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TeBe Berlin dreht das Spiel: 4:3-Spektakel gegen Erndtebrück

Ein kühler Maiabend, Flutlicht an der Berliner Plumpe, 5947 Zuschauer auf den Rängen - und ein Fußballspiel, das man so schnell nicht vergisst. TeBe Berlin besiegt TuS Erndtebrück mit 4:3 (1:3) und liefert dabei eine Vorstellung, die irgendwo zwischen Chaos, Genie und purer Willenskraft pendelte.

Dabei begann alles nach Maß für die Lila-Weißen: Schon in der 3. Minute zappelte der Ball im Netz. Joel Barth, der flinke 20-Jährige auf dem rechten Flügel, nutzte die erste Gelegenheit eiskalt. Nach einem schönen Zuspiel von Rechtsverteidiger Patrik Maus nahm er Maß - und traf. 1:0. "Ich dachte, ich bin noch im Aufwärmen", grinste Barth später. Trainer Axel Herr klatschte an der Seitenlinie zufrieden in die Hände - und ahnte nicht, was in der ersten Halbzeit noch auf ihn zukommen sollte.

Denn Erndtebrück schüttelte die Berliner Frühführung einfach ab und legte los, als hätte man im Sauerland die Spieluhr auf Sturm gestellt. In der 27. Minute traf Kurt Benz nach feinem Pass von Jack Leech zum Ausgleich. Nur sieben Minuten später drehte Michael Sonnenschein die Partie - ein Name, der an diesem lauen Abend ironischerweise in der Hauptstadt für dunkle Mienen sorgte. 2:1 für die Gäste. Und weil es so gut lief, setzte Xavi Sorribas in der 43. Minute noch einen drauf: 3:1. TeBe taumelte, der Halbzeitpfiff kam wie eine Gnadenfrist.

"Wir haben uns in der Kabine ordentlich die Meinung gesagt", verriet Innenverteidiger Stanko Jovanovic, der in der 49. Minute selbst Gelb sah, später mit einem Grinsen. "Trainer Herr war laut, aber nicht unfair. Er meinte nur: ’Ihr spielt, als wärt ihr bei einem Kunstwettbewerb, nicht im Fußball.’"

Was auch immer in dieser Kabinenansprache gesagt wurde - es wirkte. Nach der Pause lief plötzlich alles anders. Berlin hatte mehr Ballbesitz (57,5 Prozent insgesamt), mehr Zug zum Tor (9 Torschüsse) und endlich auch das nötige Glück. In der 57. Minute drückte Frederik Graversen den Ball über die Linie, nachdem Jovanovic in bester Stürmermanier nachgesetzt hatte. Nur noch 2:3.

Dann kam wieder der junge Barth. 71. Minute, Vorlage diesmal von Innenverteidiger Nevio Eusebio, der kurz darauf verletzt raus musste - Barth aber nahm das Leder, ließ zwei Mann stehen und schob cool ein. 3:3. Das Stadion tobte. "In dem Moment hab ich gar nichts gehört, nur gesehen, wie alle auf mich zuliefen", sagte Barth später.

Und dann, als alle schon mit einem Remis rechneten, schlug der Mann der ersten Minuten wieder zu - allerdings diesmal als Vorbereiter: Patrik Maus, zuvor schon beim 1:0 beteiligt, stand in der 74. Minute goldrichtig und netzte selbst ein. 4:3! Die Tribüne bebte, der Stadionsprecher überschlug sich, und Trainer Axel Herr ballte die Faust so fest, dass man Angst um seine Uhr haben musste.

Erndtebrück kämpfte, brachte mit Agemar Fernandez einen frischen Stürmer, doch die Wende blieb aus. Stattdessen kassierte Verteidiger Ruslan Kowaltschuk erst Gelb (87.) und dann Gelb-Rot (88.) - ein Abgang, der sinnbildlich für die zweite Hälfte der Gäste stand. Trainer Sigurd Stuhl fasste es trocken zusammen: "Wir haben das Spiel in 20 Minuten verloren. Und das mit Ansage."

Statistisch gesehen ein enges Duell: 8:9 Torschüsse aus Sicht der Gäste, fast ausgeglichene Zweikampfquote (48 zu 52 Prozent). Doch der Unterschied lag im Willen - und vielleicht auch im Glauben, dass ein Spiel eben erst nach 90 Minuten entschieden ist.

TeBe Berlin feierte den Sieg wie einen kleinen Aufstieg, während Erndtebrück ratlos in die Nacht verschwand. "Da war heute alles drin - Drama, Schmerz, Freude, Krämpfe", lächelte Coach Herr in der Pressekonferenz. "Und wer’s verpasst hat, kann sich wenigstens sicher sein: So spielt man keine Nullnummer."

Ein Spiel, das zeigte, warum Fußball manchmal mehr Theater als Sport ist - nur dass das Drehbuch diesmal von TeBe geschrieben wurde. Und das Publikum? Ging pfeifend, jubelnd und leicht heiser nach Hause, in der Gewissheit, Zeuge eines dieser seltenen Abende geworden zu sein, an denen selbst die Statistik lächelt.

01.12.643999 07:27
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Ich dachte, der Torwart darf im Strafraum die Hände benutzen.
Oliver Kahn nachdem er in Rostock mit beiden Fäusten ein Tor erzielt hatte und dafür vom Platz gestellt worden war
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