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Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob der Gegner eigentlich wusste, dass das Spiel pünktlich um 20 Uhr begann. 46.442 Zuschauer im heimischen Pioneer Stadium sahen am 3. Spieltag der 1. Liga USA, wie die Western Pioneers die Atlanta Gorillas mit 3:0 zerlegten - und das nach einer ersten Halbzeit, die so torlos war wie ein Montagmorgen ohne Kaffee. Die Pioneers unter Trainer Walter White hatten von Beginn an das Kommando: 14 Torschüsse, 54 Prozent Ballbesitz, eine klare Marschroute - "Offensiv, aber mit Köpfchen", wie White lächelnd erklärte. Sein Gegenüber, Anja Meister, wirkte nach dem Abpfiff eher wie jemand, dem man gerade erklärt hat, dass Bananen keine gute Taktik gegen Pioniere sind. Dabei begann alles noch recht ausgeglichen. Die Gorillas verteidigten tief, suchten ihr Glück in langen Bällen und hofften auf einen dieser Zufallsmomente, die Fußball so grausam machen können. Aber der Zufall hatte an diesem Abend frei. Schon nach drei Minuten prüfte Ramon Fontàs den Keeper mit einem satten Schuss, Vilmos Buzanszky legte in der 16. Minute nach - doch Torwart Alberto Benedetto hielt alles, was flach kam. "In der Pause hab ich den Jungs gesagt: Wenn ihr weiter so zielt, eröffnen wir einen Schießstand", grinste White später. Offenbar hat’s gewirkt, denn in der 53. Minute explodierte das Stadion: Vilmos Buzanszky, bislang eher Pechvogel des Abends, nahm einen Pass von Innenverteidiger Brandon Gage auf, drehte sich einmal um die eigene Achse und drosch den Ball aus 18 Metern humorlos in den Winkel. 1:0 - und endlich Jubel. Atlanta wankte, aber fiel noch nicht. Meister reagierte, brachte frische Kräfte und stellte auf aggressives Pressing um. Doch statt Druck kam Chaos. Vincent Landry sah Gelb (61.), Vladimir Dubovsky revanchierte sich mit einer eigenen Verwarnung (68.). "Wir wollten Zeichen setzen", erklärte Dubovsky. "Leider war’s wohl das falsche." Denn kaum war die Karte noch gelb auf dem Notizblock, erhöhte Filippo Giuliani auf 2:0 (66.). Der Mittelfeldmotor der Pioneers, erst zur Halbzeit eingewechselt, traf trocken aus 20 Metern - ein Schuss, so präzise, dass selbst die Statistik-Abteilung kurz klatschte. Spätestens da schien Atlanta die Lust zu verlieren. Die Defensive wackelte, Bram Groot kassierte Gelb (80.), und als Taylor McShane in der 81. Minute nach Vorarbeit von Giuliani das 3:0 markierte, war die Partie endgültig gelaufen. McShane feierte mit ausgestreckten Armen Richtung Fankurve, Giuliani grinste: "Ich hab ihm gesagt, er soll endlich mal treffen - er hat’s wörtlich genommen." Selbst die Gorillas-Fans hatten Mühe, noch an ein Comeback zu glauben. Ihre Mannschaft brachte es auf drei Torschüsse im gesamten Spiel - einer davon in der 79. Minute durch Ezequiel Nani, der den Ball aber in die Nacht von Western schickte. Torwart Kevin Trapp musste sich kaum bewegen, um die Null zu halten. Nach dem Abpfiff sprach Anja Meister von einem "ernüchternden Abend". "Wir waren in der ersten Hälfte ordentlich, aber nach dem Rückstand ist uns das Konzept weggerutscht - wie eine Banane auf Asphalt." Walter White hingegen zeigte sich gewohnt trocken: "Ich mag keine Bananen. Ich mag Tore." Statistisch war alles klar: 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 14 zu 3 Torschüsse, 3:0 Tore - das nennt man wohl eine saubere Bilanz. Die Pioneers bleiben damit ungeschlagen und schicken ein deutliches Signal an die Liga. Ein Zuschauer fasste es beim Verlassen des Stadions zusammen: "Die Gorillas sind gekommen, um zu brüllen - aber die Pioniere haben das Echo erfunden." Und vielleicht, nur ganz vielleicht, dachte sich Walter White beim Abgang: So kocht man also Siege - ganz ohne Chemie. 03.09.644000 20:47 |
Sprücheklopfer
Die Karten sind neu gewürfelt.
Oliver Kahn