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Wenn man zu spät ins Stadion kam, hatte man das Spiel eigentlich schon verpasst. Gerade einmal 60 Sekunden waren am 24. Spieltag der Regionalliga C gespielt, als TuS Düsseldorfs junger Flügelspieler Massimiliano Pentone den Ball wuchtig unter die Latte setzte. 1:0 - und das sollte es am Ende auch bleiben. 4071 Zuschauer im stimmungsvollen Paul-Janes-Stadion sahen ein Spiel, in dem Rostock zwar die Statistik gewann, Düsseldorf aber die Punkte behielt. "Ich dachte, der Schiedsrichter pfeift noch gar nicht an", scherzte der 19-jährige Pentone nach Abpfiff, während er sich mit dem goldenen Torjubel auf den Lippen feiern ließ. "Barak hat mir den Ball perfekt in den Lauf gelegt - da musste ich einfach nur noch den Fuß hinhalten." Der genannte Barak Suan, 20 Jahre jung und auf der linken Seite unermüdlich unterwegs, grinste bescheiden: "Ich wollte eigentlich flanken. Aber ich sag jetzt einfach, das war Absicht." Was folgte nach diesem Traumstart? Ein Spiel, das so gar nicht zu seinem Ergebnis passen wollte. Empor Rostock, trainiert von Johan Johansson, rannte wütend an, hatte mit 52 Prozent Ballbesitz und 13 Torschüssen deutlich mehr vom Spiel. Nur: Der Ball wollte einfach nicht ins Tor. Düsseldorfs Keeper Simon Metzger, sonst eher der stille Typ, wuchs an diesem Abend in die Rolle des Helden hinein. In der 43. Minute fischte er einen Schuss von Sebastian Krüger aus dem Winkel, in der 70. Minute lenkte er einen Distanzhammer von Maurice Hofmann glänzend über die Latte. "Ich hab heute einfach mal beschlossen, dass keiner mehr reinkommt", sagte Metzger trocken. Empor hatte seine Chancen - und wie. Frank Brückner tauchte zweimal gefährlich vor dem Tor auf (17. und 76. Minute), Jannik Hafner prüfte Metzger bereits früh (11., 27.), und in der Schlussphase zitterte das Stadion merklich. Doch Düsseldorf verteidigte mit jugendlicher Naivität und erstaunlicher Abgeklärtheit. Trainerstimme aus der Coachingzone: "Ich hab ihnen gesagt, sie sollen einfach weiterlaufen. Wenn du 19 bist, kannst du das noch", grinste TuS-Coach - dessen Name auf der Anzeigetafel unterging, weil das Flutlicht kurz flackerte. Die Gäste hingegen haderten mit dem Schicksal. Johansson, der sonst nordisch kühl bleibt, schüttelte nach dem Spiel den Kopf: "Wir haben alles gemacht - außer Tore. Vielleicht sollten wir das nächste Mal den Ball bitten, auch mitzuspielen." Seine Jungs gingen trotz spielerischer Überlegenheit leer aus. Besonders bitter: In der 89. Minute sah der junge Rechtsverteidiger Jordan Kischischew noch Gelb, als er einen Konter stoppen musste. Symbolisch für einen Abend, an dem Rostock stets einen Schritt zu spät kam. Düsseldorf dagegen zeigte, dass Effizienz manchmal schöner ist als Ästhetik. Sieben Torschüsse, ein Tor - das nennt man wohl deutsche Wertarbeit. Ballbesitz? 48 Prozent. Zweikampfquote? Unter 50 Prozent. Ergebnis? Drei Punkte. "Statistik schön und gut", meinte Pentone später in der Mixed Zone, "aber das Tor steht bei uns - und der Ball war drin." Ein kleines Highlight am Rande: In der 68. Minute wagte sich Rechtsverteidiger Mike Bach nach vorne und knallte den Ball aus 25 Metern Richtung Gästetor. Die Kugel segelte zwar in die Südkurve, aber das Publikum feierte ihn trotzdem. "Ich wollte zeigen, dass ich auch schießen kann", lachte Bach hinterher. "Jetzt weiß ich, warum ich Verteidiger geworden bin." Als Schiedsrichter Tobias Langhans nach 92 nervenaufreibenden Minuten abpfiff, feierten die Düsseldorfer ihren vierten Heimsieg in Serie. Empor Rostock verschwand kopfschüttelnd im Kabinentrakt - und Johansson fand noch Zeit für ein trockenes Fazit: "Das war kein schlechtes Spiel, nur das Ergebnis war falsch." TuS Düsseldorf darf dank der drei Punkte weiter vom oberen Tabellenmittelfeld träumen, während Rostock die lange Rückfahrt antrat - begleitet vom Gefühl, in einem dieser Fußballspiele gelandet zu sein, in denen einfach alles gegen einen läuft. Und wenn man ehrlich ist: Manchmal ist Fußball eben kein Gedicht, sondern eine Kurzgeschichte - und die schrieb an diesem Samstagabend ein 19-Jähriger namens Massimiliano Pentone in der allerersten Minute. 25.03.644000 17:04 |
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Rainer Calmund