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Wenn ein lauer Maiabend in Bad Doberan zum Albtraum für die Heimelf wird, dann hat meist ein gut organisierter Gast seine Finger im Spiel. Am 27. Spieltag der Regionalliga D zeigte der FC Saarbrücken unter Trainer Carsten Altmeyer, warum er derzeit als Favoritenschreck gilt. Mit einem souveränen 4:1-Auswärtssieg beim Bad Doberaner SV nahmen die Saarländer drei Punkte mit - und den Gastgebern jede Illusion, hier etwas holen zu können. 5.000 Zuschauer hatten sich im Stadion an der Mollistraße eingefunden, ein paar sogar in kurzen Hosen und mit Sonnencreme statt Schirm. Sie wollten sehen, ob Oscar Raabs offensiv eingestelltes Team gegen die präzise Saarbrücker Passmaschine bestehen kann. Nach vierzehn Minuten wussten sie: eher nicht. Theo Malfoy, der Name klingt nach Zauberschule, spielte tatsächlich wie verhext. Nach einem feinen Doppelpass mit Fabio Sorbo San Basile zog er von links in den Strafraum und schob überlegt zum 0:1 ein - der Ball küsste förmlich den Innenpfosten. Nur sieben Minuten später klingelte es erneut. Diesmal war es Marc Albacar, der einen schnellen Angriff über Jason Kern eiskalt abschloss. 0:2, und die Doberaner Hintermannschaft sah aus, als habe sie noch nicht ganz verstanden, dass das Spiel begonnen hatte. Trainer Raab tobte an der Seitenlinie und schrie: "Männer, das hier ist kein Trainingskick!" - was die Verteidiger immerhin so sehr aufrüttelte, dass sie fortan mehr liefen als redeten. Und tatsächlich: In der 32. Minute zeigte der BDSV ein Lebenszeichen. Iker Yague flankte butterweich von links, Detlev Jones stieg höher als alle Saarbrücker und köpfte wuchtig zum 1:2 ein. Das Stadion erwachte, die Bratwurstverkäufer hatten plötzlich wieder Arbeit. "Da war kurz Feuer drin", meinte Jones später, "aber dann haben die uns wieder eingefroren." Die Statistik zur Pause zeigte ein fast ausgeglichenes Bild: 49,6 Prozent Ballbesitz für Bad Doberan, acht Torschüsse insgesamt, doch die Saarbrücker wirkten in jeder Aktion reifer. Trainer Altmeyer blieb ruhig, wie immer. "Wir wussten, dass sie offensiv kommen. Aber wir können das Tempo jederzeit anziehen", sagte er später mit einem kaum merklichen Grinsen. Nach Wiederanpfiff folgte prompt der Beweis. In der 57. Minute erzielte erneut Albacar seinen zweiten Treffer. Nach einem Eckball von Guy Mayhew schaltete er am schnellsten und drosch den Ball aus kurzer Distanz ins Netz. Die Doberaner Abwehr? Kurz im Halbschlaf. Torwart Connor Pernet winkte nur resigniert ab - vielleicht auch den Ball hinterher. Spätestens beim 1:4 in der 70. Minute war die Messe gelesen. Jason Kern, bislang Strippenzieher im Mittelfeld, traf diesmal selbst, mustergültig bedient von Istvan Simonyi. Ein Schuss, trocken wie der Rasen, und die Saarbrücker Spieler jubelten ausgelassen. "Ich hatte das Gefühl, wir könnten noch zwei machen", meinte Kern später, "aber der Trainer wollte schonen." In der Schlussphase wurde es hitziger. Fabio Sorbo San Basile kassierte Gelb (73.), ebenso Herbert Ziegler drei Minuten später - beide wegen übermotivierten Einsatzes, wenn man es freundlich ausdrückt. Auf der Gegenseite sah Rafael Jung nach einem rustikalen Einsteigen schon in der 40. Minute Gelb, was ihn allerdings nicht davon abhielt, in der 91. Minute noch einmal auf das Saarbrücker Tor zu donnern. Der Ball flog allerdings auf die Laufbahn, wo ihn ein Balljunge mit den Worten "Danke, Herr Jung, war knapp!" trocken zurückrollte. Saarbrücken wechselte in der 86. Minute gleich dreifach, offenbar mit Blick auf die Zukunft: Der 17-jährige Torwart Hanns Richter feierte sein Regionalliga-Debüt - kurioserweise für Doppeltorschütze Albacar. "Ich wollte dem Jungen ein paar Minuten schenken", erklärte Coach Altmeyer schmunzelnd. "Und Marc hat sich seinen Feierabend verdient." Bad Doberan versuchte in den letzten Minuten noch, das Ergebnis zu verschönern. Doch weder Iker Cortes (87.) noch der späte Versuch von Jung (91.) fanden den Weg ins Tor. Am Ende stand ein klares 1:4, das auch in dieser Höhe verdient war. "Wir haben gut angefangen, aber dann einfach zu oft zugeschaut", bilanzierte Raab. "Vielleicht sollten wir beim nächsten Mal weniger staunen und mehr laufen." Die Zahlen bestätigen ihn: 8:12 Torschüsse, knapp 48 Prozent Zweikampfquote - alles Werte, die zeigen, dass der Wille da war, die Klasse aber beim Gegner lag. Saarbrücken dagegen glänzte mit Effizienz, Disziplin und jugendlicher Frische. Als die Nacht über Bad Doberan fiel, blieb das Licht im Gästebus noch lange an. Man hörte Gelächter und den Satz: "Vier Tore und trotzdem noch Luft nach oben." Man darf gespannt sein, wohin diese Luft die Saarländer noch trägt. Und Bad Doberan? Die dürfen jetzt trainieren, bis der Ostseewind wieder weht - oder bis Theo Malfoy endlich nach Hogwarts zurückkehrt. 17.04.644000 21:59 |
Sprücheklopfer
Ein Trainer ist nicht ein Idiot. Ein Trainer sehen was passieren in Platz.
Giovanni Trappatoni