aus Dankbarkeit, dass sie trotz aller Härte und Karten noch 22 (na gut, 20) aufrechte Spieler auf dem Platz gesehen hatten. Ein 0:0, das in den Annalen der Regionalliga B wohl keine Legende schreibt - aber in Magdeburg wird man sich noch eine Weile daran erinnern. Nicht wegen der Tore, sondern wegen der Geschichten drumherum: vom alten Morais, der sich nicht zähmen ließ, von Keeper Frei, der zum Helden des Abends wurde, und von zwei Mannschaften, die bewiesen, dass Fußball auch ohne Treffer elektrisieren kann. Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen seufzte: "Kein Tor, aber Herzrasen. Reicht auch mal." 07.05.643997 12:45 |
Sprücheklopfer
Handkuss an die Frau Gemahlin!
Toni Polster zum Schiedsrichter nach einer Roten Karte