Anpfiff
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Speldorf tanzt in Düsseldorf - 3:0, klare Ansage im Westen

Manchmal reicht schon ein Blick auf die Anzeigetafel, um eine ganze Geschichte zu erzählen: 0:3. TuS Düsseldorf gegen VfB Speldorf, Regionalliga C, 25. Spieltag. Doch wer sich am Freitagabend unter den 4381 Zuschauern im Düsseldorfer Stadion die 90 Minuten plus Nachspielzeit gegönnt hat, weiß: Das war mehr als nur ein klarer Sieg - das war eine kleine Lehrstunde in Sachen Konsequenz.

Von Beginn an wirkte Speldorf, als hätte Trainer Jakob Meier seinen Jungs im Bus auf der A3 eine doppelte Portion Espresso serviert. Schon in der ersten Minute prüfte der 17-jährige Nelio Santoyo den Düsseldorfer Keeper Simon Metzger - der musste früh zeigen, dass er wach war. Es half nur bedingt. In der 23. Minute durfte Michel Benayoun nach feiner Vorarbeit von Javier Manu das erste Kapitel des Abends schreiben: 0:1. "Das war so ein Ball, der ruft einfach ’Schieß mich rein’", grinste Benayoun später.

TuS Düsseldorf dagegen - tapfer, bemüht, aber in etwa so gefährlich wie ein stumpfer Buntstift. Zwei Torschüsse in 90 Minuten, das sagt alles. "Wir wollten ruhig aufbauen", erklärte ein sichtlich ratloser Spieler nach dem Spiel, "aber irgendwie haben wir uns dann selbst beruhigt."

Die Gäste dagegen hatten Lust. Keine fünf Minuten nach dem ersten Treffer legte Vincent Preher nach. In der 33. Minute zimmerte der 20-Jährige das Leder ins Netz, vorbereitet von Albert Raymer, der kurz zuvor wild gestikulierend nach vorne gestürmt war. "Ich hab ihm eigentlich zugerufen, er soll den Ball halten", lachte Meier später. "Aber gut, wenn sie mich ignorieren und treffen, darf man das mal durchgehen lassen."

Düsseldorf versuchte, sich zu wehren - allerdings eher mit Verzweiflung als mit Plan. Und als ob es nicht schon schlimm genug lief, erwischte es den jungen Finn Moeller mit einer Verletzung in der 25. Minute. Er humpelte vom Platz, der eingewechselte Iban Gome wirkte verloren. Trainer? Fehlanzeige - in der Datenlage taucht keiner auf, und auf dem Platz schien es zeitweise auch so.

Die zweite Halbzeit? Ein Abziehbild der ersten. Speldorf dominierte, Düsseldorf lief hinterher. 25 Torschüsse zu 2, Ballbesitz 52 zu 48 Prozent, Zweikampfquote 58 zu 42 - Zahlen, die man sonst nur in einem Testspiel gegen die eigene U19 sieht. "Wir hätten auch 5:0 gewinnen können", meinte Speldorfs Kapitän Lasse Rose, "aber wir wollten’s ja nicht übertreiben."

Die TuS hatte ihre Momente - Jason Franz in der 70. Minute mit einem beherzten Versuch, Kai Witte in der 87. mit einem Distanzschuss, der immerhin das Tornetz berührte. Von außen. Das Publikum quittierte es mit einem wohlwollenden Applaus, der irgendwo zwischen Mitleid und Lokalpatriotismus pendelte.

Und dann kam die Nachspielzeit. Javier Manu, schon beim ersten Tor als Vorbereiter glänzend, setzte in der 93. Minute den Schlusspunkt. Nach Pass von Rechtsverteidiger Jegor Petrow schob er zum 0:3 ein - und grinste dabei so breit, dass selbst der Linienrichter kurz das Pfeifen vergaß. "Ich hab gar nicht gesehen, dass’s schon 93 Minuten waren", sagte Manu später, "aber wenn der Ball so schön kommt, wartest du nicht auf den Abpfiff."

Für Speldorf war’s ein Statement - jung, spielfreudig, schnörkellos. Für Düsseldorf dagegen ein Abend zum Vergessen, oder wie Keeper Metzger es trocken formulierte: "Manchmal ist der Ball halt rund - und manchmal zu oft auf unserer Seite."

Jakob Meier nahm’s mit Humor: "Düsseldorf hat gute Einzelspieler, aber wir waren heute einfach das bessere Team. Und das sage ich nicht oft, weil ich sonst immer unzufrieden bin." Dann zwinkerte er in Richtung Pressevertreter: "Schreiben Sie das ruhig so, meine Frau liest das gern."

Nach diesem 0:3 dürfte Speldorf in der Tabelle ordentlich klettern, während die TuS wohl eher nach unten schaut. Und wer den Abend verpasst hat, hat immerhin eine Erkenntnis gewonnen: Manchmal ist Fußball eben ganz einfach - wer öfter aufs Tor schießt, gewinnt.

Oder, um es mit einem der Fans auf der Tribüne zu sagen: "Wenn du 25 Mal draufhältst, muss ja irgendwann einer reingehen." Drei gingen rein. Und das reichte völlig.

15.11.643996 04:38
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