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TeBe Berlin gewinnt 5:4 - ein Torfestival mit leichtem Wahnsinn

Es war ein lauer Aprilabend im Mommsenstadion, aber auf dem Rasen brannte die Luft: TeBe Berlin und der SC Weiler im Allgäu lieferten sich am 20. Spieltag der 3. Liga ein Duell, das eher an Tischtennis als an Fußball erinnerte - Ping, Pong, Tor, Tor, Tor. Am Ende stand ein 5:4 (4:3) für TeBe, und 7149 Zuschauer wussten nicht recht, ob sie jubeln oder den Notarzt rufen sollten.

Schon nach sieben Minuten begann das Spektakel: Jürgen Linke, der flinke Rechtsaußen aus Weiler, nutzte die erste Chance eiskalt. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand er später mit einem Grinsen. Zwei Minuten später konterte TeBe mit jugendlicher Frechheit: der 19-jährige Joel Barth schob aus spitzem Winkel ein - 1:1, und das Publikum ahnte, dass der Abend lang werden würde.

Dann ging’s Schlag auf Schlag. Barth legte in der 17. Minute nach, bedient von Innenverteidiger Nevio Eusebio, der offenbar kurzzeitig vergaß, dass er Verteidiger ist. "Ich dachte, ich probier’s mal mit Offensivgeist", lachte Eusebio nach dem Spiel - bevor er zugab, dass er den Pass eigentlich versehentlich zu kurz gespielt hatte.

Doch die Allgäuer, von Trainer Mino Raiola mit offensiver Marschroute losgeschickt, blieben gefährlich. Felipe Gama glich in der 26. Minute aus, und spätestens da war klar: Hier verteidigt heute niemand. "Ich hab die Jungs gewarnt: Das wird kein Schachspiel", sagte TeBe-Coach Axel Herr später, halb stolz, halb erschöpft.

In Minute 31 traf der Däne Fritjof Norgaard zum 3:2, nach cleverem Zuspiel von Jay Drummond. Zwei Minuten später schlug wieder Weiler zu - Linke, natürlich, diesmal nach Vorarbeit von Ronald Bertram. 3:3, und die Abwehrreihen beider Teams sahen aus, als hätten sie kollektiv Urlaub beantragt.

Doch der Abend gehörte Joel Barth. Der Teenager krönte seine erste Halbzeit mit einem lupenreinen Hattrick: In der 36. Minute verwandelte er eine Drummond-Vorlage zum 4:3. "Ich dachte, wenn eh keiner hinten steht, kann ich auch noch eins machen", witzelte Barth, der von seinen Mitspielern nach dem Abpfiff auf Schultern durch den Mittelkreis getragen wurde - halb ernst, halb ironisch.

Nach dieser ersten Halbzeit, die man mit gutem Gewissen in Museen für absurden Fußball hängen könnte, schraubten beide Trainer etwas am Chaos. Raiola brachte zur 60. Minute gleich drei frische Leute - Horvat, Scherer und Erskine - und versuchte, das Zentrum zu stabilisieren. TeBe blieb bei seinem "alles nach vorn"-Mantra.

In der 57. Minute fiel das 5:3: Frederik Graversen, der stoische Mittelstürmer, traf nach Vorlage von Norgaard. Berlin hatte damit zum ersten Mal zwei Tore Vorsprung - ein Zustand, der im Spielverlauf so selten war wie ein ruhiger Moment auf der TeBe-Bank.

Weiler aber gab nicht auf. Felipe Gama - wieder er - verkürzte in der 76. Minute, nach feinem Pass von Nick Scherer, auf 5:4. Danach folgte ein Sturmlauf der Gäste: zwölf Torschüsse insgesamt, die meisten davon in der Schlussphase. Doch TeBe-Keeper Olav Gärtner hielt, was zu halten war - und manchmal auch, was eigentlich nicht zu halten war.

"Ich hab einfach die Augen zugemacht", sagte Gärtner später lachend, als man ihn auf seine Glanztat in der 85. Minute ansprach, als Fritsch aus kurzer Distanz scheiterte. "Vielleicht war’s Glück, vielleicht Reflex. Egal, Hauptsache keiner redet über unsere Defensive."

Statistisch war das Spiel so ausgeglichen wie wild: 53,9 Prozent Ballbesitz für TeBe, 46,1 für Weiler, 7:12 Torschüsse - die Gäste zielten öfter, die Berliner trafen besser. "Effizienz schlägt Ästhetik", kommentierte Axel Herr trocken in der Pressekonferenz. Raiola hingegen schüttelte den Kopf: "Wir schießen vier Tore auswärts und fahren ohne Punkte heim. Da kannst du nur Pizza essen und vergessen."

In den letzten Minuten wurde es ruppig: Nevio Eusebio sah Gelb (69.), nachdem er Linke etwas zu deutlich daran erinnerte, dass Fußball ein Kontaktsport ist. Auf der Gegenseite hatte Robin Born schon früh (10.) Gelb gesehen - symptomatisch für ein Spiel, das eher an Straßenfußball erinnerte als an taktische Feinarbeit.

Als der Schlusspfiff ertönte, sank TeBe-Trainer Axel Herr auf die Bank und grinste: "Ich wollte eigentlich ein geordnetes Spiel. Jetzt haben wir ein 5:4 und Herzrasen. Aber schön war’s!"

Schön war’s tatsächlich - für alle, die Tore lieben, Dramatik schätzen und kein Problem damit haben, wenn Ordnung ein Fremdwort bleibt. Für die Trainer vielleicht weniger, aber für den neutralen Zuschauer war es ein Fest.

Und vielleicht ist das die Moral des Abends: Wer 90 Minuten lang Fußball erwartet, bekommt manchmal Rock’n’Roll.

06.09.643996 13:35
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Eigentlich bin ich ein Supertyp. Aber ich kann wohl auch ein richtiger Arsch sein!
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