Anpfiff
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SV Brake trotzt dem Chaos - 3:2-Heimsieg mit zehn Mann gegen Weiler

Ein Wimpernschlag, ein Platzverweis und drei Tore später lag Brake in den Armen seiner Fans. 5000 Zuschauer im Stadion an der Weser sahen am Dienstagabend ein Spiel, das alles bot, was den neutralen Beobachter erfreut - und den Trainer an den Rand des Nervenzusammenbruchs bringt. Der SV Brake besiegte Weiler im Allgäu mit 3:2 (1:1) und schob sich damit in der 3. Liga ein Stück weit aus der grauen Zone Richtung Sonnenschein.

Schon der Beginn versprach Unterhaltung mit offenem Visier: Beide Teams legten die taktische Zurückhaltung ab wie Wintermäntel. Nach elf Minuten war es Rui Barbosa, der aus halblinker Position abzog - und die Kugel nach Pass von Ezequiel Bermudez satt in den Winkel drosch. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste der Portugiese später, "aber dann dachte ich: Warum nicht mal so tun, als wäre ich Ronaldo?"

Weiler zeigte sich wenig beeindruckt und antwortete noch vor der Pause. Nach mehreren verpassten Gelegenheiten - Jannick Fritsch und Linus Berger schossen alles, was sich bewegte, nur eben nicht das Tor - war es Dimas Allegri, der in der 43. Minute beherzt abschloss. Nick Scherer hatte ihm den Ball maßgerecht serviert, und diesmal staunte auch Brake-Keeper Tamas Mandi nur hinterher. 1:1 zur Pause, verdient und unterhaltsam.

Der zweite Durchgang begann, als hätten die Gäste in der Kabine Koffein intravenös bekommen. Kaum war der Schiedsrichterpfiff verklungen, stand es 1:2: Jannick Fritsch drückte den Ball nach feinem Zuspiel von Robin Born über die Linie (46.). Trainer Mino Raiola ballte die Faust, als hätte er gerade einen neuen Superstar unter Vertrag genommen.

Doch Brake antwortete auf seine Weise - stoisch, wild entschlossen, ein bisschen trotzig. Der 19-jährige Jaroslav Janota, der schon in der A-Jugend als Duracell-Hase bekannt war, zauberte in der 61. Minute das 2:2 auf die Anzeigetafel. Wieder hatte Bermudez seine Füße im Spiel, diesmal als Vorlagengeber. "Ich hab einfach gerufen: Jaro, lauf!", erzählte er schmunzelnd, "und er lief - als hinge sein Führerschein davon ab."

Und dann kam die 68. Minute. Wladimir Chlystow, der bullige Mittelstürmer mit dem Talent, Gegenspieler in Denkmäler zu verwandeln, nahm einen Steilpass von Jakob Carlsen an, drehte sich - und versenkte eiskalt zum 3:2. Das Stadion tobte. "Ich wusste, dass der Ball reingeht", sagte Chlystow später, "weil ich’s einfach satt hatte, immer nur den Pfosten zu treffen."

Das Spiel hätte dann eigentlich gemütlich auslaufen können - wenn da nicht Volker Lange gewesen wäre. Der 35-jährige Routinier sah in der 80. Minute glatt Rot, nachdem er den etwas zu flinken Dimas Allegri unsanft gestoppt hatte. "Ich wollte nur den Ball spielen", erklärte Lange nach Abpfiff mit einem Gesichtsausdruck zwischen Reue und Unschuldsmiene. Der Schiedsrichter jedoch blieb hart, und Brake musste die letzten zehn Minuten in Unterzahl überstehen.

Weiler drückte, schoss, flankte, aber fand seinen Meister in Mandi, der plötzlich Hände, Knie und Reflexe auspackte, als wolle er sich für die Nationalmannschaft empfehlen. Insgesamt 17 Torschüsse der Gäste zählte die Statistik - und mindestens die Hälfte davon endeten an Mandis Handschuhen oder in der Fangnetzkulisse. Brake hatte zwar nur acht Abschlüsse, dafür aber drei Treffer - Effizienz, wie sie in Lehrbüchern steht. Ballbesitz? 55 Prozent für Brake, aber das war an diesem Abend nur die Fußnote unter einem Kampfspiel voller Herzblut.

Nach dem Schlusspfiff lagen die Braker Spieler flach auf dem Rasen, zwischen Jubel, Erschöpfung und ungläubigem Grinsen. Trainer des SV Brake, dessen Name die Vereinschronik verschwiegen, brüllte Richtung Tribüne: "Das war Leidenschaft, verdammt nochmal!" Während Mino Raiola, stets mit Sonnenbrille auch bei Flutlicht, trocken bilanzierte: "Wir haben mehr geschossen, aber weniger getroffen. Willst du Mitleid oder Punkte?"

Der Abend endete, wie er begonnen hatte - laut, emotional, ein bisschen chaotisch. Brake feierte, Weiler fluchte, und irgendwo zwischen den beiden Trainerbänken lag noch immer der verlorene Schuh von Jannick Fritsch, Symbol eines Spiels, das keiner so schnell vergessen wird.

Vielleicht war es kein fußballerischer Leckerbissen, aber dafür ein Drama mit allen Zutaten: Tore, rote Karte, jugendlicher Übermut und abgeklärte Kaltschnäuzigkeit. Und wenn man ehrlich ist - genau deshalb lieben wir diesen Sport.

07.11.643999 21:59
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