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Wer an diesem lauen Maiabend ins Stadion Husterhöhe gekommen war, bekam ein Lehrstück in Sachen "fast, aber eben doch nicht". 3742 Zuschauer sahen ein 0:0 zwischen dem FK Pirmasens und Wolfratshausen, das in seiner Konsequenz so gerecht wie frustrierend war - und doch erstaunlich kurzweilig. Schon nach vier Minuten setzte Wolfratshausens Lorenzo Cerva mit einem kernigen Schuss den ersten Akzent. Pirmasens’ Torhüter Lucas Grantham musste sich strecken, und wer dachte, das sei ein Weckruf für die Hausherren, lag nicht falsch. Zwei Minuten später drosch Marcel Baer den Ball mit solcher Wucht aufs Tor, dass die Latte noch Minuten später vibrierte. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Baer hinterher und machte damit klar, dass er zumindest in Sachen Ehrlichkeit Erstliganiveau hat. Es folgte ein offener Schlagabtausch, der mehr nach 3:3 aussah als nach 0:0. Noah Specht prüfte Wolfratshausens Keeper Serge Eder gleich zweimal (7. und 25.), während auf der Gegenseite der 18-jährige Cesare Lorusso sein persönliches Torschusspraktikum absolvierte - ganze viermal schloss er ab, jedes Mal gefährlich, jedes Mal erfolglos. Trainer Ferdinand Meyer lobte ihn trotzdem: "Cesare ist jung, aber er hat Feuer. Nur das Tornetz hat heute was dagegen gehabt." Zur Pause stand es 0:0, aber langweilig war es nicht. Pirmasens hatte 49,6 Prozent Ballbesitz, Wolfratshausen 50,4 - ein Symmetrieergebnis, das Statistiker glücklich und Trainer nervös macht. Coach Gudrun Schweitzer, die mit ihrem Team taktisch von "ausgewogen" auf "leicht aggressiv" umgeschaltet hatte, brachte zur zweiten Halbzeit Archie MacAlister für den verwarnten David Bernier. "David hatte Gelb und ein Temperament wie ein Espresso doppio", erklärte Schweitzer trocken. "Da wollte ich lieber noch elf Spieler auf dem Platz behalten." Die zweite Hälfte begann, als hätte jemand die Pausenmusik vergessen auszuschalten - laut, lebendig, aber ohne Rhythmus. Dani Tabenkin und Ulf Eriksen versuchten ihr Glück, während auf der Gegenseite Lorusso und Cerva weiterhin die Hauptrollen im Drama des "Beinahe-Tores" spielten. Besonders in der 59. Minute hielt Grantham glänzend gegen Lorusso, und die Tribüne tobte, als hätte man gerade die Meisterschaft gewonnen. Dann der Schreckmoment: In der 79. Minute blieb Pirmasens’ Flügelflitzer Vitorino Ramallo nach einem Zweikampf liegen. Der junge Portugiese musste verletzt raus, für ihn kam Alex Coviello. "Er hat sich das Knie verdreht, nichts Dramatisches, aber ärgerlich", winkte Schweitzer später ab. Coviello brachte frischen Wind, doch auch er fand kein Mittel gegen die disziplinierte Abwehr der Gäste. Die Schlussphase gehörte dann wieder den Tüftlern: Pirmasens stellte auf Defensivpressing um, Wolfratshausen blieb beim gemütlich-balancierten Aufbau. "Wir wollten kein Risiko", gab Meyer zu. "Und ich glaube, das hat man gesehen." Ja, man hat es gesehen - und man hat es gefühlt. Der Ball zirkulierte, die Uhr tickte, und irgendwo auf der Haupttribüne flüsterte jemand: "Noch ein Schuss, dann geht’s vielleicht rein." Doch weder Kornej Babinow noch Alexander Satchmore, die in der 80. Minute gleich doppelt scheiterten, konnten diesen Wunsch erhören. Schiedsrichterin Jana Fuchs pfiff nach 95 Minuten ab - just in dem Moment, als Wolfratshausens Wolfgang Reinhardt noch einen Verzweiflungsschuss abgab. Der Ball flog auf die Tribüne, ein Kind fing ihn, grinste, und das war sinnbildlich: Die Zuschauer bekamen zwar keine Tore, aber immerhin ein Souvenir. "Ich sag’s mal so", meinte Pirmasens-Kapitän Tabenkin nach Spielende, "wenn wir heute noch zehn Minuten länger gespielt hätten, hätten wir wahrscheinlich immer noch kein Tor gemacht - aber vielleicht wär’s wenigstens dunkel geworden." Fakt ist: Beide Teams hatten Chancen, beide verteidigten diszipliniert, beide gönnten sich nichts. 12:11 Schüsse, fast identischer Ballbesitz, identische Zweikampfquote - das war Fußball im Gleichgewicht. Keine Gala, aber eine ehrliche Nullnummer mit Charakter. Trainerin Schweitzer fasste es am besten zusammen: "Manchmal ist 0:0 das lauteste Ergebnis. Es schreit danach, was beim nächsten Mal besser werden muss." Und während sie das sagte, lächelte sie, als hätte sie schon den Plan für das nächste Spiel im Kopf. Vielleicht gibt’s dann ja endlich Tore - oder wenigstens wieder so viel Gesprächsstoff. 23.08.644000 05:31 |
Sprücheklopfer
In der Nacht von Samstag auf Montag.
Rudi Assauer auf die Frage, wann die Entscheidung zur Entlassung von Frank Neubarth gefallen sei