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Der Samstagabend in Nürnberg hatte alles, was ein Regionalligaspiel so braucht: Flutlicht, 3670 Zuschauer, zwei Tore, zwei Platzverweise - und eine gehörige Portion jugendlichen Übermuts. Am Ende hieß es 0:2 (0:1) aus Sicht des SV Nürnberg-Süd gegen Empor Rostock. Die Nordlichter nahmen drei Punkte mit an die Ostsee, während die Franken mit roten Wangen und roten Karten zurückblieben. Schon nach acht Minuten war klar, dass es kein gemütlicher Abend für die Hausherren werden würde. Niels Merkel, Rostocks quirliger Rechtsaußen, zog nach Zuspiel von Sebastian Krüger beherzt ab - und ließ Keeper Dirk Blank keine Chance. 0:1. "Da hab ich einfach mal draufgehalten", grinste Merkel später. "Sebastian meinte noch: ’Spiel ihn quer!’ - aber ich hab nur gesagt: ’Ich bin doch nicht hier, um Pässe zu üben.’" Nürnberg-Süd, mit einer Aufstellung, die mehr nach U19-Meisterschaft als nach Regionalliga klang, versuchte tapfer dagegenzuhalten. Die jungen Wilden - viele von ihnen gerade einmal 18 oder 19 - kombinierten gefällig, kamen aber selten gefährlich vor das Tor. Die Statistik sprach Bände: Sieben Torschüsse standen 17 Rostocker Versuchen gegenüber, und auch beim Ballbesitz lag Empor mit knapp 56 Prozent vorne. Kurzzeitig jedoch wackelte der Favorit. Bernt Wolter prüfte in der 42. Minute mit einem satten Schuss aus 20 Metern den Rostocker Keeper Max Falk, der die Kugel mit den Fingerspitzen über die Latte lenkte. "Wenn der reingeht, kippt das Spiel", murmelte Nürnbergs Trainer nach dem Spiel - wollte aber seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen. Nach dem Seitenwechsel wurde es ruppiger. Erst sah Rostocks junger Linksverteidiger Gawriil Jelzin in der 64. Minute Rot, nachdem er Nürnbergs Hermann Steiner eher umgemäht als gefoult hatte. "Ich hab den Ball gespielt - nur war der Ball halt schon weg", erklärte Jelzin mit norddeutscher Trockenheit. Seine Mannschaft ließ sich davon allerdings nicht beirren. Im Gegenteil: Nur zwei Minuten nach der Gelben Karte für Teamkollege Bernt Riedel (66.) folgte der K.o.-Schlag. Valter Holmqvist, der schwedische Flügelflitzer, traf in der 61. Minute - ja, das Tor fiel tatsächlich vor der Roten Karte, aber das Spielgefühl sagte etwas anderes - nach feiner Vorarbeit von Merkel zum 0:2. Der Schuss landete präzise im langen Eck, und die Nürnberger Abwehr blickte einander an, als hätten sie gerade ein neues physikalisches Phänomen beobachtet. "Das war so ein Ball, der einfach nicht aufhört zu fliegen", sagte Holmqvist später. "Ich hab mich schon gefragt, ob er überhaupt runterkommt." Ab da war klar: Empor hatte die Kontrolle. Nürnberg rannte, kämpfte, biss - doch die Pässe wurden kürzer, die Nerven länger. Zwei Gelbe Karten (Barreda in der 6., Schuster in der 59.) und schließlich die bittere Rote für Joshua Peter in der 93. Minute ließen die Partie unrühmlich enden. Peter hatte sich nach einem harmlosen Foul zu einer Diskussion mit dem Schiedsrichter hinreißen lassen, die mit einem "Na dann geh halt duschen" endete. Trainer Johan Johansson von Empor Rostock lobte anschließend die Nervenstärke seiner Elf: "Wir haben gezeigt, dass wir auch mit einem Mann weniger Ordnung halten können. Und Ordnung ist bei uns kein Zufall - wir trainieren sogar den geordneten Jubel." Auf Nürnberger Seite dagegen herrschte Frust - aber auch Trotz. "Wir sind jung, wir lernen", meinte Kapitän Robin Maurer. "Heute haben wir gelernt, dass Erfahrung manchmal schlicht bedeutet, den Ball einfach mal rauszudreschen." So bleibt nach 90 hitzigen Minuten ein Fazit, das sich wie eine Regionalliga-Weisheit liest: Wer vorne Niels Merkel und Valter Holmqvist hat, darf sich auch mal eine Rote leisten. Und wer mit 18 Jahren in der Startelf steht, darf Fehler machen - solange man sie sich merkt. Empor Rostock klettert dank des 0:2-Sieges weiter nach oben, während Nürnberg-Süd in der Tabelle nach unten blickt - aber immerhin mit der Gewissheit, dass sie gegen die Routine des Nordens nicht untergingen, sondern schwimmen lernten. Vielleicht noch etwas unkoordiniert, aber mit viel Herz. Und irgendwo in der Kabine soll man gehört haben, wie ein Nürnberger Spieler seufzte: "Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens stilvoll." Ein Satz, der an diesem Abend wohl den Applaus des Publikums verdient hätte - den gab’s allerdings nur für die Gäste. 07.05.643997 06:50 |
Sprücheklopfer
Die Kroaten sollen ja auf alles treten, was sich bewegt - da hat unser Mittelfeld ja nichts zu befürchten.
Berti Vogts vor dem WM-Spiel gegen Kroatien