Anpfiff
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Pirmasens zittert sich zum 3:2 - Tabenkin tanzt, Fürstenwalde trauert

Ein lauer Sommerabend, Flutlicht, 3294 Zuschauer im Stadion Husterhöhe - und ein Fußballspiel, das alles hatte: Tore, Gelbe Karten, zittrige Nerven und einen Trainer, der nach 90 Minuten mehr Adrenalin im Blut hatte als Koffein im Kaffee. FK Pirmasens gewann am 8. Spieltag der Regionalliga B mit 3:2 gegen Fürstenwalde - und das, obwohl sie zur Halbzeit schon wie die sicheren Sieger aussahen.

"Ich hatte das Gefühl, wir spielen uns in einen Rausch", sagte Pirmasens-Trainerin Gudrun Schweitzer nach Abpfiff mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Stolz und Erleichterung pendelte. Und tatsächlich: Ihre Mannschaft legte eine erste Hälfte hin, die man so in Pirmasens lange nicht gesehen hatte.

Schon in der 26. Minute eröffnete Alexander Satchmore den Torreigen - nach einem beherzten Vorstoß von Innenverteidiger Timo Schlotterbeck, der offenbar kurz vergessen hatte, dass er eigentlich nicht Lionel Messi ist. "Ich hab einfach mal durchgezogen", grinste Schlotterbeck später, "und Satch hat das Ding eiskalt reingemacht."

Neun Minuten später war Dani Tabenkin an der Reihe. Der bullige Linksaußen verwandelte eine feine Hereingabe des 18-jährigen Martin Keil zum 2:0. Und weil’s so schön war, wiederholte das Duo den Trick kurz vor der Pause in der 45. Minute - diesmal fast in Kopie, nur mit noch mehr Selbstvertrauen. 3:0 zur Halbzeit, das Publikum sang bereits von Tabellenführerschaft und Aufstiegsträumen.

Dann kam die zweite Hälfte - und mit ihr die Erinnerung, dass Fußball manchmal grausam ehrlich ist. Fürstenwalde, das bis dahin harmlos gewirkt hatte, stellte um, zeigte plötzlich Biss und Ballbesitz. Die Statistik zeigte am Ende fast Gleichstand: 51,9 Prozent für Pirmasens, 48,1 für die Gäste. Auch bei den Torschüssen war es eng - 10 zu 9.

In der 64. Minute schlug Fürstenwalde zurück: Lukas Roth, der zuvor schon Gelb gesehen hatte, traf nach schöner Vorarbeit von Florian Weis zum 3:1. Pirmasens wirkte überrascht - und Trainerin Schweitzer reagierte sofort. Satchmore und Keil mussten runter, Müjdat Öztürk und der junge Noah Specht kamen. "Ich wollte frischen Wind und weniger Risiko", erklärte Schweitzer später.

Doch der Wind blies plötzlich nur noch aus Richtung Fürstenwalde. Kapitän Florian Weis, mittlerweile mit Gelb vorbelastet, dirigierte seine Mannschaft mit der Ruhe eines Schachspielers. "Wir wussten, dass Pirmasens hinten raus anfängt zu schwimmen", meinte er nach dem Spiel - nicht ohne ein leichtes Grinsen.

In der 88. Minute wurde es dann richtig dramatisch. Rui Tiago, eigentlich Rechtsverteidiger, tauchte völlig frei im Strafraum auf und verkürzte auf 3:2. Vorlage: der 19-jährige Stephan Günther, der zuvor kaum auffiel, aber in dieser Szene alles richtig machte. Auf den Rängen wurde es plötzlich still - und man konnte sehen, wie Gudrun Schweitzer an der Seitenlinie hektisch mit den Händen wedelte, als wolle sie den Schlusspfiff herbeizaubern.

"Die letzten Minuten waren die längsten meines Lebens", gab sie später zu. Ihr Team verteidigte nun in der Formation eines Igelballs - alles hinten, keiner mehr vorne. Die Taktikdaten bestätigten es: vom offensiven Beginn zur klar defensiven Ausrichtung zum Ende hin. Kein Pressing mehr, dafür viel Kampf.

Schiedsrichterin Birkholz ließ drei Minuten nachspielen - drei Minuten, in denen Pirmasens’ Abwehrchef Schlotterbeck noch Gelb kassierte (89.) und die Fans kollektiv zu beten begannen. Dann endlich der Pfiff. Erleichterung, Jubel, und irgendwo auf der Tribüne ein älterer Herr, der lautstark verkündete: "Das war nix für schwache Nerven!"

Fürstenwaldes Trainer verzichtete auf große Worte. Seine Spieler schlichen vom Platz, viele mit hängenden Köpfen, einige mit ungläubigem Kopfschütteln. Sie hatten in der zweiten Halbzeit alles gegeben - und doch zu spät gezündet.

"Wenn wir so anfangen wie wir aufgehört haben, holen wir nächste Woche drei Punkte", sagte Torschütze Roth kämpferisch. Ein Satz, den man sich in Fürstenwalde rahmen lassen sollte.

In Pirmasens hingegen wurde gefeiert. Dani Tabenkin nahm sich nach dem Spiel Zeit für Selfies mit Fans. "Zwei Tore sind schön, aber drei Punkte sind schöner", sagte er lachend. Und fügte mit einem Augenzwinkern hinzu: "Vielleicht sollten wir das Zittern einfach als Fitnessprogramm verkaufen."

So endete ein Spiel, das eigentlich schon entschieden war - und dann doch noch zum Thriller wurde. FK Pirmasens bleibt oben dran, Fürstenwalde fährt mit leeren Händen, aber erhobenem Kopf nach Hause. Und wer dabei war, weiß: Diese 90 Minuten passten in keine Schublade - höchstens in die Kategorie "Herzattacke im Stadion".

08.01.644003 05:48
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Otto Rehhagel
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