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Ein warmer Maiabend, Flutlicht an, 4656 Zuschauer im Speldorfer Waldstadion - und ein Fußballspiel, das anfangs so zäh war wie Kaugummi unter der Tribüne. VfB Speldorf besiegt Empor Rostock mit 1:0 (0:0), dank eines späten Treffers von Asier Espriu in der 74. Minute. Es war ein Spiel, das weniger durch taktische Finessen als durch pure Beharrlichkeit entschieden wurde - und durch einen Mann, der einfach nicht aufhören wollte, aufs Tor zu schießen. Von Beginn an machte Speldorf klar, wer hier der Hausherr ist. 17 Torschüsse am Ende sprechen eine deutliche Sprache, auch wenn viele davon eher den Fangzaun als den Kasten von Rostock-Keeper Oliver Simon trafen. "Wir hätten zur Halbzeit schon 2:0 führen müssen, aber wir wollten es wohl spannend halten", grinste Speldorfs Trainer Jakob Meier nach dem Abpfiff, als er sich die Schweißperlen von der Stirn wischte. Rostock hingegen hielt tapfer dagegen, ohne je wirklich gefährlich zu werden. Vier Torschüsse - das war’s. "Wir standen ordentlich, aber vorne war’s halt dünn", murmelte Johan Johansson, der Coach von Empor, und schob hinterher: "Man kann kein Tor schießen, wenn man nie in den Strafraum kommt." Man kann, aber man tut es eben selten. Die erste Halbzeit plätscherte dahin. Giulio Mango de Aquino prüfte früh den Rostocker Keeper (11.), Harald Lang zog knapp vorbei (19.), und Hermann Schenk versuchte es gleich mehrfach aus der zweiten Reihe - ohne Fortune. Auf der Gegenseite scheiterte Niels Merkel nach einem schnellen Konter (15.) ebenso wie Frank Brückner (21.). 0:0 zur Pause, und die Fans auf der Gegengerade seufzten synchron: "Na wenigstens ist das Bier kalt." Nach dem Seitenwechsel blieb das Drehbuch zunächst das gleiche: Speldorf drückte, Rostock verteidigte - und irgendwo dazwischen verschwand der Spielfluss. Doch dann, in der 74. Minute, passierte das, was man gemeinhin als "erlösend" bezeichnet. Giulio Mango de Aquino flankte von rechts butterweich (oder wenigstens so weich wie ein Regionalliga-Ball eben sein kann), und Asier Espriu drosch den Ball aus kurzer Distanz in die Maschen. 1:0. Jubel, Bierdusche, Bengalo - alles inklusive. "Ich hatte einfach das Gefühl, jetzt oder nie", sagte Espriu später in die Mikrofone, als hätte er gerade das WM-Finale entschieden. "Giulio hat das super gesehen. Ich musste nur noch den Fuß hinhalten." Trainer Meier ergänzte trocken: "Wenn er das in der 30. Minute schon gemacht hätte, wäre mein Puls heute niedriger." Rostock versuchte danach, das Spiel noch zu drehen, aber was soll man sagen - es blieb beim Versuch. Brückner hatte in der 69. Minute die letzte echte Gelegenheit, doch Speldorfs Torwart Kirill Berjosin war auf dem Posten. Danach war vor allem Zeitspiel angesagt. "Ich hab’ in meinem Leben schon schönere Nachspielzeiten gesehen", knurrte Johansson, als Schiedsrichterin Kellersmann nach 95 Minuten endlich abpfiff. Statistisch gesehen war’s eindeutig: 55 Prozent Ballbesitz, 17:4 Torschüsse, 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe - Speldorf war in fast allen Belangen überlegen. Und doch wäre das Spiel beinahe in die Kategorie "typisch Regionalliga: viel Einsatz, wenig Ertrag" gefallen. Dass es am Ende reichte, lag an der besseren Kondition, der lauteren Kurve und vielleicht auch ein bisschen am Glück. "Wir wollten heute nicht schön spielen, wir wollten gewinnen", bilanzierte Meier. "Und das haben wir." Johansson hingegen sprach von einer "unnötigen Niederlage", wobei er das Wort "unnötig" so betonte, dass man ahnte: Er meinte eigentlich "vermeidbar, wenn wir einen Torschuss mehr abgegeben hätten". Als die Flutlichtmasten langsam erloschen und die letzten Fans ihre Bratwurstreste einpackten, blieb ein Gefühl zwischen Erleichterung und Erschöpfung. Speldorf klettert durch den Sieg weiter in sichere Tabellenregionen, während Rostock wohl noch eine Weile in den Rückspiegel schauen muss. Und irgendwo auf dem Parkplatz rief ein Speldorfer Fan seinem Kumpel zu: "War doch klar, dass der Espriu noch einen macht!" Der andere grinste und antwortete: "Klar war nur, dass er’s oft genug versucht." Ein Satz, der dieses Spiel wohl besser zusammenfasst als jede Statistik. 15.06.644000 03:05 |
Sprücheklopfer
Was soll man schon erwarten? Der hat früher immer Dynamo Ost-Berlin zum Titel gepfiffen.
Otto Rehhagel über einen Schiedsrichter