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Specht rettet Pirmasens ein spätes 1:1 gegen kaltschnäuzige Gäste

Es war ein lauer Juniabend in Pirmasens, doch auf dem Rasen des Stadion Husterhöhe ging es hitziger zu, als es die 20 Grad vermuten ließen. 3935 Zuschauer sahen ein Spiel, das auf dem Papier ein 1:1 (0:1) endete - in Wirklichkeit aber eine kleine Achterbahnfahrt zwischen Nervenkitzel, Gelbsucht und jugendlichem Heldenmut war.

FK Pirmasens unter Trainerin Gudrun Schweitzer ging mit offensiver Ausrichtung in die Partie, während Gäste-Coach Daniel Mahler seine Bad Dürrenberger gewohnt kontrolliert und balanciert auftreten ließ. Von Anfang an war klar: Hier wollte keiner den ersten Schritt zurück machen - außer vielleicht der Linienrichter, der beim dritten Foul in der Eröffnungsphase demonstrativ einen halben Meter hinter die Seitenlinie trat.

Schon nach zehn Minuten sah Innenverteidiger Timo Schlotterbeck Gelb - und zwar so deutlich, dass selbst auf der Haupttribüne niemand protestierte. Kurz darauf folgten Samuel Reid (14.) und Kornej Babinow (22.) in die Notiz des Schiedsrichters. "Da hab ich kurz gedacht, ich sammel Panini-Karten", witzelte Trainerin Schweitzer später.

Fußball gespielt wurde aber auch. Die erste halbe Stunde gehörte überraschend den Gästen, die mit 58 Prozent Ballbesitz und zwölf Torschüssen am Ende klar die aktivere Mannschaft stellten. In Minute 35 war es dann soweit: Ivan Maric, 35 Jahre jung und mit der Ruhe eines Mannes, der schon alles gesehen hat, traf zur Führung für Bad Dürrenberg. Ein trockener Schuss ins rechte Eck - Torwart Lucas Grantham streckte sich vergeblich.

"Ich hab einfach draufgehalten, weil keiner kam", sagte Maric später schulterzuckend. Und fügte mit einem Grinsen hinzu: "Vielleicht lag’s am Dialekt, sie haben mich einfach nicht verstanden."

Pirmasens taumelte, rettete sich aber mit 0:1 in die Pause. Schweitzer reagierte: Doppeltausch zur Halbzeit, defensive Stabilisierung - und die Ansage in der Kabine, "dass Fußball kein Hobby ist, sondern eine Haltung".

In der 54. Minute dann Schreckmoment: Flügelspieler Alexander Satchmore blieb nach einem Zweikampf liegen und musste ausgewechselt werden. Die Szene wirkte harmlos, doch Schweitzer bestätigte später, dass es wohl "mehr als nur eine Prellung" sei.

Bad Dürrenberg roch die Entscheidung. Szucs (50.), Eusebio (60.) und Gudjohnsen (63.) testeten Grantham im Minutentakt, doch der junge Keeper hielt mit stoischer Ruhe - während Schweitzer an der Seitenlinie kaum stillstehen konnte.

Und dann kam Minute 64. Der Moment, in dem die Jugend das Zepter übernahm: Der 18-jährige Martin Keil, gerade erst eingewechselt, setzte sich auf links durch und flankte butterweich auf Noah Specht. Der 23-Jährige nahm den Ball direkt und drosch ihn - halb Volley, halb Verzweiflung - unter die Latte. 1:1. Das Stadion explodierte.

"Ich hab einfach gehofft, dass keiner dazwischengeht", grinste Specht später. "Und dann war das Ding halt drin. Sowas passiert." Trainerin Schweitzer schüttelte nach dem Spiel den Kopf: "Der Junge denkt ja nicht nach - und das ist das Beste, was ihm passieren kann."

In der Schlussphase wogte die Partie hin und her. Pirmasens stellte auf Pressing um, Bad Dürrenberg konterte mit Routine. Fabio de Freitas vergab in der 86. Minute freistehend, während Specht in der 90. noch einmal Sigurd Lindstrom prüfte. Der Keeper fischte den Ball aus dem Eck wie ein alter Fuchs, der den Hühnerstall kennt.

Am Ende blieb es beim 1:1 - ein Ergebnis, das beiden nicht wirklich schmeckt, aber auch keinem weh tut. "Wir hätten das zweite machen müssen", knurrte Gästetrainer Mahler. "Aber wenn du so viele Chancen liegen lässt, musst du dich über den Ausgleich nicht wundern."

Pirmasens dagegen durfte sich über einen Punkt freuen, der sich nach Arbeit, Schweiß und ein bisschen Glück anfühlte. "Wir haben uns reingebissen", fasste Schweitzer zusammen. "Und manchmal ist ein Biss wichtiger als ein Plan."

Die Statistik sprach deutlich für die Gäste - zwölf Torschüsse, 58 Prozent Ballbesitz, vier Gelbe Karten, aber eben nur ein Tor. Pirmasens hielt mit Herz dagegen, hatte weniger vom Spiel, aber am Ende den entscheidenden Moment.

Vielleicht war es kein Spiel für Fußballästheten, aber ganz sicher eines für Romantiker: das Duell zwischen Erfahrung und jugendlicher Unbekümmertheit, zwischen Routine und Aufbäumen.

Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen sagte: "Früher war mehr Lametta - aber heute wenigstens wieder Leidenschaft."

18.03.644003 16:25
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Was soll ich mit den Spielern reden, ich bin doch kein Pfarrer.
Werner Lorant
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