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Ein kühler Maiabend, Flutlicht, 5167 Zuschauer und eine Mannschaft, die offenbar beschlossen hatte, Fußball wieder als Unterhaltung zu begreifen: Der SV Linx fegte am 19. Spieltag der Regionalliga A den TuS Ennepetal mit 3:0 (2:0) vom Platz - und das mit einer Mischung aus Spielfreude, Effizienz und einer Prise Selbstironie. Trainer Michal Dickschat grinste nach Schlusspfiff, als wäre ihm gerade ein Zaubertrick geglückt. "Wir wollten mutig sein - und manchmal hat Mut eben auch Stil", sagte er mit einem Augenzwinkern. Der Stil hieß an diesem Abend Eduardo Henrico. Der 21-jährige Mittelstürmer war an zwei Toren direkt beteiligt und hätte wohl noch ein drittes gemacht, hätte ihn nicht kurz vor Schluss die Latte daran erinnert, dass auch sie zum Spielfeld gehört. Schon in der 18. Minute war es soweit: Nach einem langen Ball von Innenverteidiger Linus Schmitt, den man sonst eher beim Kopfballduell als beim Steilpass vermuten würde, enteilte Henrico der Ennepetaler Abwehr und schob eiskalt ein. Nur zwei Minuten vorher hatte Fabian Kopp bereits das Tornetz getestet, aber da stand TuS-Keeper Vitor Pauleta noch im Weg. Diesmal nicht. 1:0 - und der Funke sprang sofort auf die Tribüne über. Ennepetal, von Trainerin Ursula Lappe mit einer ausgewogenen, aber etwas zögerlichen Taktik aufgestellt, kam nie so richtig ins Rollen. Zwar hatte man mit 53 Prozent etwas mehr Ballbesitz, aber was nützt das, wenn die Kugel hauptsächlich in der eigenen Hälfte kreist? "Wir hatten gute Phasen", sagte Lappe später und fügte trocken hinzu: "Leider nicht auf dem Platz." In der 40. Minute dann das 2:0 - wieder Henrico, wieder eiskalt. Diesmal nach schöner Vorarbeit des 19-jährigen Dieter Wagner, der sich links durchtankte, als wolle er die Eckfahne umarmen, bevor er den Ball perfekt in die Mitte legte. "Ich hab ihn nur gesehen und gedacht: Der macht ihn sowieso rein", sagte Wagner hinterher mit einem Grinsen, das so breit war wie der Strafraum. Kurz vor der Pause wurde es ruppig: Otto Fritsch sah Gelb, weil er sein Bein dort ließ, wo kein Ball, aber viel Gegner war. Auch Ennepetals Bernd Kunze holte sich kurz darauf den gelben Karton ab - wohl mehr aus Solidarität mit der Farbe als aus taktischem Kalkül. Nach dem Seitenwechsel änderte sich zunächst wenig. Linx blieb offensiv, Ennepetal blieb höflich. Zwar versuchten Satriano und Demeulenaer mit ein paar halbherzigen Schüssen, Torwart Oscar Haase zu prüfen, doch der Linxer Schlussmann hatte offenbar beschlossen, sich an diesem Abend nicht schmutzig zu machen. Vier Schüsse aufs Tor - alle harmlos. In der 84. Minute dann der endgültige Deckel: Wolfgang Seitz, der über links unermüdlich rackerte, nutzte einen Abpraller und jagte den Ball aus kurzer Distanz unter die Latte. 3:0 - und das Stadion vibrierte. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Seitz später. "Wenn man so viel läuft, will man wenigstens einmal treffen." Statistisch gesehen war das Spiel fast paradox: Ennepetal hatte mehr Ballbesitz, Linx jedoch 15 Torschüsse. Die Tacklingquote sprach ebenfalls klar für die Hausherren (55,6 Prozent). Man könnte also sagen: Linx spielte weniger, aber besser. Besonders auffällig: Linx’ offensive Ausrichtung blieb über 90 Minuten konstant. Keine Spur von Verwaltungsmodus, kein Pressing auf Verdacht - einfach konzentrierter Angriff, gepaart mit der Gelassenheit eines Teams, das weiß, dass es heute läuft. Kurz vor Schluss rief ein Zuschauer aus der dritten Reihe: "Lasst sie noch eins kriegen!" - worauf Trainer Dickschat lachend antwortete: "Ich bin Trainer, nicht Dirigent!" Doch seine Elf spielte weiter, als wolle sie genau das tun. Nach Schlusspfiff klatschten die Spieler mit den Fans ab, und Henrico bekam die obligatorische Umarmung des Trainers. "Zwei Tore, kein Gelb, kein Drama - das ist fast langweilig", witzelte Dickschat. Ennepetal dagegen verließ das Feld mit gesenkten Köpfen. Coach Lappe nahm’s sportlich: "Wir haben heute gelernt, dass Ballbesitz allein keine Währung ist. Nächstes Mal zahlen wir in Torchancen." Und so endete ein Abend, an dem der SV Linx zeigte, dass Offensivgeist und Spielfreude keine Luxusgüter sind. Vielleicht sollte man ihnen einfach öfter freien Lauf lassen - denn manchmal ist Fußball, ganz simpel, am schönsten, wenn er Spaß macht. 16.01.644000 06:42 |
Sprücheklopfer
Das Wort 'mental' gab es zu meiner Zeit als Fußballspieler noch gar nicht. Nur eine Zahnpasta, die so ähnlich hieß.
Rudi Assauer