Anpfiff
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SV Eichede dominiert den Ball - Weiler trifft die Tore

Es gibt Spiele, da fragt man sich, warum Fußball keine Punktwertung für "ästhetischen Ballbesitz" kennt. Der SV Eichede hätte an diesem Mittwochabend beim 28. Spieltag der 3. Liga Deutschland (2. Div) locker die Höchstnote bekommen. 61 Prozent Ballbesitz, 45 Pässe vor dem Strafraum - und am Ende trotzdem ein 1:3 gegen eiskalt konternde Gäste aus Weiler im Allgäu.

Vor 15.146 Zuschauern begann die Partie, wie es sich für einen lauen Maiabend gehört: mit viel Sonne, noch mehr Motivation und einem Schiedsrichter, der offenbar seine Pfeife neu ausprobierte. Schon nach 15 Minuten sah Eichedes Innenverteidiger Javi Brito Gelb, nachdem er "nur den Ball" getroffen haben wollte - dummerweise war da auch noch ein Stück Gegner im Weg.

Das erste Ausrufezeichen setzte dann Matthias Lemke in der 18. Minute. Nach feinem Zuspiel von Vincent Alves zog der zentrale Mittelfeldmann aus 20 Metern ab, der Ball zischte ins linke Eck - 1:0, die Fans jubelten, die Ersatzbank sprang auf. "Wir hatten uns vorgenommen, früh Druck zu machen", erklärte Lemke später. "Dass das gleich so klappt, war fast unheimlich."

Doch die Freude währte ganze sieben Minuten. Weilers Michael Siebert nutzte die erste echte Gelegenheit der Gäste eiskalt. Nach einem weiten Pass von Linksverteidiger Bernd Jahn überlief Siebert die Abwehr, tunnelte Keeper Argün Gönül und stellte auf 1:1. "Da hab ich einfach mal die Augen zugemacht und gehofft, dass es passt", grinste der 26-Jährige nach dem Spiel.

Kurz darauf musste Weilers junger Rechtsaußen Dimas Allegri verletzt vom Feld - Muskelprobleme, wie Trainer Mino Raiola später bestätigte. Für ihn kam der 18-jährige James Hoskins, der gleich auffiel: erst mit einer beherzten Grätsche, dann mit einer Gelben Karte (38.). "James hat sich vorgestellt, wie man’s im Allgäu macht: robust, aber nicht zimperlich", kommentierte Raiola trocken.

Nach der Pause drehte sich das Spiel endgültig. Eichede versuchte weiter, das Mittelfeld zu kontrollieren, Weiler konterte mit chirurgischer Präzision. In der 51. Minute war es Nick Scherer, der nach Vorarbeit von Jungspund Hoskins mit einem satten Flachschuss das 1:2 besorgte. Von da an diktierte Weiler die gefährlichen Momente, während Eichede sich in endlosen Passstaffetten verhedderte.

"Wir wollten das Spiel beruhigen", erklärte Eichedes Leandro de Torre - und klang dabei so, als habe er selbst nicht mehr ganz geglaubt, dass es jemals wieder unruhig werden würde. Fünf Eichede-Torschüsse standen am Ende 16 der Gäste gegenüber. Und obwohl die Hausherren mehr als die Hälfte der Zweikämpfe führten, gewannen sie nur 45 Prozent davon - eine Statistik, die fast schon symbolisch war.

In der Schlussphase probierten es die Gastgeber noch einmal. Lucas Cantwell scheiterte in der 92. Minute am glänzend reagierenden Weiler-Keeper Hanns Peter, kurz darauf fiel die Entscheidung: In der 89. Minute stach der 21-jährige Nael Aznar nach Vorarbeit von Doppeltorschütze Siebert zum 1:3-Endstand.

"Das war wie ein Nadelstich in einen Luftballon", seufzte Eichedes Kapitän Lemke nach Abpfiff. "Wir hatten so viel Ball, dass er uns fast leid tat - aber sie hatten die Tore."

Ganz zum Schluss wurde es noch theatralisch: Jannick Fritsch, der agile Weiler-Stürmer, sah in der Nachspielzeit glatt Rot nach einem etwas übermotivierten Einsteigen. Trainer Raiola nahm’s mit Humor: "Er wollte wohl nur sicherstellen, dass wir nicht in Versuchung geraten, noch eins zu schießen."

Eichede bleibt nach dieser Niederlage im unteren Mittelfeld hängen - zu schön, um abzusteigen, zu harmlos, um aufzusteigen. Weiler hingegen festigt mit diesem Auswärtssieg seine Position in der Spitzengruppe und zeigt einmal mehr, dass Effektivität im Fußball eben doch über Ästhetik siegt.

Als der Stadionsprecher zum Abschluss "Danke für euren Besuch" sagte, winkte ein Fan aus der Eichede-Kurve müde ab: "Kein Problem - wir hatten ja genug Ball, um uns selbst zu unterhalten."

Und so endete ein Spiel, das in den Geschichtsbüchern vielleicht als Lehrstunde in Sachen Effizienz stehen wird. Oder, wie es Mino Raiola formulierte: "Manchmal reicht ein guter Konter, um eine ganze Taktik zu widerlegen."

Ein bisschen bitter, aber auch ein bisschen wahr.

29.04.644000 13:12
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