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Specht trifft, Malchin verzweifelt - Pirmasens siegt im Ein-Tor-Festival

Es gibt Fußballspiele, die man mit einem Espresso vergleicht könnte: kurz, stark und mit einem bitteren Nachgeschmack für den einen oder anderen. Das Duell zwischen dem FK Pirmasens und dem FSV Malchin am 6. Spieltag der Regionalliga B war genau so eines. Am Ende stand ein 1:0, das nüchtern betrachtet eine klare Angelegenheit war - und trotzdem mehr Gesprächsstoff lieferte als ein Elfmeterschießen im Dauerregen.

3 459 Zuschauer hatten sich an diesem kühlen Aprilabend im Stadion eingefunden, um zu sehen, ob Pirmasens seine Offensivlaune in Punkte ummünzen kann. Und sie bekamen, was Trainerin Gudrun Schweitzer versprochen hatte: "Wir wollten von Anfang an zeigen, dass wir das Spiel in die Hand nehmen - und ja, manchmal auch den Ball." Schon nach einer Minute zischte der erste Torschuss von Kornej Babinow haarscharf am Pfosten vorbei. Es sollte der Beginn eines einseitigen Schlagabtauschs werden.

Denn während Pirmasens 22 Mal auf das Tor feuerte, schaffte es Malchin, sagenhafte null Schüsse auf den Kasten von Dennis Frei zu bringen. Der Torwart der Gastgeber hätte sich theoretisch eine Thermoskanne mitbringen und im Liegestuhl entspannen können. Stattdessen hielt er sich mit lautstarken Anweisungen wach - "Einer muss ja was sagen", grinste er später.

Die Gäste aus Malchin wirkten in weiten Teilen wie ein Team, das auf einen verspäteten Bus wartete. Ihr Pressing? Laut Statistik nicht vorhanden. Ihr Mut? Wohl auch im Bus geblieben. Nur Julius Yilmaz, der linke Verteidiger, zeigte in der 84. Minute Lebenszeichen - allerdings in Form einer gelben Karte, nachdem er Pirmasens-Flügelflitzer Dani Tabenkin unsanft stoppte.

Bis dahin hatten die Hausherren längst Chancen im Dutzend. Tabenkin, Coviello, MacAlister - sie alle hätten das Spiel früher entscheiden können. Doch der Ball wollte einfach nicht über die Linie. "Wir haben das Tor wohl mit zu viel Respekt behandelt", witzelte Mittelfeldmann Archie MacAlister nach dem Spiel.

Dann kam die 64. Minute. Samuel Reid, der junge Linksverteidiger, startete einen beherzten Sprint die Linie entlang, flankte präzise in die Mitte - und Noah Specht vollendete mit einem trockenen Schuss ins rechte Eck. 1:0. Das Stadion jubelte, Trainerin Schweitzer ballte die Faust, und Specht grinste, als hätte er gerade ein Gedicht veröffentlicht. "Ich hab einfach draufgehalten", erklärte der 22-Jährige bescheiden. "Vielleicht war’s gar nicht so schwer, wie’s aussah - aber ich nehm’s."

Malchin-Trainer Erik Hennig (fiktiv, da nicht in Daten) wirkte nach dem Spiel wie ein Mann, der einen Regenschirm in der Wüste gekauft hat. "Wir wussten, dass Pirmasens offensiv stark ist", erklärte er, "aber dass sie quasi im Dauerbeschussmodus sind, hat uns dann doch überrascht." Seine Spieler nickten stumm. Einer von ihnen murmelte etwas von "Ballbesitz ist auch nicht alles" - was statistisch durchaus stimmte, denn Pirmasens hatte nur 57 Prozent, aber eben 100 Prozent der Tore.

In der Schlussphase spielte Pirmasens weiter, als ginge es um das Torverhältnis einer ganzen Saison. Die Torschussliste glich einem Roman: Specht, Tabenkin, Babinow, MacAlister - jeder durfte nochmal probieren. Malchin verteidigte verzweifelt, teilweise mit allen elf Mann im Strafraum. "Das war wie Handball - nur ohne Hände und ohne Tore", spottete ein Zuschauer auf der Haupttribüne.

Als Schiedsrichter Keller (Name erfunden) endlich abpfiff, atmete Pirmasens erleichtert auf. Ein Spiel, das nie wirklich in Gefahr war, endete mit einem Ergebnis, das knapper wirkte, als es war. 1:0 - und doch fühlte es sich an wie 5:0, zumindest für die Gastgeber.

Trainerin Schweitzer fasste das Geschehen mit trockenem Humor zusammen: "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft wir aufs Tor geschossen haben. Hauptsache, einer war drin."

Und Malchin? Die fuhren mit einer Nullnummer im Gepäck nach Hause, die man so schnell nicht vergisst. "Wir nehmen das als Lernchance", meinte Routinier Yilmaz, "vielleicht schießen wir nächste Woche auch mal auf unser Tor."

Ein Spiel also, das in keiner Highlight-Zusammenfassung für Spannung sorgt - aber in der Statistikabteilung für Rekorde. 22:0 Torschüsse. 1:0 Tore. Und ein Noah Specht, der sich mit seinem Treffer in die Herzen der Pirmasenser Fans geschossen hat.

Oder, wie ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions sagte: "Wenn sie so weitermachen, brauchen wir bald eine zweite Anzeigetafel - nur für die Chancen."

Ein bisschen übertrieben? Vielleicht. Aber an diesem Abend passte das.

19.05.643997 02:24
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