// Startseite
| Anpfiff |
| +++ Sportzeitung für Deutschland +++ |
|
|
|
Es war einer dieser Abende im März, an denen man sich fragt, warum Flutlicht eigentlich so gnadenlos ehrlich ist. 3477 Zuschauer füllten das Hadamarer Stadion und sahen, wie ihre Spvgg Hadamar zunächst mutig, dann verzweifelt und am Ende ernüchtert gegen den FK Pirmasens unterlag - 1:2 hieß es nach 90 intensiven Minuten des 13. Spieltags der Regionalliga B. Dabei begann alles so vielversprechend. Die Gastgeber, taktisch ausgewogen und mit viel Elan, hatten in der Anfangsphase mehr vom Spiel. Schon nach sechs Minuten zwang Jake Locklear den gegnerischen Keeper Lucas Grantham das erste Mal zu einer Parade. "Ich hab gedacht, der fliegt rein - aber der Torwart war einfach zu früh wach", grinste Locklear später. Der junge Engländer war ohnehin der auffälligste Mann im ersten Durchgang, lauffreudig, präsent, immer anspielbar. In der 24. Minute krönte er seine Leistung: Nach einem energischen Vorstoß über Rechtsverteidiger Elliot Lorring kam der Ball punktgenau in den Rückraum - Locklear zog ab, der Ball schlug unhaltbar im rechten Eck ein. 1:0 Hadamar, das Stadion bebte. Trainer der Gastgeber riss die Arme hoch, der Stadionsprecher überschlug sich fast vor Begeisterung. Pirmasens, trainiert von Gudrun Schweitzer, zeigte sich kurz geschockt, aber nicht geschlagen. "Wir wussten, dass wir Geduld brauchen", erklärte Schweitzer nach dem Spiel mit einem Lächeln, das mehr Entschlossenheit als Gelassenheit verriet. Tatsächlich übernahmen die Gäste nach der Pause zunehmend die Kontrolle, während Hadamar spürbar an Intensität verlor. Die Statistik lügt selten: 14 Torschüsse für Pirmasens, nur 7 für Hadamar, 54 Prozent gewonnene Zweikämpfe für die Gäste - und am Ende eben zwei Tore. Der Doppelschlag zwischen der 62. und 64. Minute war so effizient wie schmerzhaft für die Gastgeber. Zunächst traf Alex Coviello nach einem schnellen Konter über Dani Tabenkin. Der Mittelstürmer ließ Keeper Travassos keine Chance. Kaum hatte Hadamar den Schock verdaut, klingelte es erneut: Wieder Coviello, diesmal nach Zuspiel von Innenverteidiger Tiago Gomes, der sich wohl dachte, wenn vorne keiner trifft, dann macht er eben die Vorlage selbst. "Ich hab’s kaum mitbekommen - zweimal geblinzelt, zweimal Tor", stöhnte Hadamars Abwehrspieler Enrico Acquappesa später. Für den neutralen Beobachter war es die Phase, in der Pirmasens zeigte, warum man auch auswärts gefährlich ist: aggressiv, direkt, mit kurzen Pässen und präzisen Abschlüssen. Hadamar versuchte zu reagieren, doch der Schwung war dahin. Edward Douglas hatte in der 51. Minute die große Chance zum Ausgleich, scheiterte aber an Grantham. In der 77. Minute nochmal Hoffnung: Tom Schöne zog aus spitzem Winkel ab - doch wieder war der Pirmasenser Keeper zur Stelle. Während Schweitzer an der Seitenlinie ruhig blieb, gestikulierte Hadamars Trainer zunehmend wild. "Wir hätten einfach das zweite Tor machen müssen", sagte er nach dem Abpfiff. "Aber Fußball ist kein Wunschkonzert." Auf der anderen Seite herrschte ausgelassene Stimmung. Matchwinner Coviello, doppelt erfolgreich, grinste: "Manchmal läuft’s einfach. Ich hab’ gesagt, wenn ich einmal treffe, mach ich gleich noch eins. Die Jungs haben mich ausgelacht - jetzt lachen sie immer noch, aber anders." Bemerkenswert war auch die taktische Entwicklung: Pirmasens startete offensiv, blieb aber geduldig, stellte in der Schlussphase auf ausgewogen um und zog das Pressing an - genau im richtigen Moment. Hadamar dagegen blieb bei seiner ausgewogenen, aber etwas zu braven Spielweise. Kein Pressing, wenig Risiko, viel Hoffnung - das reicht in dieser Liga selten. Am Ende applaudierte das Publikum dennoch. Für Einsatz, für Leidenschaft, für 60 gute Minuten. Dann ging das Licht im Stadion aus, aber nicht das Gefühl, Zeuge eines ehrlichen Fußballabends gewesen zu sein. "Wir nehmen das Positive mit", meinte Locklear beim Verlassen des Rasens und machte sich auf den Weg zur Kabine. Ein Reporter fragte, was das genau sei. Locklear grinste: "Mein Tor - und die Erkenntnis, dass 90 Minuten ziemlich lang sein können." Hadamar bleibt damit im unteren Mittelfeld, Pirmasens klettert mit dem Auswärtssieg in die obere Tabellenhälfte. Und während die Flutlichter langsam verlöschten, hallte noch ein Satz durch die Nacht, den wohl jeder Hadamar-Fan verstand: "Das war heute keine Katastrophe - nur ein Lehrstück in Effizienz." Ein Lehrstück, das sich am kommenden Spieltag hoffentlich nicht wiederholt. 30.03.643994 11:01 |
Sprücheklopfer
Das hätte in der Türkei passieren dürfen, aber nicht in der zivilisierten Welt.
Toni Schumacher zum Flutlichtausfall während seines Abschiedsspiels in Köln