// Startseite
| Anpfiff |
| +++ Sportzeitung für Deutschland +++ |
|
|
|
4805 Zuschauer im altehrwürdigen Stadion an der Ruhr standen am Samstagabend Kopf - und das, obwohl sie zur Pause vermutlich eher an den Kiosk als an ein Fußballwunder dachten. Der VfB Speldorf besiegte TuS Erndtebrück am 13. Spieltag der Regionalliga C mit 2:1 (0:0) - ein Ergebnis, das auf dem Papier solide klingt, in Wahrheit aber ein kleines Drama erzählte, mit allem, was dazugehört: Fehlpässe, Flüche, rote Karten und ein sichtlich erleichterter Trainer Jakob Meier, der nach Abpfiff nur noch grinste. "Ich hab den Jungs in der Pause gesagt: Wenn ihr heute nicht trefft, lauf ich selbst ein", witzelte Meier später. Zum Glück blieb ihm das erspart - auch wenn es zunächst anders aussah. Denn Speldorf dominierte zwar nach Belieben, ließ aber Chancen liegen wie andere Leute ihre Neujahrsvorsätze. 16 Torschüsse, 63 Prozent Ballbesitz, und trotzdem stand es nach 45 Minuten 0:0. Erndtebrück verteidigte tief, manchmal mit elf Mann im eigenen Strafraum, und Keeper Dennis Fischer hielt, was zu halten war - und ein paar Dinge, die eigentlich gar nicht zu halten sind. Die Stimmung kippte kurz nach dem Seitenwechsel. In der 48. Minute traf Michael Sonnenschein - nomen est omen - für die Gäste. Nach einem sauberen Zuspiel von Ruslan Kowaltschuk zog der 23-Jährige aus zentraler Position ab und ließ Speldorf-Keeper Simone Altomonte keine Chance. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", murmelte Altomonte später, "aber dann war er halt drin." 0:1, und auf der Tribüne war für einen Moment nur das leise Rascheln von Popcorntüten zu hören. Doch Speldorf wäre nicht Speldorf, wenn sie sich davon hätten beeindrucken lassen. Trainer Meier blieb ruhig, kaute demonstrativ auf seinem Kaugummi und klopfte seinem Kapitän Mario Demo auf die Schulter. Der wusste offenbar, was zu tun war: In der 66. Minute setzte er auf rechts Giulio Mango de Aquino in Szene, der den Ball humorlos unter die Latte hämmerte - 1:1. "Ich hab einfach die Augen zugemacht", lachte Mango de Aquino später. "Wenn man lange genug draufhaut, geht irgendwann einer rein." Erndtebrück versuchte, sich neu zu sortieren, doch die Körpersprache verriet: Die Luft war raus. Und dann kam auch noch der Platzverweis. In der 77. Minute sah Rechtsverteidiger Pedro Andrade glatt Rot, nachdem er Speldorfs Aitor Melendez etwas zu leidenschaftlich vom Ball trennen wollte. TuS-Trainer Sigurd Stuhl kommentierte trocken: "Pedro hat wohl vergessen, dass wir Rugby nicht im Angebot haben." In Überzahl roch Speldorf den Sieg - und Asier Espriu, der quirlige Spanier auf der rechten Seite, war es schließlich, der das Spiel entschied. In der 84. Minute verwertete er eine butterweiche Flanke von Morten Nilsen per Direktabnahme zum 2:1. Der Jubel war ohrenbetäubend, selbst die Ersatzspieler stürmten aufs Feld. "Ich hab nur noch Weiß gesehen - die Trikots meiner Mitspieler", grinste Espriu. Erndtebrück versuchte in der Schlussphase noch einmal alles, doch mit zehn Mann und müden Beinen blieb es beim Versuch. Zwei späte Gelbe Karten - unter anderem für den frustrierten Linksverteidiger Timo Hein - waren die letzten Lebenszeichen der Gäste. Statistisch gesehen war die Sache klar: Speldorf führte nicht nur bei den Toren, sondern auch in fast jeder Kategorie - Ballbesitz, Zweikämpfe, Torschüsse. Nur beim Nervenkostüm gab es über 90 Minuten Schwankungen. Trainer Meier nahm es gelassen: "Manchmal muss man sich den Sieg eben erarbeiten. Oder erzittern. Oder beides." Sein Gegenüber Stuhl suchte derweil nach den positiven Aspekten: "Wir haben in der ersten Halbzeit gut gestanden und sogar geführt. Leider dauert ein Spiel länger als 48 Minuten." Als die Flutlichter langsam verlöschten, blieb die Erkenntnis: Speldorf hat Moral, und Erndtebrück hat noch einiges zu lernen. Aber wer weiß - vielleicht treffen sich beide Teams bald wieder, und dann erzählt die Geschichte ein anderes Ende. Bis dahin darf Speldorf feiern. Und Jakob Meier? Der kaute auch nach dem Schlusspfiff weiter auf seinem Kaugummi. "Ich glaub, das bring ich jetzt jedes Spiel mit Glück", sagte er augenzwinkernd. Wenn’s hilft - bitte sehr. 27.10.643999 12:37 |
Sprücheklopfer
Kritik macht mich nur noch stärker. Wenn mich in Dortmund von 55 000 Zuschauer 50 000 hassen, mir am liebsten ein Bein abhacken würden, mich mit 'Arschloch' begrüßen, dann fühle ich mich wie Arnold Schwarzenegger gegen den Rest der Welt. Das ist geil für mich.
Mario Basler