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Es war einer dieser Abende, an denen das Stadion an der Blötte mehr vibrierte als leuchtete. 4763 Zuschauer, leicht fröstelnd im Aprilwind, sahen ein Regionalligaspiel, das zwar keine Toreflut, aber dafür reichlich Emotionen bot. Am Ende jubelte der VfB Speldorf über ein 1:0 gegen Bochum - ein Ergebnis, das nüchtern klingt, aber auf dem Platz alles andere als nüchtern zustande kam. Von Beginn an war klar: Speldorf wollte. "Wir hatten uns vorgenommen, Bochum gleich zu zeigen, dass hier heute nichts zu holen ist", sagte Trainer Jakob Meier später mit einem Grinsen, das irgendwo zwischen Erleichterung und Selbstlob pendelte. Seine Mannschaft setzte die Worte in Taten um. Bereits in der vierten Minute prüfte Hermann Schenk den Bochumer Keeper Olaf Hoffmann mit einem satten Distanzschuss - der erste von insgesamt 16 Speldorfer Abschlüssen. Bochum dagegen? Bemüht, aber blass. Der junge Adam Ackland versuchte es in der neunten Minute, scheiterte aber ebenso wie später William McLeod (28.) am Speldorfer Schlussmann Simone Altomonte, der an diesem Abend so sicher stand wie die Eckfahnen. Die erste Halbzeit verlief torlos, aber keineswegs ereignislos. Eine frühe Gelbe gegen Speldorfs Innenverteidiger Sebastian Brzeczek (7.) sorgte für Stirnrunzeln auf der Bank - "Ich hab doch gar nichts gemacht, außer laut geatmet!", soll Brzeczek dem Schiedsrichter zugerufen haben, der daraufhin nur müde lächelte. Auf der anderen Seite versuchte Bochum, mit langen Bällen über die Flügel zu kommen, doch die Speldorfer Abwehr stand wie ein Betonmischer im Regen: unbeweglich, aber stabil. Nach dem Seitenwechsel dauerte es keine drei Minuten, bis das Spiel seine entscheidende Szene erlebte. Elias Max, eigentlich als rechter Verteidiger bekannt für solide, aber selten spektakuläre Flanken, startete einen beherzten Lauf über die Linie. Seine Hereingabe fand Jesus Urban - und der Name war Programm. Urban nahm den Ball kurz an, schaute, und jagte ihn in der 48. Minute unwiderstehlich in den Winkel. 1:0 für Speldorf, das Stadion bebte. "Ich hab gar nicht gesehen, dass der Ball drin war, erst, als alle auf mich zugerannt sind", lachte Urban später. Bochum reagierte mit zwei Wechseln in der 50. Minute: Reacock und Klein kamen für Davonport und Craven. Doch die erhoffte Wende blieb aus. Speldorf kontrollierte Ball und Gegner, mit fast 58 Prozent Ballbesitz und deutlich mehr Zug zum Tor. Mario Demo und Giulio Mango de Aquino verpassten es in der Folge, den Sack zuzumachen - und so blieb es spannend bis zum Schluss. Bochums Trainer Thorsten Peter stand an der Seitenlinie und gestikulierte wild. "Wir wollten über die Flügel kommen, aber Speldorf hat uns die Räume zugelaufen. Da kannst du schreien, wie du willst - die hören dich ja eh nicht mehr bei dem Lärm", sagte er später mit einem Anflug von Resignation. Noch gefährlich wurde es in der 92. Minute, als McLeod nach einem schnellen Konter völlig frei zum Abschluss kam, aber Altomonte mit einer Katzenreaktion parierte. Der Torwart riss nach dem Schlusspfiff die Fäuste hoch, als hätte er gerade die Champions League gewonnen - und wer wollte es ihm verdenken? Die Statistik unterstreicht Speldorfs Überlegenheit: 16:8 Torschüsse, 58 Prozent Ballbesitz, eine Zweikampfquote knapp über 53 Prozent. Nur Gelbe Karten sammelten die Gäste fleißiger: Riley Macleod (75.) und Ralph Albrecht (88.) sahen Gelb, beide in Situationen, in denen man wohl besser den Fuß unten gelassen hätte. Nach dem Abpfiff war die Laune in Speldorf ausgelassen. In der Kabine soll Aitor Melendez zur Gitarre gegriffen haben - sehr zur Freude seiner Mitspieler, weniger zur Freude der Nachbarn. Trainer Meier fasste das Spiel dann trocken zusammen: "Ein verdienter Sieg. Aber wir hätten’s uns leichter machen können - oder schwerer, je nachdem, wie man’s sieht." Bochum dagegen wird die Rückfahrt schweigend angetreten haben. "Wir müssen lernen, dass Ballbesitz nicht alles ist, wenn man ihn nicht nutzt", murmelte Kapitän Philip Schumann, während er sich die Schienbeinschoner auszog. So bleibt unterm Strich: Ein kämpferischer, leidenschaftlicher Regionalligafußballabend mit einem verdienten Sieger. Kein Spektakel, aber ehrlicher Sport - und ein Jesus, der Speldorf selig machte. 09.06.643997 20:30 |
Sprücheklopfer
Bei diesem Schiedsrichter hätte auch unser Busfahrer eine gelbe Karte bekommen.
Rainer Calmund