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Es war ein lauer Maiabend an der Ostsee, doch die Stimmung im Rostocker Leichtathletikstadion kühlte rasch ab. 4311 Zuschauer kamen, um Empor Rostock zu sehen - sie gingen nach 90 Minuten mit einer Lektion in Sachen Effizienz nach Hause. Der VfB Speldorf zeigte, wie man mit 18 Torschüssen und kühlem Kopf ein Spiel kontrolliert: 0:3 hieß es am Ende, ein Ergebnis, das so klar war wie verdient. Schon nach wenigen Minuten war klar: Das wird kein Spaziergang für die Hausherren. Empor begann mutig, Gawriil Jelzin prüfte nach zwei Minuten aus spitzem Winkel Speldorfs Keeper Simone Altomonte. "Ich dachte, der Ball sei drin, ehrlich", murmelte Jelzin später, während er sich im Kabinengang die Schienbeinschoner auszog. Es blieb bei der Hoffnung. Denn schon bald übernahmen die Gäste das Kommando - mit Pressing, das so früh kam, dass selbst die Rostocker Balljungen nervös wurden. In der 18. Minute dann die kalte Dusche: Javier Manu schickte Aitor Melendez mit einem Steilpass auf die Reise, der 33-jährige Spanier ließ Torwart Max Falk keine Chance - 0:1. Trainer Johan Johansson trat frustriert gegen eine Trinkflasche. "Wir wussten, dass Speldorf gerne über die Flügel kommt. Aber Wissen allein reicht eben nicht", sagte er später trocken. Und Speldorf spielte weiter, als hätten sie sich den Ballbesitz (57 Prozent) in Stein meißeln lassen. Ihre Kombinationen wirkten reifer, sicherer, abgeklärter. Empor kämpfte, aber wenn der Ball mal in Richtung Strafraum flog, standen dort drei Speldorfer und ein ratloser Rostocker. Kurz vor der Pause erhöhte der agile Jesus Urban nach Vorarbeit von Giulio Mango de Aquino auf 0:2 (42.). Ein Treffer, der wie ein Stich ins Herz der jungen Empor-Elf wirkte. "Ich hab nur den Ball gesehen und gedacht: Warum eigentlich nicht?", grinste Urban nach dem Spiel. Warum nicht, tatsächlich. Nach dem Seitenwechsel versuchte Empor, über die kämpferische Note zurückzufinden. Björn Hafner zog in der 30. Minute (er hatte es schon im ersten Durchgang versucht) noch einmal beherzt ab, doch Altomonte parierte sicher. Dann die Szene, die sinnbildlich für den Abend stand: Cafer Simsek, ohnehin als Innenverteidiger nicht für filigrane Kunst bekannt, grätschte robust, traf Ball und Gegner - und sah Gelb. "Ich hab den Ball zuerst, aber der Schiri hatte wohl andere Augen", brummte Simsek später. Speldorf ließ sich davon nicht beirren. Ihr Spiel blieb ruhig, abgeklärt, fast schon gelangweilt souverän. "Wir wollten das Tempo kontrollieren, nicht das Publikum", sagte Trainer Jakob Meier hinterher mit einem Schmunzeln. Und so kam, was kommen musste: In der 85. Minute setzte Asier Espriu den Schlusspunkt. Wieder war Mango de Aquino der Vorlagengeber, wieder stand die Rostocker Abwehr Spalier. 0:3 - der endgültige Knockout. Die Statistik sprach Bände: 18:7 Torschüsse für die Gäste, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe, mehr Ballbesitz und weniger Nervosität. Empor hingegen wirkte wie ein angeschlagener Boxer - bemüht, aber ohne Durchschlagskraft. Selbst im Angriff fehlte die Idee. Nicolae Munteanu, der wendige Flügelstürmer, rannte sich immer wieder fest. "Manchmal ist der Ball einfach ein schlechter Freund", sagte er mit einem gequälten Lächeln. Während die Speldorfer Fans nach Abpfiff fröhlich sangen, blickte Johansson bereits in die Zukunft. "Wir müssen lernen, dass Ballbesitz nichts bringt, wenn man ihn nicht in Tore ummünzt", erklärte er. Sein Gegenüber Meier dagegen genoss den Moment: "Das war Fußball mit Verstand - und ein bisschen Herz." Und so verließen die 4311 Zuschauer das Stadion mit einer Mischung aus Enttäuschung und Respekt. Speldorf war an diesem Abend einfach eine Klasse besser - taktisch diszipliniert, technisch sauber, läuferisch stark. Empor Rostock hingegen blieb nur die Erkenntnis, dass Regionalliga-Fußball manchmal gnadenlos ehrlich ist. Oder, wie es ein älterer Fan beim Hinausgehen formulierte: "Wenn du dreimal triffst und der Gegner gar nicht - dann war’s wohl verdient." Man hätte es kaum treffender sagen können. 01.12.643999 07:27 |
Sprücheklopfer
Ich habe viel mit Mario Basler gemeinsam. Wir sind beide Fußballer, wir trinken beide gerne mal einen, ich allerdings erst nach der Arbeit.
Felix Magath