// Startseite
| Anpfiff |
| +++ Sportzeitung für Deutschland +++ |
|
|
|
Wenn man am Samstagabend ins Speldorfer Stadion kam, roch es nicht nur nach Bratwurst und Flutlichtromantik, sondern auch nach einer klaren Ansage: Der VfB Speldorf wollte an diesem 11. Spieltag der Regionalliga C zeigen, wer hier das Sagen hat. Und er tat es - in einer Art und Weise, die man als Zuschauer zwischen Mitleid und Bewunderung einordnen musste. 4:0 hieß es am Ende gegen Falke Fellbach, und ehrlich gesagt: Es hätte auch doppelt so hoch ausgehen können, wenn man die 23 (!) Torschüsse der Gastgeber betrachtet. Die Gäste? Kein einziger Schuss aufs Tor. Null. Nada. "Wir wollten mutig nach vorne spielen", erklärte Fellbachs Trainer James Bond nach dem Spiel mit stoischer Miene. "Leider war das Spielfeld dann doch zu kurz." Er nahm’s mit britischem Humor - anders konnte man das wohl auch nicht ertragen. Das Spiel begann, wie es endete: Speldorf dominierte den Ball (68 Prozent Ballbesitz) und Fellbach den eigenen Strafraum. Schon nach 15 Minuten klingelte es das erste Mal: Asier Espriu, quirlig wie ein Espresso auf zwei Beinen, traf nach feinem Zuspiel von Hermann Schenk zum 1:0. Schenk, der in diesem Spiel ohnehin alles war - Taktgeber, Vorlagengeber, manchmal auch Motivationscoach -, schien den Ball an einem unsichtbaren Faden zu führen. "Ich hab’ einfach gesehen, dass Asier da vorne Hunger hatte", grinste Schenk später. "Und wenn ein Spanier Hunger hat, dann gibst du ihm halt den Ball." Das 2:0 ließ nicht lange auf sich warten. In der 27. Minute durfte Javier Manu jubeln - ein Treffer, so sauber herausgespielt, dass man fast Beifall aus der neutralen Kurve hörte. Wieder war es Schenk, der den Ball in den Lauf schickte. Fellbachs Verteidiger wirkten dabei wie Statisten in einem Werbespot für Schlafmatratzen: viel Bewegung, aber keine Wirkung. Nur fünf Minuten später setzte Aitor Melendez den Schlusspunkt unter eine erste Halbzeit, die in Fellbachs Vereinschronik vermutlich unter "Lehrstunde in Demut" abgeheftet wird. Giulio Mango de Aquino flankte präzise, Melendez stieg hoch - 3:0. Die 4556 Zuschauer feierten, als wäre der Aufstieg schon sicher. Zur Halbzeit musste Speldorfs Trainer Jakob Meier kaum etwas sagen. "Ich hab nur gefragt, ob jemand noch ein Brötchen braucht. Der Rest lief von selbst", lachte er später. Doch das Spiel hatte auch seine Schattenseiten: Celalettin Sancakli verletzte sich kurz vor der Pause und wurde durch den 18-jährigen Nelio Santoyo ersetzt. Der Debütant wirkte zunächst nervös, spielte dann aber so solide, dass man sich fragte, ob er wirklich erst am Freitag volljährig geworden war. In der zweiten Hälfte verwaltete Speldorf das Ergebnis - allerdings auf charmant offensive Art. Jesus Urban, der Name klingt nach Predigt, lieferte in der 61. Minute die endgültige Erlösung: 4:0. Schon wieder nach Vorarbeit von, natürlich, Hermann Schenk. Fellbach versuchte, dagegenzuhalten. Versuchte. Der einzige nennenswerte Eintrag in der Statistik war eine Gelbe Karte für den jungen Heinz Bader (78.), der sich dabei vermutlich dachte: "Wenn ich schon keine Tore mache, dann wenigstens ein Zeichen setzen." "Wir haben uns bemüht, ehrlich!", sagte Fellbachs Torhüter Raphael Freitag nach der Partie und zuckte mit den Schultern. "Aber manchmal ist Fußball halt wie ein Zahnarztbesuch - du weißt, dass es wehtun wird, und hoffst nur, dass es schnell vorbei ist." Speldorf hingegen zeigte sich abgeklärt, spielfreudig, fast schon überheblich souverän. Die Mannschaft agierte taktisch ausgewogen, spielte mit kurzen Pässen, ohne Hektik, ohne Pressing - weil sie schlicht nie musste. Trainer Meier kommentierte trocken: "Wenn du 23 Mal aufs Tor schießt und der Gegner nicht einmal, dann weißt du: Entweder du machst was richtig, oder er macht alles falsch. Heute war’s wohl beides." Und so verließen die Fans das Stadion mit einem breiten Grinsen und der Frage: Wie viele Tore hätte es wohl gegeben, wenn Speldorf wirklich aufs Tempo gedrückt hätte? Fellbach dagegen dürfte die Rückfahrt nach Baden-Württemberg als kollektive Therapieeinheit nutzen. James Bond versprach immerhin: "Beim nächsten Mal sind wir besser vorbereitet. Ich bring dann auch den Aston Martin mit." Ein Abend, der zeigte, dass Fußball manchmal brutal ehrlich ist - und doch immer wieder unterhaltsam. Für Speldorf war’s ein Statement, für Fellbach ein Lehrfilm. Oder, wie ein älterer Fan beim Ausgang murmelte: "Das war kein Spiel. Das war Kunst - mit Ball." 27.10.643999 12:38 |
Sprücheklopfer
Der Uli Hoeneß hat ja Alzheimer.
Rainer Calmund