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Man hätte es fast für ein Déjà-vu halten können: Wieder einmal ging der FK Pirmasens früh in Rückstand, wieder einmal wühlte sich Coach Gudrun Schweitzers Team in der zweiten Halbzeit mit erstaunlicher Leidenschaft zurück - und wieder einmal blieb am Ende die Frage, ob man sich über das Remis freuen oder ärgern soll. 2:2 hieß es am Ende eines intensiven Regionalliga-B-Spiels gegen Fürstenwalde - ein Ergebnis, das den 3.286 Zuschauern im Pirmasenser Stadion immerhin Unterhaltung bis zur letzten Minute bot. Dabei sah es zunächst gar nicht nach einem Punktgewinn aus. Schon in der 10. Minute schlug Fürstenwaldes Rechtsaußen Timm Henkel zu: Der 17-jährige Stephan Günther, der an diesem Abend einen bemerkenswert frechen Auftritt hinlegte, tanzte an der linken Linie entlang, flankte butterweich in die Mitte, und Henkel vollendete mit einem flachen Schuss ins lange Eck. Pirmasens’ Keeper Dennis Frei streckte sich vergeblich - 0:1. "Da war die Abwehr noch im Warmmodus", knurrte Schweitzer später bei der Pressekonferenz, "aber wenigstens war’s ein hübsches Tor - für die falsche Seite." Ihr Team brauchte gut 20 Minuten, um ins Spiel zu finden. Alex Coviello prüfte den Fürstenwalder Schlussmann Karsten Wendt mehrfach (36., 37.), doch der blieb ruhig wie ein Yogalehrer auf Valium. Und als Innenverteidiger Tiago Gomes in der 30. Minute Gelb sah, schien es, als würde der Abend für die Gastgeber einen dieser zähen Verläufe nehmen. Kurz vor der Pause dann der erste Schockmoment: Mittelfeldmann David Bernier musste nach einem Zusammenprall verletzt raus, für ihn kam der junge Kornej Babinow - ein Wechsel, der später noch Bedeutung gewinnen sollte. Nach dem Seitenwechsel legte Fürstenwalde wieder los wie die Feuerwehr. In der 54. Minute schob Noah Merz nach schöner Vorlage des Portugiesen Rui Tiago eiskalt zum 0:2 ein. "Ich hab den Ball einfach mitgenommen und gesehen, dass der Torwart sich zu früh bewegt", grinste Merz nach der Partie - und ergänzte selbstbewusst: "In solchen Momenten weißt du, warum du Stürmer bist." Doch dann kam Pirmasens - und wie! Angetrieben vom immer aktiver werdenden Hugo Alves auf der linken Seite, der gefühlt jeden Zweikampf annahm, drehte sich das Spiel. In der 66. Minute flankte genau dieser Alves präzise auf Rechtsverteidiger Marcel Baer, der plötzlich im Strafraum auftauchte und den Ball per Dropkick ins Netz hämmerte. Der Anschlusstreffer zum 1:2 - und das Stadion erwachte. "Ich wollte eigentlich gar nicht so weit vorne sein", gestand Baer später lachend, "aber der Ball kam so schön - da hab ich’s halt mal probiert." Schweitzer nickte dazu trocken: "Endlich hat einer probiert." Nur acht Minuten später (74.) war es dann Archie MacAlister, der den Ausgleich erzielte - nach einem feinen Doppelpass mit, genau, Babinow, jenem Joker, der nach Berniers Verletzung ins Spiel gekommen war. Der Schotte MacAlister zog aus 18 Metern ab, der Ball klatschte an die Unterkante der Latte, sprang hinter die Linie - und Pirmasens lag sich in den Armen. Die Schlussphase gehörte dann wieder den Gastgebern. Noah Specht und MacAlister hatten sogar noch den Siegtreffer auf dem Fuß (79., 81.), während Fürstenwaldes Hartung auf der Gegenseite in der 87. Minute fast das 2:3 erzielte. Keeper Frei rettete mit den Fingerspitzen - eine Parade, die sich sehen lassen konnte. Statistisch war’s ein Spiel auf Augenhöhe: 19:12 Torschüsse für Pirmasens, 49,9 Prozent Ballbesitz, 52 Prozent gewonnene Zweikämpfe - Werte, die zeigen, dass der FKP sich das Remis redlich erarbeitet hat. Fürstenwalde wirkte nach dem 2:0 fast zu sicher, verlor den Zugriff, während Schweitzers Mannschaft in der Schlussviertelstunde schließlich voll auf Offensive umstellte. "Ich hab gesagt: Wenn wir untergehen, dann wenigstens mit wehenden Fahnen", erzählte die Trainerin mit einem Augenzwinkern. Ihr Pendant aus Fürstenwalde, der gewohnt wortkarge Coach, murmelte nur: "Zwei Tore auswärts - normalerweise reicht das. Heute halt nicht." So ging ein Spiel zu Ende, das keiner so schnell vergessen wird. Zwei Teams, die ihre Stärken ausspielten, zwei Halbzeiten, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten - und am Ende ein 2:2, das fair, aber etwas unbefriedigend schmeckt. Oder wie es Archie MacAlister in der Mixed Zone formulierte: "Manchmal fühlt sich ein Unentschieden wie ein Sieg an. Heute war’s eher wie ein halbes Stück Kuchen - süß, aber man hätte gern mehr." Und wer die Reaktion von Gudrun Schweitzer nach dem Schlusspfiff sah, weiß: Das letzte Wort dieser Geschichte ist noch nicht gesprochen. In Pirmasens wird wieder trainiert, geschwitzt und geflucht werden - bis das nächste 2:2 kommt. Oder endlich mal ein 3:2. 10.04.643994 22:40 |
Sprücheklopfer
Schalke hat das Mittelfeld schnell überbrückt, mit schnellen, äh, Mittelfeldspielern.
Berti Vogts