Anpfiff
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Spektakel unter Flutlicht: Wusterwitz ringt München mit 4:3 nieder

Es war ein lauer Sommerabend in München, aber auf dem Rasen des TSV bebte die Luft. 5000 Zuschauer sahen ein Regionalliga-B-Spiel, das man getrost in die Kategorie "unvernünftig unterhaltsam" einordnen darf. Am Ende jubelte der FC Wusterwitz nach einer wilden 4:3-Schlacht, während der TSV München ratlos auf den Rasen starrte - und das Publikum den Kopf schüttelte, weil man gar nicht wusste, ob man lachen, weinen oder applaudieren sollte.

Bereits in der 16. Minute legte Curt Fröhlich für die Gäste los, als hätte er den Wecker auf "Torzeit" gestellt. Nach einem schnellen Doppelpass mit Luca Philipp schob er den Ball lässig an Torwart Jerzy Domarski vorbei. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Fröhlich später, "und gehofft, dass er nicht wieder so springt wie beim Aufwärmen."

Doch die Münchner antworteten prompt: Zehn Minuten später fasste sich der 18-jährige Matias Sainz ein Herz, zog aus der zweiten Reihe ab - 1:1. Alrik Nelsen hatte ihm zuvor den Ball so präzise aufgelegt, dass man fast das Gefühl hatte, der Pass sei per GPS gelenkt worden. "Das war so nicht geplant", meinte Sainz später selbstkritisch, "eigentlich wollte ich flanken. Aber wenn’s drin ist, ist’s drin."

Zur Pause war das Spiel ausgeglichen, auch wenn Wusterwitz leichte Vorteile im Spielaufbau hatte. 17 Torschüsse am Ende sprechen für die Gäste, während München mit 10 Versuchen eher auf Effizienz setzte - oder setzen wollte. Der Ballbesitz? 47,5 Prozent für die Hausherren, 52,5 für die Gäste - also fast Gleichstand, zumindest auf dem Papier.

Nach dem Seitenwechsel ging es dann Schlag auf Schlag. Kaum hatte sich das Publikum mit der zweiten Bratwurst bewaffnet, traf Rafael Witte in der 50. Minute zur erneuten Führung für Wusterwitz. Gerade als Trainer Tom Fritz seinen Ersatztorwart Phillip Zimmermann und den jungen Linksverteidiger Eri Bode einwechselte, nutzte Witte die allgemeine Verwirrung und schob zum 2:1 ein.

Doch München wollte das nicht auf sich sitzen lassen. In Minute 61 riss Alrik Nelsen die Arme hoch - Ausgleich, 2:2! Nach feiner Vorarbeit von Heinrich Franz drosch der Stürmer den Ball in die kurze Ecke. Der Jubel war laut, kurz - und verfrüht.

Denn jetzt kam die Phase, in der Wusterwitz den Gashahn aufdrehte. Erst Fröhlich mit seinem zweiten Treffer (71., nach Flanke von Marko Weise), dann Nico Behrendt nur drei Minuten später, der nach Zuspiel von Werner Runge trocken ins rechte Eck traf - 4:2. "Da haben wir kurz vergessen, dass Fußball auch Verteidigung beinhaltet", knurrte TSV-Kapitän Helmut Kiefer, der nach seiner Gelben Karte in der ersten Halbzeit ohnehin auf dünnem Eis stand.

Aber der TSV wäre nicht der TSV, wenn er nicht wenigstens für ein bisschen Drama sorgen würde. In der 77. Minute verkürzte Heinrich Franz nach Vorlage von - ja, ausgerechnet - Helmut Kiefer auf 3:4. Das Stadion vibrierte, alle standen, und kurzzeitig sah es so aus, als könnte noch etwas gehen.

Doch Wusterwitz ließ sich den Sieg nicht mehr nehmen. Curt Fröhlich hätte sogar noch sein drittes Tor machen können - in der 86. Minute scheiterte er aber an Domarski. "Ich dachte, der Ball wäre schon drin", lachte er später, "bis ich gemerkt hab, dass ich nur das Tornetz getroffen hatte."

Trainer Tom Fritz zeigte sich nach dem Spiel zufrieden, aber nicht euphorisch: "Wir haben heute gezeigt, dass wir auch nach Rückschlägen ruhig bleiben können. Aber ehrlich, ich hätte gerne etwas weniger Herzklopfen." Sein Gegenüber, der Münchner Coach (der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen wollte), sah das etwas anders: "Wir haben offensiv gut gespielt, aber defensiv waren wir phasenweise ein Tagtraum - und zwar einer dieser Albträume, aus denen man schweißgebadet aufwacht."

Vier Gelbe Karten für die Münchner - Matusiak (18.), Kiefer (38.), Franke (49.) und Colautti (75.) - zeigten zudem, dass der Frust nicht ganz folgenlos blieb.

Nach Abpfiff zog ein älterer Herr mit TSV-Schal sein Fazit: "Schön war’s, aber das nächste Mal vielleicht mit weniger Gegentoren." Und während die Flutlichter langsam erloschen, ging der FC Wusterwitz mit breiter Brust und drei Punkten vom Platz - wohlwissend, dass man in München nicht nur ein Spiel, sondern auch ein Stück Respekt gewonnen hatte.

Ein Spiel, das alles hatte: Tore, Fehler, Gelbe Karten, Emotionen - und das Gefühl, dass Fußball manchmal einfach die schönste Form des Chaos ist.

08.01.644003 07:09
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