Anpfiff
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SV Linx lässt Jena alt aussehen - 3:1-Heimsieg mit jugendlicher Frechheit

Wenn man den 14. Spieltag der Regionalliga A in einem Satz zusammenfassen müsste, dann vielleicht so: Der SV Linx hat den SV SCHOTT Jena mit jugendlichem Übermut und einer Prise Bauernschläue in die Knie gezwungen. 3:1 hieß es am Ende vor 4865 Zuschauern, und die Linxer Fans sangen sich warm für den Frühling - der kam an diesem Abend nicht nur meteorologisch, sondern auch fußballerisch.

Trainer Michal Dickschat hatte seine Elf ausgewogen eingestellt, "balanciert", wie es in den Taktikbögen heißt - aber auf dem Platz sah das nach purem Mut aus. "Ich hab den Jungs gesagt: Wenn ihr schon jung seid, dann spielt auch so", grinste Dickschat später. Tatsächlich war es der 18-jährige Dieter Wagner, der kurz vor der Pause (44.) zur umjubelten Führung traf. Nach feinem Zuspiel von Robert Jahn hämmerte er den Ball aus halblinker Position unter die Latte. Der älteste Linxer auf dem Feld, Karl Schwab (34), sprang als Erster auf die Bank und jubelte: "Na endlich trifft mal einer, der meinen Sohn sein könnte!"

Bis dahin hatte Linx schon mehr vom Spiel: 19 Torschüsse gegenüber neun der Gäste, 54 Prozent Ballbesitz, eine ordentliche Zweikampfquote. Jena versuchte es mit offensiver Grundhaltung, aber irgendwie wirkte das eher wie ein Offensiv-Versuchslabor - viel Einsatz, wenig Wirkung. Jens Onghena prüfte früh den Linxer Keeper Thomas Dietz (8.), der sich mit einer Flugeinlage ins Notizbuch der Fotografen katapultierte.

Nach der Pause kam Linx zurück, als wäre die Kabine ein Espresso-Bar gewesen. In der 59. Minute erhöhte Ralph Konrad auf 2:0, wieder nach Vorarbeit von Robert Jahn, der an diesem Abend an allem beteiligt war, was nach Gefahr roch. "Ich hab einfach versucht, mich nicht zu verlaufen", lachte Jahn. Zwei Minuten später (61.) stand er selbst im Rampenlicht: Mark Fritsch flankte von rechts, Jahn nahm den Ball direkt - und der zappelte im Netz. 3:0, Spiel entschieden.

Der Gästeblock aus Jena stimmte sich zwar noch einmal auf Trotzgesänge ein, doch auch die halfen nichts. Immerhin gelang Lewis Dewey in der 64. Minute der Ehrentreffer, nach Vorarbeit von Rechtsverteidiger Ralf Herrmann. Dewey drehte ab, hob entschuldigend die Hände - man hatte das Gefühl, er wollte sich beim heimischen Publikum dafür entschuldigen, dass er die Stimmung kurz trübte. "Wir wollten mutig bleiben, aber Linx war heute einfach reifer in den Momenten, die zählen", sagte Jenas Trainer später mit einem Seufzer.

Danach plätscherte das Spiel dahin - Linx verwaltete clever, Jena sammelte Gelbe Karten (Pascal Anders in der 82., Ralf Herrmann in der Nachspielzeit). Einmal noch rauschte Christian Stein (80.) heran, verpasste aber knapp das vierte Tor. Das Linxer Publikum nahm’s gelassen, man hatte längst verstanden, dass dieser Abend einer fürs Herz war.

Michal Dickschat, der sonst als nüchterner Analytiker gilt, wurde auf der Pressekonferenz kurz sentimental: "Wenn man sieht, wie ein 18-Jähriger trifft, ein 19-Jähriger Regie führt und der 34-Jährige sie alle anfeuert - dann weiß man, warum man Trainer ist." Sein Gegenüber aus Jena murmelte trocken: "Ich weiß es heute ehrlich gesagt nicht mehr so genau."

Die Zahlen sprachen eine klare Sprache: Linx mit 19 Abschlüssen, 53 Prozent gewonnener Zweikämpfe, Jena mit viel Ballwillen, aber wenig Durchschlagskraft. Und während die Gäste nach dem Abpfiff noch diskutierten, ob sie zu brav oder zu naiv gespielt hatten, hüpften die Linxer Spieler Hand in Hand Richtung Fankurve.

Karl Schwab, der Routinier, klopfte dem Torschützen Wagner auf die Schulter. "Du bist jetzt offiziell erwachsen", sagte er lachend. Wagner grinste: "Dann darf ich jetzt wohl auch das erste Bier nehmen?" - "Nur wenn du nächste Woche wieder triffst", kam die Antwort.

Und so endete ein Abend, der in Linx wohl noch ein paar Stammtischrunden überdauern wird: mit jungen Helden, alten Witzen und einem Trainer, der seine Mannschaft in der Regionalliga A endgültig zu einem ernstzunehmenden Gegner geformt hat.

Oder, wie ein Fan beim Verlassen des Stadions meinte: "Wenn das so weitergeht, müssen wir bald Eintritt zahlen, nur um die Jugend zu sehen." Man kann ihm kaum widersprechen.

11.04.643994 04:31
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Werner Lorant
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