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Ristic-Show in Hamburg: VfB Speldorf zerlegt den HASV mit 4:0

Der Himmel über Hamburg war am Sonntagabend so grau wie die Mienen der knapp 4.853 Zuschauer im Stadion an der Alsterchaussee. Der Hamburger ASV hatte sich vorgenommen, den 12. Spieltag der Regionalliga C zu nutzen, um endlich mal wieder für gute Laune zu sorgen. Am Ende blieb nur Galgenhumor - denn der VfB Speldorf nahm die Hanseaten auseinander wie ein schlecht zusammengebautes Billy-Regal. 0:4 hieß es nach 90 Minuten, und der Name des Abends war eindeutig: Veljko Ristic, 21 Jahre jung, links außen bei den Gästen, viermal getroffen, viermal gejubelt.

Schon früh war klar, wohin die Reise ging. Fünf Minuten waren gespielt, als Speldorfs Mario Demo einen ersten Warnschuss abgab - der Ball rauschte knapp vorbei, die Hamburger Abwehr schaute sich noch suchend an. Fünf Minuten später war es dann soweit: Demo flankte butterweich von links, und Ristic vollendete trocken zum 0:1 (10.). "Da war einfach Platz, so viel Platz habe ich sonst nur auf der Playstation", grinste der junge Serbe nach dem Spiel.

Hamburgs Trainer - sichtlich bedient - brüllte von der Seitenlinie: "Leute, enger stehen!" Doch die Worte verhallten ungehört im norddeutschen Abendwind. Speldorf spielte weiter wie im Training, ruhig, präzise, mit 56 Prozent Ballbesitz und einer Passsicherheit, die den Gastgebern fast mitleidserregend vorkam. Ristic legte in der 40. und 42. Minute nach, jeweils nach Vorarbeit von Mario Demo und Javier Manu. Zwei Doppelschläge binnen 120 Sekunden - und das Publikum begann, sich nach der Bratwurstbude umzusehen.

"Ich dachte kurz, es wäre schon Halbzeit", scherzte Speldorf-Coach Jakob Meier später mit einem Lächeln. "Aber dann fiel uns ein: Ach stimmt, wir dürfen ja noch 45 Minuten weitermachen."

Hamburger ASV? Der hatte in der ersten Hälfte ganze null zwingende Chancen. In der zweiten Halbzeit versuchte man, mit frischem Mut und leicht verändertem Stellungsspiel gegenzuhalten. Doch Speldorf blieb Herr im Haus. 20 Torschüsse insgesamt verzeichneten die Gäste, während die Hamburger ganze zwei Mal ernsthaft auf das Tor von VfB-Keeper Kirill Berjosin schossen - und das erst in der 87. und 88. Minute.

Zu diesem Zeitpunkt stand es bereits 0:4. Ristic hatte in der 80. Minute erneut zugeschlagen, diesmal nach einem Eckball, den Innenverteidiger Marcio Garces per Kopf verlängerte. Der Ball trudelte zu Ristic, der ihn mit der Lässigkeit eines erfahrenen Profis ins linke Eck schlenzte. Vier Tore, vier verschiedene Entstehungen - und ein Abend, der ihn wohl in die Träume so mancher Hamburger Verteidiger verfolgen wird.

"Wir waren heute einfach nicht auf dem Platz", bekannte HASV-Spielmacher Dirk Reinhardt ehrlich. "Manchmal hat man das Gefühl, der Gegner spielt Schach und wir Mensch-ärgere-dich-nicht."

Kurz vor Schluss wurde es dann noch einmal bitter: Nevio Lauer verletzte sich bei einem Zweikampf und musste ausgewechselt werden. Für ihn kam der 19-jährige Hatay Özcan, der sich immerhin mit einem beherzten Sprint und lauten Anfeuerungsrufen von der Bank in Szene setzte. Paolo Bortolotti sah kurz zuvor noch Gelb, vermutlich aus Frust darüber, dass Ristic schon wieder an ihm vorbeispazierte.

Die Statistik spricht ohnehin Bände: 41 Prozent Zweikampfquote für den HASV, Ballbesitz leicht unterhalb der 44-Prozent-Marke, kaum kreative Momente, kaum Tempo. Speldorf dagegen spielte mit der Gelassenheit eines Spitzenteams - keine waghalsigen Dribblings, kein wildes Pressing, einfach solide Kontrolle.

"Wir haben das heute clever runtergespielt", lobte Trainer Meier seine Elf. "Veljko hat natürlich einen Sahnetag erwischt, aber das war auch Teamarbeit. Mario (Demo) hat zwei klasse Vorlagen gegeben, und hinten hat Marcio (Garces) alles abgeräumt."

Die Hamburger Fans verabschiedeten ihre Mannschaft trotzdem mit Applaus - wohl eher aus Mitleid als aus Begeisterung. Ein älterer Zuschauer murmelte beim Hinausgehen: "Früher haben wir wenigstens schön verloren."

So bleibt der HASV weiter im Tabellenkeller, während Speldorf mit diesem Kantersieg Anschluss an die oberen Ränge hält. Die Gäste feierten nach Abpfiff ausgelassen, Ristic wurde im Kreis seiner Mitspieler beinahe erdrückt. "Ich hoffe, ich darf nächsten Sonntag wieder ran", lachte er. "Vielleicht schieße ich dann mal nur zwei."

Ein Satz, der in Hamburg wohl wie eine Drohung klingt.

Und so endete ein Abend, der für Speldorf goldglänzend und für den HASV tiefblau war - zumindest im übertragenen Sinne. Wenn man es positiv sehen will: Schlechter kann’s kaum mehr werden. Oder, wie ein Fan beim Bierstand sagte: "Man muss ja auch mal wissen, wann man einfach den Hut zieht - oder den Ball suchen geht."

27.10.643999 12:38
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Wenn wir am Samstag, sagen wir mal 17:20 Uhr, Deutscher Meister sind, dann können wir feiern bis zur Kreislaufstörung.
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