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Es gibt torlose Unentschieden, bei denen man sich wünscht, man hätte lieber den Rasenmäher geölt. Und es gibt solche, die trotz fehlender Tore das Publikum auf die Sitze nageln. Das 0:0 zwischen dem PSV Neumünster und Weiler im Allgäu am Freitagabend gehörte zur zweiten Sorte - zumindest, wenn man ein Herz für vergebene Chancen, gelbe Karten und leicht überforderte Stürmer hat. 4.000 Zuschauer hatten sich im Neumünsteraner Stadion versammelt, um die Offensivbemühungen ihrer Mannschaft zu feiern. Und sie bekamen einiges zu sehen - nur eben keine Tore. Von Beginn an drückte der PSV, angetrieben vom quirlig agierenden Jesper Geirsson, der sich in der 9., 19., 22., 25., 38., 63. und 72. Minute gleich mehrfach in die Schussstatistik eintrug. "Wenn noch einer auf die Idee kommt, ich würde nicht treffen wollen, soll er sich heute meine Schuhsohlen anschauen - die glühen!", schnaufte der 24-jährige Isländer nach dem Abpfiff, während er seine Stutzen richtete. Auch Yves Kraus und Mario Venditti sorgten vorne für Betrieb - letzterer schlenzte kurz vor der Pause einen Ball so knapp am Pfosten vorbei, dass Trainer Cedric Catweazle schon jubelnd die Arme hob. Dann hielt er inne, seufzte und murmelte: "Taktisch war das brillant - nur leider nicht im Tor drin." Catweazle, bekannt für seine exzentrischen Pressekonferenzen, fügte später hinzu: "Wir haben offensiv gespielt, pressingfrei, aber mit Stil. Die Jungs haben’s künstlerisch versucht, nicht handwerklich." Weiler im Allgäu dagegen präsentierte sich als unbequemer Gegner. Trainer Mino Raiola - nein, nicht der berühmte Spielerberater, aber fast genauso meinungsstark - hatte seine Elf offensiv eingestellt, doch mit Pressing "nur bei Bedarf". Und Bedarf schien selten. Dennoch setzten die Gäste immer wieder Nadelstiche: Linus Berger prüfte Neumünsters Keeper Jorge Yago in der 31. und 47. Minute, Tomasz Stoll und Heinrich Foerster testeten dessen Reflexe, und auch der eingewechselte Nick Scherer durfte sich kurz als Fernschuss-Spezialist versuchen. "Wir wussten, dass Neumünster viel Ballbesitz haben würde", erklärte Raiola nach dem Spiel. "Also haben wir ihnen den Ball gegeben - und ihnen zugesehen, wie sie nichts damit anfangen." Ein Satz, der ihm in der Heimat des Understatements vermutlich eine Medaille einbringen würde. Statistisch gesehen war das Spiel eine klare Sache: 58,7 Prozent Ballbesitz für den PSV, 13:7 Torschüsse - aber eben null Treffer. Das Tackling-Duell ging mit 52,8 zu 47,2 Prozent ebenfalls an die Hausherren, was allerdings wenig Trost spendete. "Es ist wie beim Pokern", meinte Innenverteidiger Elof Uggla, der sich in der 44. Minute eine Gelbe Karte abholte. "Wir hatten die besseren Karten, aber keiner hat gesetzt." Apropos Karten: Schiedsrichter Timo Albrecht hatte einiges zu tun. Gleich fünfmal griff er zum Gelb-Block - dreimal gegen Neumünster (Thuringer, Uggla, Warschawski) und zweimal gegen Weiler (Stoll und Scherer). Besonders Stoll, der erst 17-Jährige Mittelstürmer der Gäste, nahm seine Verwarnung mit jugendlicher Gelassenheit: "Ich dachte, er wollte mir seine Telefonnummer geben", grinste er nach dem Spiel. In der 60. Minute reagierte Raiola gleich dreifach: Born, Bertram und der blutjunge Ben Meister durften duschen gehen, während Scherer, Horvat und Erskine frische Energie brachten. Ein Wechsel wie aus dem Lehrbuch - oder wenigstens aus einem, das viel Wert auf Laufleistung, aber wenig auf Kreativität legt. Neumünster rannte bis zum Schluss an. In der 88. Minute hatte Mario Venditti nochmals den Siegtreffer auf dem Fuß, doch Weilers Keeper Robert Schöne, gerade einmal 19 Jahre jung, pflückte den Ball mit stoischer Ruhe aus der Luft. "Ich hab mir gedacht: Der kommt jetzt, und ich steh halt da", sagte Schöne später mit einem Schulterzucken, das mehr über seine Coolness verriet als jede Parade. So blieb es beim torlosen Remis, das keiner Mannschaft so recht schmeckte. "Wir haben alles versucht, aber manchmal ist der Fußball einfach ein schlechter Komiker", philosophierte Catweazle, bevor er in die Kabine verschwand. Raiola dagegen grinste breit: "Ein Punkt auswärts, kein Gegentor - klingt nach Taktik, oder?" Am Ende applaudierten die Fans trotzdem. Vielleicht aus Anerkennung für den Einsatz, vielleicht aus Erleichterung, dass der Flutlicht-Abend zu Ende war. Es war eines jener Spiele, die man nicht wegen der Tore in Erinnerung behält, sondern wegen der Geschichten drumherum - und der vielen "Beinahe"-Momente, die in Neumünster an diesem Abend fast schon Kunstform hatten. Oder, wie ein Fan beim Hinausgehen seufzte: "So viel Ballbesitz - die hätten den Ball wenigstens mal behalten können." 18.03.643994 19:54 |
Sprücheklopfer
Es gibt Phasen, da ist man etwas angespannter. Das ist doch menschlich. Es wäre doch blöd von mir, den Schauspieler zu mimen.
Rudi Völler