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Es war ein lauer Maiabend in Tumlingen, 6.500 Zuschauer im kleinen Stadion, und schon nach zehn Minuten hatte keiner mehr Lust, auch nur kurz aufs Handy zu schauen - zu aufregend war das, was sich da abspielte. Am Ende stand ein 2:3 (2:2) zwischen dem SV Tumlingen und dem FC Marzahn, ein Ergebnis, das den neutralen Zuschauer glücklich, die Heimfans aber ein wenig ratlos zurückließ. Schon in der sechsten Minute explodierte das Stadion: Rechtsverteidiger Julian Gama, eigentlich eher für rustikale Grätschen bekannt, stürmte nach vorne, bekam den Ball von Olav Jacob und drosch ihn aus vollem Lauf ins lange Eck - 1:0. "Ich dachte ehrlich, der Ball fliegt auf den Parkplatz", grinste Gama später. Doch kaum hatten die Tumlinger zu Ende gejubelt, kam die kalte Dusche: Marzahns Alberto Cunha antwortete nur drei Minuten später. Nach feiner Vorarbeit von Marco Hofmann zog der Portugiese trocken aus 18 Metern ab - 1:1. Was folgte, war ein turbulenter Schlagabtausch, in dem Tumlingen zwar den Ball (50,25 Prozent Ballbesitz) und das Chancenplus (17:9 Torschüsse) hatte, aber Marzahn die Effizienz gepachtet zu haben schien. In der 36. Minute gelang dem jungen Bernard Fortin nach Vorarbeit von Seppe Henderickx das 2:1 - das Stadion bebte. Fortin, gerade mal 19, rief später in die Kameras: "Ich dachte, das ist unser Abend!". Nun ja - dachte er. Denn kurz vor der Pause, in der 44. Minute, traf Marzahns Marco Jacob zum erneuten Ausgleich, diesmal nach einem cleveren Steckpass von Joschua Rupp. "Das war wie Pingpong mit Adrenalin", beschrieb FC-Trainer Frank Henning die erste Halbzeit mit einem Grinsen. Sein Gegenüber Buddy Brown sah das weniger entspannt: "Wir haben Marzahn zu viel Raum gegeben. Und wenn du denen Raum gibst, dann bedanken sie sich eben." Nach der Pause wurde das Spiel etwas taktischer, wenn auch nicht weniger intensiv. Tumlingen blieb offensiv ausgerichtet - wie die ganze Partie über - und drückte, während Marzahn sich auf Konter verlegte. In der 69. Minute dann die entscheidende Szene: Linksverteidiger Peter Jacobsen, der sonst selten in der Nähe des gegnerischen Strafraums gesichtet wird, tauchte plötzlich dort auf und schoss nach Zuspiel von Iker Santos trocken zum 2:3 ein. "Ich hab einfach mal draufgehalten", sagte Jacobsen später, "und plötzlich war’s drin. Ich wusste gar nicht, wie jubeln geht." Danach war Tumlingen am Drücker, aber der Ball wollte nicht mehr ins Tor. Laurent Doucet, Brandon Prinsloo und erneut Fortin scheiterten in Serie - mal am Keeper, mal an den eigenen Nerven. "Wir hatten genug Chancen für zwei Spiele", stöhnte Trainer Brown. "Aber Fußball ist kein Wunschkonzert." Der Schiedsrichter hatte in der Schlussphase alle Hände voll zu tun, die Emotionen im Zaum zu halten. Erst sah Marzahns Florian Gruber in der 70. Minute Gelb, dann Tumlingens Olav Jacob nur eine Minute später - beide Male für "leidenschaftliches Diskutieren", wie es im offiziellen Bericht hieß. Marzahn brachte das Ergebnis mit Glück und Geschick über die Zeit. Die Einwechslungen von Joschua Rupp (zur zweiten Halbzeit) und dem 17-jährigen Tobias Fritz (nach 60 Minuten) brachten frische Beine in die Defensive. Henning lobte seine Youngster: "Wenn du mit 17 in so einem Hexenkessel spielst und nicht die Nerven verlierst, hast du alles richtig gemacht." Tumlingen dagegen wirkte nach dem Rückstand ideenlos, obwohl die Statistiken anderes vermuten lassen: mehr Schüsse, mehr Ballbesitz, mehr Zweikämpfe gewonnen - aber eben keine Punkte. "Das ist das Bitterste überhaupt", murmelte Kapitän Olav Jacob in der Mixed Zone, "du spielst gut, und trotzdem stehst du am Ende da wie der Depp." Die Fans verabschiedeten ihr Team dennoch mit Applaus - wohl auch, weil es an Einsatz nicht mangelte. "Die Jungs haben alles rausgehauen", meinte Trainer Brown, "nur das Quäntchen Glück fehlte." Und so blieb der FC Marzahn an diesem Abend der lachende Dritte - oder besser gesagt der lachende Sieger - in einem Spiel, das mehr Unterhaltung bot als so mancher Samstagabendfilm. Vielleicht sollte man den SV Tumlingen in Zukunft aber warnen: Wer so offensiv auftritt, sollte hinten besser abschließen - oder vorne einfach öfter treffen. Denn, wie Buddy Brown beim Hinausgehen lakonisch meinte: "Wir waren heute wie ein Cabrio im Regen - offen, schön anzusehen, aber am Ende klatschnass." 29.04.644000 13:42 |
Sprücheklopfer
Worüber ich mir die ganze vergangene Zeit Gedanken gemacht habe? Meine Frisur, die ist nämlich scheiße.
Mehmet Scholl