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Spektakel im Allgäu: Wangen siegt 4:3 nach wildem Schlagabtausch

Dieses Spiel hatte alles, was man an einem lauen Maiabend im Allgäu nicht erwartet: sieben Tore, einen Platzverweis in der Nachspielzeit und einen Harry Kane, der aussah, als würde er heimlich auf dem Dorfplatz Spaßfußball spielen - nur eben mit der Torgefahr eines Premier-League-Stars. Am Ende jubelte der FC 1903 Wangen über ein 4:3 bei Weiler im Allgäu, während die Gastgeber zwischen Stolz und blankem Entsetzen schwankten.

Schon nach vier Minuten zeigte Kane, warum sein Name in Fußballkneipen ehrfürchtig ausgesprochen wird. Nach einem langen Ball von Ulf Samuelsson pflückte er die Kugel herunter, drehte sich wie auf dem Bierdeckel und versenkte eiskalt - 0:1. "Ich hab’ einfach draufgehalten. In England sagt man: If in doubt, shoot," grinste der junge Engländer später, während seine Teamkollegen ihn aus Spaß "Allgäu-Harry" tauften.

Weiler aber antwortete, wie man es im Allgäu eben tut: robust, direkt, mit viel Herz. In der 15. Minute rauschte Ben Meister heran, bedient von Rechtsverteidiger Michel Hierro, und drosch den Ball zum 1:1 ins Netz. Nur 16 Minuten später legte Robin Born mit einem satten Flachschuss nach - 2:1, das Stadion bebte. Trainer Mino Raiola (nein, kein Verwandter des legendären Spielervermittlers, aber ähnlich lautstark) brüllte: "Jetzt haben wir sie, Männer!"

Doch die Euphorie hielt keine zwei Minuten. Rui Contreras, flink wie ein Wiesel, glich nach einem Pass von Raphael Guerreiro zum 2:2 aus. Pause. 19.489 Zuschauer atmeten durch, während auf der Tribüne jemand witzelte: "Wer hier aufs Klo geht, verpasst garantiert ein Tor."

Nach der Halbzeit wechselte Wangen dreifach - offenbar hatte Trainer Ready Play (ja, der heißt wirklich so) einen Controller in der Hand statt eines Notizblocks. Die Einwechslungen zeigten Wirkung: In der 56. Minute traf der junge Alberto Helguera nach Vorlage des frisch eingewechselten Niklas Korn zum 3:2 für Wangen. "Ich hab einfach gemacht, was der Coach sagte: Lauf und schieß, bevor du nachdenkst," scherzte Helguera später.

Weiler bewies Moral. In der 65. Minute traf Linus Berger, mustergültig von Diego Morte bedient, zum erneuten Ausgleich. Das Spiel war jetzt ein hinreißendes Chaos: Wangen kombinierte, Weiler konterte, und die Fans verloren zunehmend den Überblick, wer eigentlich führte.

Vier Minuten später hatte Kane wieder seinen Auftritt. Nach Pass von Joseph Haddock zog er trocken ab - 4:3. Das Publikum war gespalten: Die Weiler-Anhänger stöhnten, die Wangen-Fans tanzten Polka. "Wir spielen immer offensiv - selbst beim Einwurf", grinste Wangen-Coach Play nach dem Abpfiff.

Die Statistiken spiegeln das Spektakel wider: 14 Torschüsse von Weiler, 12 von Wangen, dazu 57 Prozent Ballbesitz für die Gäste. Beide Teams spielten mutig, kein Mauerfußball weit und breit. Dass Weiler in der Nachspielzeit noch eine Rote Karte für Asen Todorow kassierte, passte fast schon ins Drehbuch - der Abwehrmann hatte in Minute 91 offenbar vergessen, dass Grätschen von hinten auch im Allgäu verboten ist.

Trainer Raiola war nach dem Schlusspfiff kaum zu bremsen. "Wir haben drei Tore gemacht, das reicht normalerweise für zwei Spiele. Aber nicht gegen Kane," polterte er. "Vielleicht sollten wir ihm beim nächsten Mal die Milchstraße sperren." Sein Gegenüber Play zeigte sich derweil abgeklärt: "Wir wussten, Weiler läuft heiß. Aber wir hatten das bessere WLAN zum Fußballgott."

Auf der Haupttribüne klatschten beide Fanlager nach dem Abpfiff. Trotz Niederlage feierten die Weiler-Anhänger ihre Mannschaft, die mutig und couragiert zu Werke ging. Linus Berger, Torschütze des dritten Weiler-Treffers, fasste es trocken zusammen: "Wir verlieren lieber 3:4 mit Feuer, als 0:0 mit Gähnen."

So klang ein Abend aus, der an die gute alte Zeit erinnerte, als Fußball noch Spektakel und weniger Taktik-Schach war. Und während die Sonne über den Allgäuer Hügeln versank, hörte man aus der Kabine der Gäste sogar ein fröhliches "Harry, Harry!" - vermutlich die inoffizielle Hymne des neuen Tabellenkrachers aus Wangen.

Schlusswort: Wenn jedes Spiel in der 3. Liga so laufen würde, müsste man den Fans bald Sitzgurte montieren.

04.01.644000 18:28
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Ich halte nix von Sex vor dem Spiel, besonders weil ich mir das Zimmer mit Salou teile.
Jan-Aage Fjörtoft
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