Anpfiff
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Spätes Glück für Wusterwitz: Witte trifft in Minute 85

Bad Dürrenberg - 5078 Zuschauer sahen am Mittwochabend ein Spiel, das man mit etwas bösem Willen als "Lehrfilm in Geduld" bezeichnen könnte. Erst fünf Minuten vor dem Ende fiel im Regionalliga-B-Duell zwischen Bad Dürrenberg und dem FC Wusterwitz der entscheidende Treffer - und der kam von einem, der eigentlich schon einmal draußen war: Rafael Witte, 21, Joker und Matchwinner zugleich, bescherte seinem Team den 1:0-Auswärtssieg.

Die Partie begann mit einer Prise Sommerfußball. Die Sonne war längst hinter der Tribüne verschwunden, doch die Spieler beider Seiten schienen noch auf den Anpfiff des Grillabends zu warten. Wusterwitz übernahm von Beginn an leicht die Initiative, schoss fleißig aufs Tor - ganze 14 Mal im Verlauf -, aber meist so, dass Bad Dürrenbergs Keeper Alexander Lansbury nicht einmal die Handschuhe schmutzig machen musste.

Trainer Tom Fritz hatte seine Wusterwitzer offensiv eingestellt, mit Kurzpassspiel und viel Bewegung über die Flügel. "Wir wollten den Ball laufen lassen, nicht die Beine", erklärte er hinterher mit einem Grinsen. Sein Gegenüber Daniel Mahler setzte dagegen auf Kontrolle - 54 Prozent Ballbesitz sprechen für die Hausherren, aber auch dafür, dass der Ball selten dorthin kam, wo es weh tut.

Die beste Szene der ersten Halbzeit gehörte Bad Dürrenbergs Urban Larsson, der in der 40. Minute aus spitzem Winkel abzog - ein Versuch, der so harmlos war, dass ein Zuschauer auf der Haupttribüne trocken meinte: "Den hätte meine Oma gehalten, und die ist 82."

In der Pause war Mahler sichtlich unzufrieden. "Wir haben zu viele Kontakte, zu wenig Konsequenz", brummte er vor laufender Kamera. Seine Spieler nickten pflichtbewusst und machten in Halbzeit zwei … exakt so weiter. Zwar kamen sie zu sechs Abschlüssen insgesamt, aber die Präzision blieb ein ungelöstes Rätsel.

Wusterwitz dagegen drehte die Schraube nach jeder Minute ein bisschen fester. Nach der verletzungsbedingten Auswechslung von Innenverteidiger Marcel Voigt in der 67. Minute - "Ich hab’s im Oberschenkel gespürt, da wollte ich nichts riskieren", so Voigt - brachte Trainer Fritz den Abwehrmann Marco Müller und später Johann Zander für frische Flügelkraft. Letzterer sollte sich als Glücksgriff erweisen.

Denn als sich die meisten schon mit einem torlosen Unentschieden abgefunden hatten, kam die 85. Minute: Zander setzte sich auf der rechten Seite durch, flankte flach nach innen, und Witte, gerade wieder auf dem Platz, grätschte den Ball am verdutzten Lansbury vorbei ins Netz. Ein Treffer wie ein Blitz in Zeitlupe - völlig unspektakulär, aber tödlich effektiv.

"Ich hab gar nicht viel nachgedacht, einfach den Fuß hingehalten", sagte Witte später, während seine Mitspieler ihn lachend "den späten Retter" tauften. Trainer Fritz dagegen blieb nüchtern: "Das war ein Stück Arbeit. Und ja, wir nehmen die drei Punkte sehr gern mit."

Bei Bad Dürrenberg herrschte betretenes Schweigen. Ein paar Spieler ließen sich auf dem Rasen nieder, andere diskutierten mit Schiedsrichterin Meier über irgendetwas, das wohl niemand mehr genau verstand. Drei Gelbe Karten - Callum Fraser, Simone Giorgio und Pal Szucs - standen am Ende in den Notizen des Unparteiischen, was immerhin zeigte, dass es an Einsatz nicht mangelte.

"Uns fehlt derzeit das gewisse Etwas vorne", seufzte Trainer Mahler in der Pressekonferenz. "Vielleicht auch das Glück. Wenn man 85 Minuten alles kontrolliert und dann so einen kassiert, ist das bitter." Sein Assistent murmelte hinter ihm: "Kontrolliert haben wir’s schon - nur leider nicht das Tor."

Die Fans in der Kurve nahmen es sportlich, schwenkten noch einmal ihre Fahnen und verabschiedeten die Mannschaft mit höflichem Applaus. Es war kein Spiel für die Geschichtsbücher, aber eines, das zeigt, warum Fußball manchmal so grausam ehrlich ist: Wer seine Chancen nicht nutzt, wird bestraft.

Wusterwitz darf sich dagegen leise Hoffnungen auf den oberen Tabellenplatz machen. Mit jugendlichem Elan und taktischer Disziplin blieb das Team gefährlich bis zum Schluss. "Wir spielen nicht schön, aber effektiv", bilanzierte Kapitän Carl Schindler. "Und manchmal reicht das."

Bad Dürrenberg dagegen wird sich fragen müssen, wie man aus mehr Ballbesitz, mehr Passsicherheit - aber weniger Mut - endlich wieder Tore macht. Vielleicht hilft da ein Satz von Trainer Mahler, der beim Hinausgehen halb zu sich selbst sagte: "Beim nächsten Mal schießen wir einfach mal drauf, statt noch mal querzulegen."

Ein guter Vorsatz. Nur leider kam er 85 Minuten zu spät.

07.03.644003 05:02
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Marcio Amoroso ist der Prototyp des Spielers, der nach einem 1:10 höchst zufrieden nach Hause geht, weil er das einzige Tor geschossen hat.
Paul Breitner
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