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Ein lauer Frühsommerabend, 3791 Zuschauer im Ketscher Waldstadion und eine Spvgg, die hoffnungsvoll auf den Rasen trat - am Ende aber wieder nur mit hängenden Köpfen in die Kabine verschwand. FK Pirmasens, abgeklärt, effizient und mit etwas mehr Biss, entführte am 7. Spieltag der Regionalliga B drei Punkte aus der Kurpfalz. Das 0:2 (0:1) war verdient, auch wenn Ketsch Trainer Tim Fritsch nach Abpfiff trotzig meinte: "Wir waren nicht die schlechtere Mannschaft, nur die, die das Tor nicht getroffen hat." Dabei begann alles gar nicht so übel. Ketsch hatte zunächst mehr vom Ball, kombinierte gefällig, aber ohne echte Durchschlagskraft. Der erste Warnschuss kam schon nach sechs Minuten von Niko Sonne, dessen Versuch aus 18 Metern Pirmasens-Keeper Lucas Grantham zu einer Flugeinlage zwang, die jedem Torwarttrainer das Herz aufgehen ließ. Doch das war’s dann auch mit der Ketscher Herrlichkeit. Ab der 15. Minute übernahm Pirmasens das Kommando - ruhig, passsicher, mit kurzem Spiel über die Mitte. David Bernier zog als zentraler Taktgeber die Fäden, während Alex Coviello vorne lauerte wie eine Katze vor dem Mauseloch. Der Druck wuchs, die Ketscher Defensive wankte, und in der 28. Minute war es soweit: Müjdat Öztürk, bis dahin auffälligster Angreifer, vollendete eine feine Kombination über Bernier mit einem satten Schuss ins lange Eck. 0:1 - und das Stadion wurde mit einem Schlag sehr leise. "Ich hab nur kurz hochgeschaut und gesehen, dass der Torwart zu weit links steht", grinste Öztürk später, "da musste ich ihn einfach da reinschieben." Ketsch versuchte es danach mit Wut im Bauch, aber Wut ersetzt bekanntlich kein Flügelspiel. Fünf Torschüsse in 90 Minuten sprechen eine klare Sprache. Besonders bitter: Verteidiger David Fricke hatte in der 19. Minute die vielleicht beste Gelegenheit, setzte seinen Kopfball aber knapp über die Latte. Als er später in der 94. Minute noch Gelb sah, war das sinnbildlich - viel Einsatz, wenig Ertrag. Pirmasens hingegen spielte weiter wie ein Team, das wusste, was es tat. 19 Torschüsse, 52 Prozent Ballbesitz - nicht spektakulär, aber konsequent. Trainerin Gudrun Schweitzer, die an der Seitenlinie unaufgeregt ihre Notizen machte, sagte nach dem Spiel trocken: "Wir üben das, Tore aus normalen Spielsituationen zu machen. Kein Freistoß, kein Zufall. Einfach Fußball." Nach der Pause blieb das Bild gleich. Pirmasens lauerte, konterte, ließ Ketsch laufen. Alex Coviello prüfte Ketschs Keeper Miller zweimal aus kurzer Distanz (46. und 86. Minute), Noah Specht und Ulf Eriksen schossen, als wollten sie das Tornetz des Stadions neu spannen. Der Ball wollte aber erst in der 87. Minute wieder hinein - Alexander Satchmore traf nach Vorarbeit von Bernier. Ein Tor wie aus dem Lehrbuch: Pass in die Schnittstelle, direkter Abschluss, keine Gnade. "Ich dachte, der rennt sich fest", meinte Pirmasens-Kapitän Bernier lachend, "aber Alex hat wohl noch Sprit im Tank gehabt." Ketsch-Trainer Fritsch hingegen stand mit verschränkten Armen an der Linie, schüttelte den Kopf und murmelte etwas, das man als "Nicht schon wieder!" interpretieren konnte. Die Gelben Karten passten ins Bild: Bernd Weber (22.) und Fricke (94.) auf Ketscher Seite, MacAlister (31.) und Coviello (85.) bei den Gästen - ein robustes, aber faires Spiel. Pirmasens’ Pressing wurde gegen Ende intensiver, während Ketsch zunehmend auf den Lucky Punch hoffte. Doch selbst der verzweifelte Schuss von Sonne in der Nachspielzeit (92.) geriet zur leichten Beute für Grantham. "Wir hatten einfach keine Idee, wie wir durchkommen sollten", gab Ketsch-Stürmer Lennard Muster ehrlich zu. "Die haben uns immer einen Schritt vorher zugemacht." Und während die Pirmasenser Spieler lachend in die Kabine verschwanden, blieb den Gastgebern nur das übliche Schulterklopfen von den Rängen. Fazit: FK Pirmasens war nicht glänzend, aber gnadenlos effektiv. Spvgg Ketsch dagegen kämpfte brav, aber ohne Plan B. Wenn Fritschs Team weiter so ideenlos agiert, wird der Sommer in Ketsch noch sehr lang. Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen sagte: "Die spielen zwar schön, aber schön allein gibt keine Punkte." Und irgendwie hatte er recht. 27.12.644002 16:00 |
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Torsten Legat