Anpfiff
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SV Mannheim verspielt Führung - Pirmasens dreht das Spiel in sechs Minuten

Es war ein warmer Maiabend in Mannheim, 2.210 Zuschauer, Flutlicht, Regionalliga B - und ein Spiel, das so typisch für diese Liga war, dass man es fast riechen konnte: Leidenschaft, Stolperbälle und Emotionen zwischen Genie und Wahnsinn. Am Ende jubelte der FK Pirmasens über einen 2:1-Auswärtssieg, während der SV Mannheim ratlos auf den Rasen starrte.

Dabei hatte doch alles so gut begonnen für die Gastgeber. Trainer Maik Rose ließ seine Elf in einer ausgewogenen Formation auflaufen, die anfangs ruhig und kontrolliert agierte. Der Ballbesitz sprach mit 54 Prozent für Mannheim, und die ersten Minuten gehörten eindeutig den Blau-Weißen. Federico Puglisi, quirliger Rechtsaußen mit italienischem Temperament, prüfte früh die Reflexe von Gäste-Keeper Dennis Frei - und traf in der 24. Minute schließlich auch. Nach feinem Zuspiel von Esteban Gutierre schlenzte er den Ball aus spitzem Winkel ins lange Eck. 1:0, Applaus, Bierduschen auf den Rängen.

"Da hab ich kurz gedacht, jetzt läuft’s endlich mal", murmelte Trainer Rose später mit einem gequälten Lächeln. Und tatsächlich: Mannheim spielte weiter mutig nach vorne, hatte Chancen durch Forsythe (31.) und Heise (38.), während die Gäste vor allem durch Gelbe Karten auffielen - Archie MacAlister sah früh Gelb, später folgten Babinow und Marano.

Doch wer FK Pirmasens kennt, weiß: Diese Mannschaft bleibt unangenehm wie ein Stein im Schuh. Trainerin Gudrun Schweitzer, die mit verschränkten Armen an der Seitenlinie stand, wirkte in der ersten Halbzeit noch wie eine Schulrektorin, die ihre Klasse beim Wandertag beobachtet. "Wir haben’s verschlafen, keine Frage", sagte sie später. "Aber ich wusste, dass die Jungs noch einen Zahn zulegen." Und das taten sie.

Nach der Pause kam Pirmasens aggressiver, bissiger, lauter. Die Mannschaft stellte auf ein aktives Pressing um, und plötzlich wackelte die Mannheimer Defensive. In der 64. Minute war’s dann soweit: Kornej Babinow steckte durch auf Noah Specht, und der 22-Jährige schob eiskalt ins rechte Eck. 1:1. Kaum hatte Mannheim den Schock verdaut, legte derselbe Specht sechs Minuten später erneut nach - wieder nach Vorlage Babinow. Zwei Treffer in sechs Minuten, und das Spiel stand auf dem Kopf.

"Ich hab einfach draufgehalten", grinste Specht nach dem Abpfiff. "Trainerin Schweitzer meinte in der Kabine, wir sollen endlich zeigen, dass wir keine Sonntagskicker sind. Hat wohl funktioniert."

Mannheim versuchte danach alles. Puglisi schoss in der 74., 75. und 78. Minute aus allen Lagen, aber Frei im Tor der Gäste war nun im Flow. Selbst als Verteidiger Kian Breadalbane nach vorne stürmte und aus 20 Metern abzog, blieb der Ball in den sicheren Händen des Pirmasenser Keepers.

"Wir hatten 15 Torschüsse, die hätten für zwei Spiele gereicht", seufzte Rose. "Aber Fußball ist kein Wunschkonzert." Sein Gegenüber, Gudrun Schweitzer, konterte trocken: "Manchmal hilft’s, wenn man aufs Tor zielt und nicht nur drum herum."

Die Schlussphase war hitzig. Pirmasens zog sich zurück, stellte auf Defensive, Pressing inklusive. Drei Gelbe Karten auf Gästeseite sagten alles über den Willen, den Vorsprung zu halten. Mannheim rannte an, doch die Präzision fehlte. Als Schiedsrichterin Klein nach 92 Minuten abpfiff, fielen die Gäste übereinander wie Marathonläufer im Ziel.

Für Mannheim bleibt die Erkenntnis, dass Ballbesitz allein keine Punkte bringt. 53,8 Prozent Ballkontrolle, mehr Zweikämpfe gewonnen - und trotzdem verloren. Für Pirmasens hingegen war es ein Sieg des Willens. "Das war kein Schönheitspreis, das war Handwerk", sagte Schweitzer mit einem Augenzwinkern. "Aber manchmal reicht genau das."

Und während die Mannheimer Fans ihre Mannschaft mit einem letzten, müden Applaus verabschiedeten, sang der kleine Auswärtsblock aus Pirmasens schon von höheren Tabellenregionen. Ob das realistisch ist? Schwer zu sagen. Aber an diesem Abend war der FK Pirmasens schlicht die Mannschaft, die verstanden hatte, dass die Regionalliga keine Bühne für Schöngeister ist - sondern ein Ort, an dem man auch mal mit Schweiß und Gelben Karten gewinnt.

Ein bitterer Abend für Mannheim, ein stolzer für Pirmasens - und ein Spiel, das noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Oder, wie Puglisi es mit einem Schulterzucken zusammenfasste: "Wir waren schön, sie waren schlau. Und leider gewinnt meistens die Schlauheit."

04.01.644000 16:55
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Das Wort 'mental' gab es zu meiner Zeit als Fußballspieler noch gar nicht. Nur eine Zahnpasta, die so ähnlich hieß.
Rudi Assauer
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