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Es war ein lauer Aprilabend in Fürstenwalde, aber auf dem Rasen ging es heiß her. 3.976 Zuschauer sahen ein Regionalliga-Spiel, das zunächst nach einem offenen Schlagabtausch aussah - und am Ende in einem blauen Albtraum für die Hausherren mündete. FK Pirmasens gewann verdient mit 3:1 (1:1) und nahm drei Punkte mit nach Rheinland-Pfalz, während Fürstenwalde ratlos über die eigenen Nervenstärke sinnierte. Schon in der 11. Minute sorgte Archie MacAlister für den ersten Aufreger. Der Pirmasenser Mittelfeld-Stratege, sonst eher als Taktgeber bekannt, zog nach feinem Zuspiel des 19-jährigen Vitorino Ramallo trocken aus 18 Metern ab - und der Ball zappelte im Netz. "Ich hab einfach mal draufgehalten", grinste MacAlister später, "der Ball hat mir gesagt, dass er rein will." Fürstenwalde wirkte zunächst geschockt, fing sich aber nach einer halben Stunde. Vor allem Maximilian Wirth und Lukas Roth versuchten, über die Flügel Druck zu machen. Zwei Torschüsse landeten immerhin im Fangnetz - Fortschritt, möchte man meinen. Kurz vor der Pause kam dann doch der Lohn: Linksaußen Noah Merz nutzte in der 44. Minute eine Unachtsamkeit in der Pirmasenser Abwehr und schob eiskalt zum 1:1 ein. Das Stadion tobte. Trainerin Gudrun Schweitzer von FK Pirmasens trat derweil mit einem leicht gequälten Lächeln an die Seitenlinie. "Ich hab ihnen gesagt, sie sollen wach bleiben. Aber anscheinend war die Halbzeitpause schon in ihren Köpfen", kommentierte sie später trocken. Nach dem Seitenwechsel nahm das Unheil für die Gastgeber langsam Gestalt an. Nur Sekunden nach Wiederanpfiff kassierte Fürstenwalde drei Gelbe Karten in gerade einmal drei Minuten - eine für Leon Morriss, eine für Wirth und eine für den erfahrenen Lionel Domingos. "Wir wollten zeigen, dass wir da sind", erklärte Kapitän Kurt Feldmann, der sich später selbst noch eine zweite Gelbe einhandelte und mit Gelb-Rot in der 74. Minute vom Platz ging. "Vielleicht war das etwas zu viel Präsenz", fügte er hinzu und grinste schief. Pirmasens roch die Schwäche und drehte die Schraube. In der 70. Minute war es Müjdat Öztürk, der nach feinem Doppelpass mit Kornej Babinow die Kugel aus spitzem Winkel ins lange Eck zirkelte - 2:1. Das war die Szene, die das Spiel kippte. "Wir haben vorher zu kompliziert gespielt", meinte Öztürk später, "dann hab ich gedacht: Einfach mal wie auf dem Bolzplatz." Sechs Minuten später machte der junge Außenverteidiger Samuel Reid den Deckel drauf. Nach einer Ecke von Babinow rauschte Reid heran und traf per Direktabnahme zum 3:1. Dass er dabei eigentlich gar nicht vorne hätte sein sollen, kommentierte er nach dem Spiel mit einem Augenzwinkern: "Ich hatte einfach Lust, auch mal im Bild zu sein." Fürstenwalde, nun in Unterzahl und taktisch völlig aus der Spur, kam nur noch sporadisch nach vorne. Lukas Roth prüfte in der 80. Minute den Pirmasenser Keeper Dennis Frei, doch der blieb unbeeindruckt. Mehr war nicht drin. Die Statistik sprach ohnehin Bände: 11:5 Torschüsse für den FK, knapp 51 Prozent Ballbesitz - und eine Zweikampfquote, die den Unterschied zwischen clever und kopflos erklärte. Fürstenwaldes Trainer - der Name wurde an diesem Abend lieber verschwiegen, um die Stimmung zu schonen - verschwand nach Abpfiff wortlos in den Katakomben. Doch ein Spieler raunte beim Rausgehen: "Wir haben uns selbst geschlagen." Kaum jemand widersprach. Pirmasens hingegen feierte ausgelassen. Trainerin Schweitzer lobte ihre Mannschaft, die nach einer wackligen Anfangsphase die Kontrolle übernommen hatte. "Wir wollten ruhig bleiben, auch wenn’s mal rumpelt", sagte sie. "Und wenn Archie trifft, dann ist sowieso alles möglich." Am Ende blieb den Fürstenwaldern nur der schwache Trost, dass sie 44 Minuten lang ebenbürtig gewesen waren. Danach aber zeigte Pirmasens, warum sie im oberen Tabellendrittel stehen: reifer, abgeklärter, schlicht besser. Und während die letzten Fans noch über Feldmanns Platzverweis und Reids Traumtor diskutierten, summte einer auf der Tribüne leise: "So spielt nur der FK." Sarkasmus? Vielleicht. Aber an diesem Abend war er nicht unangebracht. Ein Spiel mit Lehrwert für Fürstenwalde - und eine kleine Meisterklasse in Geduld und Effizienz von Pirmasens. Wenn man so will: Ein 3:1 als Lektion in der Kunst, zur richtigen Zeit die richtigen Pässe zu spielen - und zur falschen Zeit keine Karten zu sammeln. 11.01.643997 17:57 |
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Man darf jetzt nicht alles so schlecht reden, wie es war.
Fredi Bobic