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Es war ein lauer Maiabend in Minneapolis, 39.211 Fans verwandelten das Stadion der Minnesota Rowdies in ein grün-gelbes Tollhaus - zumindest bis die Atlanta Gorillas ihre Bananen auspackten und das Spiel in ein Dschungelstück amerikanischer Prägung verwandelten. Am Ende hieß es 1:2, und während Trainer Ameri Ka seine Rowdies mit schwerem Blick vom Rasen scheuchte, grinste Atlantas Coach Anja Meister zufrieden in die Kameras: "Wir wussten, dass sie viel Ballbesitz wollen. Wir wollten Tore." Das nennt man wohl Arbeitsteilung. Dabei begann alles ganz so, wie es sich die Heimfans erträumt hatten: Minnesota dominierte, schob sich die Kugel mit 61 Prozent Ballbesitz hin und her, als wäre sie ein zerbrechliches Porzellan-Ei. Nur: Tore schießt man nicht mit Prozenten. Gleich in der fünften Minute prüfte Tyler Wiltshire den Gorilla-Keeper Olivio Baumann mit einem satten Rechtsschuss, doch der Routinier im Kasten der Gäste pflückte den Ball seelenruhig herunter. "Ich hab den einfach gerochen", witzelte Baumann später. Und dann, wie aus dem Nichts - Minute 25: ein langer Ball von Finlay Ward, ein Laufduell, das Gheorghe Sapunaru mit der Wucht eines Mittelstürmers aus den 80ern gewann, und zack: 1:0 für Atlanta. Rowdies-Keeper Ricardo Derlei streckte sich vergeblich, während die Gorillas auf der Bank in einer spontanen La-Ola verschwanden. "Ich dachte, ich bin im falschen Film", murmelte Minnesota-Kapitän Benjamin Oliphant, der kurz darauf Gelb sah, weil er den Schiedsrichter etwas zu ausführlich über seine Sicht der Dinge informierte. Nach dem Seitenwechsel waren die Rowdies kurz unaufmerksam - und prompt schlug der nächste Affenalarm zu. Nur Sekunden nach Wiederanpfiff, in der 46. Minute, traf Ezequiel Nani nach Vorlage von Innenverteidiger Bram Groot. Ja, richtig gelesen: Der Abwehrmann hatte sich nach vorne verirrt, fand Nani, und der traf eiskalt zum 2:0. Coach Meister klatschte ihre Assistentin ab, als hätte sie gerade den Liga-Titel geholt. "Wir wollten Mut zeigen", erklärte sie später. "Und Bram hat das Wort wohl sehr wörtlich genommen." Minnesota reagierte - mit Wut, Stolz und einer gehörigen Portion Verzweiflung. Olaf Brodersen versuchte es gleich drei Mal in 20 Minuten, Michael Riva drosch aus allen Lagen, Louis Long köpfte, schoss, fluchte. Derlei hielt, was zu halten war, nur leider nicht auf der anderen Seite. In der 62. Minute endlich der Lohn für die Heimoffensive: Tyler Wiltshire flankte präzise wie ein Uhrmacher, und Archie Bloomfield traf per Volley ins rechte Eck - 1:2, und das Stadion explodierte. "Ich wollte einfach mal draufhalten", grinste Bloomfield nach dem Spiel. Trainer Ameri Ka dagegen sah weniger zum Lachen aus. "Wir hatten das Spiel im Griff - nur das Ergebnis nicht." Tatsächlich schossen seine Männer 13 Mal aufs Tor, während Atlanta mit neun Versuchen auf erstaunliche Effizienz setzte. Die letzten 20 Minuten waren ein einziges Rowdies-Feuerwerk. Riva prüfte Baumann in der 79. und 83. Minute, Alf Ravn zirkelte einen Freistoß knapp vorbei, und irgendwo auf der Tribüne flehte ein Fan: "Irgendwer, bitte, einfach rein damit!" Aber der Ball blieb ein störrischer Geselle. Atlanta verteidigte clever, manchmal frech, manchmal mit Glück. Als Max Hardin in der 88. Minute plötzlich selbst im gegnerischen Strafraum auftauchte und abdrückte, war Derlei gefordert, um Schlimmeres zu verhindern. Der junge Keeper parierte glänzend - und brüllte danach so laut, dass die Ersatzspieler kurz dachten, es sei der Schlusspfiff. Als dieser dann tatsächlich ertönte, jubelten die Gorillas, während die Rowdies ratlos abwinkten. "Wir haben 61 Prozent vom Ball, aber null Punkte", seufzte Mittelfeldmann Göran Bjorklund. "Vielleicht sollten wir beim nächsten Mal einfach weniger spielen und mehr treffen." Die Statistik gibt ihm recht: Mehr Ballbesitz, bessere Zweikampfquote (52 Prozent), mehr Torschüsse - und doch verloren. Fußball kann grausam sein, besonders wenn der Gegner aus Atlanta kommt und auf Effizienz programmiert ist. Im Presseraum danach war Ameri Ka schon wieder gefasst: "Es war der erste Spieltag. Wir haben noch 33 Möglichkeiten, es besser zu machen." Seine Spieler nickten, müde, aber nicht gebrochen. Anja Meister hingegen verschwand mit einem Lächeln in den Katakomben. Auf die Frage, ob sie mit dem langen Ballspiel zufrieden sei, antwortete sie nur: "Wenn die langen Bälle zu Toren führen, ist das Tiki-Taka genug für mich." Und so endete der Auftakt der "1. Liga USA" mit einem Lehrstück in Fußball-Logik: Ballbesitz ist schön, Tore sind schöner. Minnesota muss sich neu sortieren - und Atlanta feiert, als hätte man gerade den Dschungel erobert. Vielleicht war’s ja auch genau das. 21.08.644000 19:57 |
Sprücheklopfer
Gegen uns hätten wir auch gewonnen.
Klaus Allofs