Anpfiff
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SC Hennef zaubert - und SV Steuden schaut zu

Ein lauer Aprilabend, Flutlicht, 12.536 Zuschauer und ein SC Hennef in Spiellaune. Mehr braucht es nicht, um den SV Steuden mit 3:0 (1:0) nach Hause zu schicken. Die Hennefer spielten so, als hätten sie den Frühling persönlich erfunden - und Steuden? Nun ja, sie wirkten, als hätten sie den Wecker auf Sommerpause gestellt.

Von Beginn an war klar, wer hier das Drehbuch schrieb: Hennef. Giovanni Diaco hatte seine Elf offensiv eingestellt, Flügelspiel, kurze Pässe, ordentlich Pressing - und vor allem Mut. "Wir wollten zeigen, dass Hennef nicht nur Rasen, sondern auch Raserei kann", grinste der Trainer später. 19 Torschüsse und über 61 Prozent Ballbesitz untermauern das.

Schon in der 18. Minute prüfte John Lockhart den Steudener Keeper Julius Seiler, der sich mit einer Flugparade in die Herzen der mitgereisten 47 Fans warf. Keine zwei Minuten später versuchte es Markus Litmanen - 17 Jahre jung, aber eiskalt wie ein skandinavischer Winter. Noch war der Ball nicht drin, aber das Publikum roch, dass da etwas kommen würde.

Und tatsächlich: In der 33. Minute klingelte es. Ivica Dukic, der alte Mittelfeld-Stratege, sah Litmanen starten, steckte den Ball durch, und der Teenager vollendete trocken zum 1:0. "Ich hab einfach gemacht, was Ivica gesagt hat", grinste Litmanen später in die Mikrofone. "Wenn der mir sagt, lauf - dann lauf ich. Der Typ war schon Profi, da hab ich noch Lego gespielt."

Steuden versuchte, irgendwie dagegenzuhalten, aber das klappte ungefähr so gut wie ein Regenschirm im Sturm. Vier Torschüsse in 90 Minuten - einer davon von Julius Peters in der 28. Minute, der wenigstens Pedro Pere im Hennefer Tor kurz beschäftigte. Trainer Karli Konter brüllte von außen: "Jungs, wir sind doch keine Zuschauer!" Woraufhin einer seiner Spieler angeblich antwortete: "Aber wir haben die besten Plätze, Coach."

Nach der Pause wechselte Konter gleich dreifach und brachte unter anderem Kai Krause, den erhofften Stoßstürmer. Doch auch der fand kaum statt. Hennef ließ den Ball laufen, als gäbe es Punkte für Eleganz. Ewan MacDuff, der schottische Linksfuß mit der Frisur eines Rockstars, schlug in der 77. Minute eine butterweiche Flanke - und Dukic verwandelte per Direktabnahme zum 2:0. Ein Tor, das man in Bronze gießen sollte. "Ich wollte eigentlich flanken", gab MacDuff mit einem Augenzwinkern zu. "Aber Ivica meinte, er habe es so bestellt. Dann soll er’s auch so haben."

Damit war der Widerstand gebrochen. Hennef spielte weiter, als hätten sie ein unsichtbares Metronom im Mittelfeld. In der 86. Minute kam der Schlusspunkt: Björn Mortensen, 21 Jahre jung, zog von rechts in die Mitte und schloss ab - trocken, präzise, 3:0. Das Stadion jubelte, Diaco ballte die Faust, und Steuden schaute betreten drein.

"Das war Lehrmaterial", gestand Gästecoach Konter nach dem Spiel. "Wir haben gesehen, was passiert, wenn man einem offensiven Team zu viel Platz lässt. Wir hätten uns ein bisschen weniger höflich verhalten sollen."

Die Statistik sprach Bände: 61,7 Prozent Ballbesitz, 19:4 Torschüsse, 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe - Hennef war in allen Belangen überlegen. Selbst in den letzten Minuten, als Diaco den Einsatz etwas drosseln ließ, blieb die Kontrolle beim Heimteam.

Auf der Tribüne wurde nach Abpfiff noch diskutiert, ob man den jungen Litmanen direkt an die Nationalmannschaft melden solle. "Erst mal Schule fertig", meinte ein Ordner mit einem Grinsen.

Hennef feierte den Sieg mit einem kleinen Kreis in der Mitte des Platzes. Trainer Diaco rief seinen Jungs zu: "Genau so will ich euch sehen - hungrig, aber satt nach dem Spiel!"

Steuden dagegen verschwand leise in die Kabine. Nur Karli Konter blieb kurz stehen, schüttelte den Kopf und murmelte: "Manchmal ist Fußball eben einfach unfair - aber meistens verdient."

Ein verdienter Sieg also für den SC Hennef, der mit dieser Vorstellung nicht nur Punkte, sondern auch Sympathien sammelte. Wenn sie so weitermachen, wird der Liga-Pokal für sie kein bloßes Pokalabenteuer - sondern vielleicht ein kleiner Frühlingstraum mit Fortsetzung.

Und wer weiß, vielleicht schreibt sich Litmanen bald in dieselbe Geschichtslinie wie sein berühmter Namensvetter. Zumindest an diesem Abend war er der Mann, der Hennef zum Blühen brachte.

01.08.643996 04:38
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