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Wenn man an einem lauen Aprilabend im Schwalmstadion sitzt und hofft, die heimische Elf möge dem Favoriten aus Saarbrücken wenigstens ein Bein stellen, dann braucht man an diesem 30. April 2026 starke Nerven - und vielleicht ein gutes Bier. Nach 90 Minuten stand ein ernüchterndes 0:4 (0:2) auf der Anzeigetafel, und die 4491 Zuschauer schwankten zwischen höflichem Applaus für den Gegner und stillem Kopfschütteln über das eigene Team. Dabei begann alles mit ehrlichem Optimismus. Trainer Nick Hanke schickte seine Schwalmstädter in einer ausgewogenen Formation aufs Feld, die taktisch so solide wirkte wie ein Mittelklassewagen: nichts Aufregendes, aber verlässlich. "Wir wollten kompakt stehen und mutig umschalten", erklärte Hanke später - und fügte nach einer kurzen Pause hinzu: "Das hat… zeitweise funktioniert." Zeitweise, das bedeutet in diesem Fall etwa bis zur zehnten Minute. Da nämlich tauchte Saarbrückens Mittelstürmer David Mai nach feinem Zuspiel von Marc Albacar im Strafraum auf, nahm den Ball mit der Brust an und drosch ihn kompromisslos ins linke Eck. 1:0, und der erste von vielen Saarbrücker Jubelkreisen war eröffnet. Schwalmstadt versuchte, sich zu schütteln, doch die Gäste hatten Blut geleckt. Ihr Trainer Carsten Altmeyer stand an der Seitenlinie, Hände in den Taschen, und grinste breit. "Wir wollten von Anfang an zeigen, dass wir hier nicht auf Auswärtspunkt spielen", sagte er später. Seine Elf hielt Wort. In der 32. Minute war es dann Albacar selbst, der nach einer butterweichen Flanke von Louis Lohmann per Kopf zum 2:0 traf. Zur Pause zeigte die Statistik zwar fast ausgeglichenen Ballbesitz (51 zu 49 Prozent aus Sicht der Gastgeber), doch die Wahrheit lag auf den Schuhen: ganze 6 Torschüsse für Schwalmstadt, 20 für Saarbrücken. Wer so konsequent arbeitet, darf auch konsequent führen. In der zweiten Hälfte bot sich ein ähnliches Bild: Schwalmstadt mühte sich redlich, kam durch Callum Edgecomb und Ilie Stefanescu zu ein paar harmlosen Schüsschen, während Saarbrücken die Partie mit der Lässigkeit eines erfahrenen Pokerspielers kontrollierte. "Wir wussten, dass sie irgendwann aufmachen müssen", grinste Mittelfeldmotor Fabio Sorbo San Basile nach der Partie, "und dann tut’s halt weh." Weh tat es spätestens in der 62. Minute, als der 20-jährige Herbert Ziegler - der vielleicht noch Milch im Kühlschrank älter hat als sich selbst - nach Vorarbeit von Lennart Berthelsen das 3:0 erzielte. Die Moral der Hausherren sank daraufhin spürbar. Hanke trommelte an der Seitenlinie, schrie "Kopf hoch!", aber seine Jungs schienen gerade auf der Suche nach demselben zu sein. Als dann in der 81. Minute erneut Albacar zur Stelle war und nach einer mustergültigen Vorlage von Berthelsen den Ball zum 4:0 ins Netz drückte, war das Spiel endgültig entschieden. Der Gästeblock feierte, die Heimfans zückten ihre Handys - ob für Erinnerungsfotos oder Ablenkung, blieb offen. Ein kleiner Aufreger kam noch kurz vor Schluss: Schwalmstadts Innenverteidiger Leon Caviness sah in der 83. Minute Gelb, als er den durchstartenden Theo Malfoy rustikal stoppte. "Ich wollte nur den Ball spielen", verteidigte sich Caviness später - und fügte mit einem gequälten Lächeln hinzu: "Leider war der Ball zwei Meter weiter." Saarbrücken musste kurz darauf einen Dämpfer hinnehmen: Rechtsverteidiger Irakli Zizinow verletzte sich und wurde unter Applaus ausgewechselt. Für ihn kam Istvan Simonyi, der prompt sein Regionalliga-Debüt feierte. Trainer Altmeyer nahm es gelassen: "Wenn du 4:0 führst, kannst du auch mal einen jungen Kerl reinschmeißen." Nach dem Abpfiff standen beide Trainer nebeneinander im Presseraum. Hanke sprach von "einem gebrauchten Abend" und versprach, "die Köpfe hochzunehmen". Altmeyer hingegen zeigte sich zufrieden: "Das war erwachsen, zielstrebig und manchmal sogar schön." Die Statistik untermauert das Urteil: 20 Torschüsse, eine Zweikampfquote von 56 Prozent und eine offensive Grundhaltung über 90 Minuten hinweg. Saarbrücken agierte mit einem Selbstverständnis, das man in dieser Liga nicht alle Tage sieht. Schwalmstadt dagegen war bemüht, aber ideenlos - und verließ das Feld mit hängenden Köpfen und der Erkenntnis, dass Ballbesitz ohne Durchschlagskraft nur eine Zahl bleibt. Zum Trost spendierte der Stadionsprecher nach dem Schlusspfiff noch ein launiges "Danke für eure Unterstützung!". Einige Fans quittierten das mit Galgenhumor. "Na ja, immerhin haben wir nicht 0:5 verloren", witzelte ein älterer Herr auf der Tribüne. Und so endete ein Abend, der für Saarbrücken ein weiterer Schritt nach oben war - und für Schwalmstadt eine Erinnerung daran, dass Fußball manchmal einfach ungerecht ehrlich ist. 23.06.643997 05:20 |
Sprücheklopfer
Ich brauche Spieler, die am Ball besser sind als am Mikro.
Otto Rehhagel