Anpfiff
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Saarbrücken dreht das Halbfinale - Bremen hadert mit dem eigenen Mut

3164 Zuschauer im Ludwigspark sahen an diesem Dienstagabend ein Halbfinal-Hinspiel, das alle Zutaten eines klassischen Pokalduells hatte: frühe Dramatik, beherzten Einsatz, gelbe Karten wie aus dem Streusalzstreuer - und einen FC Saarbrücken, der nach kurzem Schock eiskalt zurückschlug. Am Ende stand ein 2:1-Sieg gegen den SV Bremen, der sich selbst fragte, warum er nach zehn Minuten aufgehört hatte, an das eigene Glück zu glauben.

Dabei begann alles so verheißungsvoll für die Gäste: In der 10. Minute zappelte der Ball im Netz der Saarländer, nachdem Sascha Reuter einen mustergültigen Pass von Routinier Matthias Schuster verwertet hatte. "Ich musste nur den Fuß hinhalten", grinste Reuter später - was in der Regel das schönste Kompliment für einen Mittelfeldspieler ist. Saarbrückens Keeper Daniel Kosowski hingegen sah die Sache etwas anders: "Ich hatte gehofft, der Ball sei schon draußen. War er aber offenbar nicht."

Doch der Jubel der Bremer dauerte nur kurz. Sieben Minuten später nahm das Spiel die Wende - und zwar mit der Wucht eines 20-Jährigen namens Herbert Ziegler. Nach feiner Vorarbeit von Jason Kern zog der linke Mittelfeldspieler trocken ab - 1:1, und das Stadion erwachte. Kaum hatten die Fans den Torjubel beendet, traf Saarbrückens Lennart Berthelsen in der 18. Minute zur 2:1-Führung. Die Vorlage kam von Fabio Sorbo San Basile, der danach so tat, als habe er das Tor selbst geschossen - zumindest ließ sein Jubel das vermuten.

"Da war auf einmal Feuer drin", sagte Trainer Carsten Altmeyer nach dem Spiel, "und ich hab’s genossen, solange es dauerte." Denn was danach folgte, war weniger Glanz als Kampf. Bremen mühte sich, fand aber nie wirklich zurück in die Partie. Zwar verzeichneten die Gäste neun Torschüsse (gegen 14 der Saarbrücker), doch die meisten davon flogen in Höhen, in denen normalerweise nur Möwen gefährdet sind.

Die Statistik spricht eine klare Sprache: 51,6 Prozent Ballbesitz für die Hausherren, dazu die leicht bessere Zweikampfquote. Saarbrücken wirkte insgesamt konzentrierter, auch wenn Theo Malfoy und Fabio Sorbo San Basile sich zwischen der 24. und 32. Minute mit Gelben Karten selbst kleine Mahnungen abholten. "Ich wollte nur zeigen, dass ich da bin", verteidigte sich Malfoy später, während Sorbo San Basile lächelnd anfügte: "Schiedsrichter und ich hatten unterschiedliche Vorstellungen von Fairness."

Bremen versuchte nach der Pause, das Spiel an sich zu reißen. Salvatore Greco und Joshua Kunkel feuerten munter aufs Tor, aber Kosowski hielt, was zu halten war. Manchmal mit Stil, manchmal mit Glück, aber immer mit Wirkung. "Wenn wir morgen früh in die Kabine kommen, bringen wir Kaffee für ihn mit", scherzte Verteidiger Guy Mayhew, der sonst eher selten für Witze bekannt ist.

Die Schlussphase war dann ein Sammelsurium der Emotionen: erst Gelb für Juri Prjaschnikow (78.) und Srdan Vranjes (80.), dann ein taktisches Foul von Saarbrückens Jason Kern, der sich in der 84. Minute ebenfalls den gelben Karton abholte. Auf den Rängen pfiff und klatschte es im Wechsel, und Trainer Altmeyer rief seinem Team zu: "Wenn ihr nicht mehr laufen könnt, lauft wenigstens schöner!" - was prompt für Gelächter auf der Bank sorgte.

Bremens Coach Timo Mohr stand derweil stoisch an der Linie, die Hände tief in den Taschen. Nach dem Abpfiff fasste er das Dilemma seines Teams trocken zusammen: "Wir haben gut angefangen und dann aufgehört, gut zu sein. Das ist selten eine gute Idee."

So geht Saarbrücken mit einem knappen, aber verdienten 2:1-Vorsprung ins Rückspiel. Für Bremen bleibt die Hoffnung auf die Heimstärke - und vielleicht ein bisschen weniger Zögern im Angriff.

Zum Schluss noch ein Wort an die Zuschauer, die sich trotz Nieselregen und Dienstagabendtermin im Stadion einfanden: Sie bekamen ein Fußballspiel, das alles hatte - Leidenschaft, Tempo, Karten, Tore - und eine Prise Pokalmagie. Man kann von Glück reden, dass es kein Elfmeterschießen gab. Denn an diesem Abend hätte wohl selbst der Ball nicht mehr gewusst, auf welches Tor er eigentlich soll.

17.04.644000 19:05
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