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Seattle, 4. Juni 2026 - Die 32.861 Zuschauer im Lumen Field hatten kaum Platz auf ihren Sitzkanten, als die Seattle Sounders am siebten Spieltag der 1. Liga USA die Atlanta Gorillas mit 2:0 besiegten. Es war kein wilder Schlagabtausch, sondern ein kontrollierter, beinahe lehrbuchhafter Auftritt der Gastgeber - mit zwei frühen Toren, einem 19-jährigen Helden und einem Trainer, der nach Abpfiff so entspannt wirkte, als hätte er gerade ein Yoga-Retreat hinter sich. "Ich hab den Ball einfach sauber getroffen - und dann war er drin", grinste Harry Jones, der Rechtsverteidiger, nach seinem Treffer in der 14. Minute. Es war sein erstes Profitor, und was für eines: Nach einer klugen Ablage von Herman Carlsson zog der Youngster aus vollem Lauf ab, der Ball schlug präzise im langen Eck ein. Der Torjubel klang, als hätte jemand eine Rakete gezündet - Seattle explodierte förmlich. Nur drei Minuten später durften die Fans wieder aufspringen. Diesmal war es Innenverteidiger Julian Puerta, der nach einer flachen Hereingabe von Edward Ross goldrichtig stand und auf 2:0 erhöhte. Zwei Verteidiger, zwei Tore, und Atlanta schien in dieser Phase völlig überfordert. "Ich dachte kurz, wir hätten die Positionen getauscht", witzelte Puerta später. Trainer Ein Juppie, der Mann mit dem ruhigen Blick und den launigen Kommentaren, lobte sein Team mit typisch nordwestamerikanischer Gelassenheit: "Wir wollten früh zeigen, dass wir das Spiel bestimmen. Dass ausgerechnet ein Teenager und ein Innenverteidiger treffen, passt perfekt zu unserer Philosophie: Jeder darf mal." Die Statistik unterstützt seine Worte. 18 Torschüsse der Sounders gegen nur 5 der Gorillas, 53 Prozent Ballbesitz - und das, obwohl Seattle gar nicht aggressiv presste. Die Taktik: offensiv, aber geduldig. "SURE" nennen es die Analysten - also gezielte Abschlüsse statt wildes Gebolze. Atlanta dagegen präsentierte sich, freundlich gesagt, ausgewogen - im Sinne von: ein bisschen von allem, aber nichts zu Ende gedacht. Trainerin Anja Meister wirkte an der Seitenlinie zunehmend ratlos. Ihre junge Elf (im Durchschnitt kaum älter als 21) rannte, kämpfte, aber kam selten in gefährliche Räume. Die besten Chancen hatte Garritt Knickerbacker, der in der 16., 43., 86. und 90. Minute jeweils aus aussichtsreicher Position scheiterte. "Wir wussten, dass Seattle gerne die Flügel nutzt, aber irgendwie haben wir ihnen dort trotzdem zu viel Raum gelassen", erklärte Meister nach der Partie und fügte trocken hinzu: "Vielleicht lag’s an der Höhenluft - oder daran, dass meine Jungs dachten, es sei noch Aufwärmzeit." Im Mittelfeld zog Herman Carlsson die Fäden, während Bartilomiej Wojcicki die Bälle verteilte wie ein Croupier im Casino. Edward Ross, der 19-jährige Wirbelwind auf der rechten Seite, hatte gleich vier Torschüsse - und auch wenn keiner im Netz landete, war sein Tempo ein ständiger Albtraum für Atlantas Abwehr. Nach der Pause schalteten die Sounders einen Gang zurück. Sie erspielten sich zwar weiter Chancen - Vitorino Tellez prüfte Torhüter Ethan Thuringer mehrfach -, doch das große Feuerwerk blieb aus. Stattdessen gab’s ein bisschen Gelb: Joseph Dewey (73.) und Julian Puerta (87.) holten sich jeweils einen Eintrag ins Notizbuch des Schiedsrichters, ebenso Atlantas Finlay Ward (74.), der offenbar vergessen hatte, dass Trikotzupfen kein olympischer Wettbewerb ist. In der 45. Minute musste der junge Harry Jones vom Feld - nicht verletzt, sondern als Vorsichtsmaßnahme. "Er war so aufgedreht, dass ich Angst hatte, er rennt noch in die Zuschauer", lachte Juppie später. Für ihn kam der erfahrene Finne Veli Koppinen, der den Laden hinten souverän dicht hielt. Die Gorillas versuchten es in der Schlussphase mit langen Bällen, aber Seattles Abwehr stand stabil wie ein Hochhaus in Downtown. Torwart Asier Villar, 33, hatte einen ruhigen Abend und kommentierte das lakonisch: "Ich hätte fast mein Sudoku zu Ende gespielt." Als der Schlusspfiff ertönte, feierten die Fans ihre Mannschaft mit Standing Ovations. 2:0, mehr war nicht nötig, um die Botschaft in die Liga zu senden: Die Sounders sind zurück - jung, mutig und mit einem rechten Verteidiger, der Tore schießt, als hätte er nie etwas anderes getan. Trainerin Meister nahm’s sportlich: "Wenn man verliert, dann wenigstens gegen eine Mannschaft, die Fußball spielen kann." Und Reporter, die noch an diesem Abend ihre Texte tippen, dürfen hinzufügen: Seattle spielte nicht nur Fußball - sie zeigten eine kleine Lehrstunde in Effektivität. Zwei Tore in drei Minuten, danach 70 Minuten gepflegtes Ballhalten. Das nennt man wohl: nordamerikanische Gelassenheit in Schuhgröße 45. Oder, wie Juppie es am Ende formulierte: "Wir haben gewonnen, ohne nervös zu werden. Das ist fast unheimlich." Unheimlich gut, möchte man hinzufügen. 07.01.644003 20:02 |
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Mehmet Scholl auf die Frage, wie es war, als Bundeskanzler Kohl nach dem EM-Sieg 1996 in die Kabine kam