Anpfiff
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Speldorf siegt mit Stil - Falke Weiler erlebt einen langen Abend

Es war ein lauer Frühlingsabend in Weiler, 20:15 Uhr Anstoß, Flutlicht, 3119 Zuschauer - und spätestens nach fünf Minuten wussten die meisten, dass das hier kein gemütlicher Heimspielabend für Falke Weiler werden würde. Denn da hatte Jesus Urban vom VfB Speldorf schon getroffen. Der 30-jährige Rechtsaußen, von der ersten Sekunde an quirlig wie ein Koffein-Schmetterling, netzte nach Vorlage von Javier Manu zur frühen Führung ein. 0:1 - und man hörte förmlich, wie Trainer Gustav Stephan auf der Weiler-Bank tief durchatmete, um nicht gleich die Notfall-Taktik auszupacken.

"Wir wollten ruhig anfangen", sagte Stephan später mit einem leicht gequälten Lächeln. "Hat nicht so ganz geklappt." Tatsächlich wirkte seine junge Mannschaft (Durchschnittsalter knapp über 19!) anfangs, als hätte sie den Ball lieber in der Handtasche als am Fuß getragen.

Speldorf dagegen spielte, als hätten sie ausnahmsweise mal vergessen, dass sie in der Regionalliga C und nicht in der Champions League unterwegs sind. 22 Torschüsse, 60 Prozent Ballbesitz - und das alles mit einer Selbstverständlichkeit, die an routinierte Handwerker erinnerte, die zum Tapezieren kommen und gleich noch die Küche renovieren.

Nach 32 Minuten durfte dann Niels Juhl jubeln. Der 22-jährige Däne mit der Nummer 9 war da, wo ein Mittelstürmer hingehört: mitten im Strafraumchaos. Wieder kam die Vorlage von Javier Manu, der an diesem Abend auf der linken Seite unermüdlich ackerte. 0:2 - und spätestens da wünschten sich viele Weiler-Anhänger, sie hätten lieber Netflix eingeschaltet.

Die Falken, immerhin bemüht, versuchten es mit Herz und jugendlicher Naivität. Der 20-jährige Nevio Bischoff prüfte in der 36. Minute Speldorfs Keeper Simone Altomonte - einer der seltenen Momente, in denen der italienische Routinier sich bewegen musste. "Ich war kurz überrascht, dass wirklich ein Ball kam", grinste Altomonte nach dem Spiel.

Danach das gewohnte Bild: Speldorf kombinierte, Weiler verteidigte. Oder versuchte es. Hartmut Klug kassierte in der 61. Minute Gelb, weil er wohl kurz vergessen hatte, dass Grätschen in der Regionalliga nicht als olympische Disziplin gilt. "Ich wollte nur den Ball", beteuerte er später, was ihm allerdings niemand so recht abkaufte.

In der 63. Minute setzte dann ausgerechnet der Jüngste auf dem Platz den Schlusspunkt: Nelio Santoyo, zarte 18 Jahre alt, feierte sein erstes Ligator. Nach Vorarbeit des ebenfalls jungen Vincent Preher schlenzte der Linksverteidiger den Ball aus gut 20 Metern in die lange Ecke. 0:3 - und das Stadion seufzte kollektiv. "Ich dachte, er flankt", gab Falke-Keeper Harald Werner ehrlich zu. "Ich glaube, das dachte er selbst auch."

Die letzten 20 Minuten waren dann eher Schadensbegrenzung. Trainer Gustav Stephan gestikulierte wild an der Linie, als wolle er mit Handzeichen die Erdrotation stoppen. Speldorf-Coach Jakob Meier dagegen lehnte entspannt am Geländer, lächelte und rief nur gelegentlich: "Ruhig, Jungs. Wir haben noch einen langen Busweg."

Weiler kam noch einmal zu einer Chance - Nevio Keller versuchte es in der 62. Minute, aber auch der Ball wollte an diesem Abend einfach nicht ins Netz. Zwei Schüsse aufs Tor in 90 Minuten sprechen eine deutliche Sprache.

"Wir lernen", sagte Stephan nach dem Abpfiff. "Heute war’s eine Lehrstunde. Aber lieber gegen Speldorf als gegen die Mathematik." Ein Satz, der das Weiler-Dilemma gut beschreibt: jung, mutig, aber gnadenlos unerfahren.

Speldorf dagegen zeigte, was Routine und Struktur bewirken können. Kein wildes Pressing, keine Hektik - einfach sauberes Positionsspiel, sichere Pässe, und vorne genug Zielstrebigkeit. "Wir wollten kontrollieren, nicht zerstören", erklärte Trainer Meier. "Das ist gelungen. Und wenn Jesus trifft, dann weiß man, es wird ein guter Abend."

Am Ende stand es 0:3 (0:2). Verdient, klar, deutlich. Falke Weiler wird sich schütteln müssen - und wahrscheinlich nächste Woche wieder mit frischem Mut antreten. Und wer weiß: Vielleicht findet dann auch der Ball wieder in ihr Tor.

Oder, wie ein etwas resignierter Fan beim Verlassen des Stadions meinte: "Wenn man so jung ist wie unsere Jungs, ist jeder Fehler wenigstens ein Abenteuer."

Ein bisschen Wahrheit steckt drin. Und vielleicht auch Trost.

30.05.643997 14:43
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