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Es war ein lauer Maiabend, aber auf dem Rasen des Mommsenstadions ging es heiß her. 5838 Zuschauer sahen am 31. Spieltag der Regionalliga C ein Spiel, das man getrost als einseitig bezeichnen darf - und doch blieb es spannend bis zur letzten Minute. Am Ende siegte TeBe Berlin mit 1:0 gegen Falke Fellbach, ein Ergebnis, das knapper klingt, als es sich anfühlte. Von Beginn an war klar, wer hier das Heft in der Hand hielt. Trainer Axel Herr ließ seine Berliner offensiv anlaufen, während Gastcoach James Bond (ja, wirklich!) sein Team aus Fellbach im tiefsten Defensivmodus parken ließ - vermutlich irgendwo zwischen eigenem Strafraum und Abgrund der Hoffnung. Schon nach neun Minuten prüfte der 19-jährige Herbert Schulze erstmals den Gästetorhüter Raphael Freitag. Es war der Auftakt zu einer wahren Dauerbeschuss-Orgie. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen", grinste Schulze später, "aber unser Trainer meinte in der Kabine, wenn wir beim Basketball wären, hätten wir gewonnen." Tatsächlich: 23 Schüsse auf das Fellbacher Tor stehen am Ende zu Buche - kein einziger auf das Berliner Gehäuse. Das nennt man wohl Einbahnstraßenfußball. TeBe kombinierte munter, mal über den flinken David Drulak auf links, mal über den beherzten Ralph Buettner, der mit 17 Jahren nicht nur der Jüngste auf dem Platz war, sondern sich auch in der 25. Minute eine gelbe Karte abholte. "Das war kein Foul, das war Erziehungsarbeit", kommentierte Buettner später trocken. Die Berliner dominierten, aber sie trafen das Tor eben nicht. Frank Braun, der bullige Mittelstürmer, scheiterte mehrfach aus aussichtsreicher Position. Jay Drummond probierte es aus der zweiten Reihe, Lars Hess, der linke Verteidiger, sogar einmal aus 30 Metern - alle ohne Erfolg. Zur Pause stand es 0:0, und auf der Tribüne hörte man erste ungeduldige Stimmen: "Typisch TeBe - schön spielen, nix treffen!" Trainer Axel Herr blieb gelassen. "Wir wussten, dass der Damm irgendwann bricht. Ich hab den Jungs in der Kabine gesagt: weiter so, aber bitte mit Zielwasser." Und tatsächlich, in der 71. Minute kam die Erlösung. Drulak flankte von links, der Ball flog halbhoch durch den Strafraum, und dort stand - wer sonst - Herbert Schulze. Der Youngster setzte den Fuß hin, nicht zu fest, aber genau platziert. 1:0. Stadionexplosion. "Ich hab einfach instinktiv reagiert", sagte Schulze später mit einem verschmitzten Lächeln. "Und ehrlich gesagt, ich hatte schon Angst, dass der Torwart wieder irgendwas Verrücktes hält." Tat er diesmal nicht. Raphael Freitag flog ins Leere, und die TeBe-Bank verwandelte sich in eine kollektive Jubeltraube. Von Fellbach kam danach - nun ja - nichts. Kein einziger Schuss aufs Tor, kein Funken Gefahr. Man hätte fast Mitleid bekommen, wenn nicht so offensichtlich gewesen wäre, dass James Bond seine Elf mit der Lizenz zum Verteidigen ausgestattet hatte. Der Coach blieb nach dem Spiel trotzdem cool: "Wir hatten unseren Plan. Leider war der Ballbesitz nicht Teil davon." TeBe brachte das 1:0 souverän über die Zeit. Die Statistik spricht Bände: 56 Prozent Ballbesitz, 60 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 23 Torschüsse - und trotzdem musste man bis zur 71. Minute zittern. Das nennt man Effizienz mit Verspätung. Nach dem Abpfiff freute sich Axel Herr über den Pflichtsieg, mahnte aber: "Wer so oft am Tor vorbeischießt, braucht im Training keine Fitnessübungen mehr - nur Zieltraining." Die Fans sahen es ihm nach, schließlich war es der dritte Heimsieg in Folge, und das bei einem Gegner, der defensiv so tief stand, dass er wohl noch jetzt versucht, sich wieder an die Mittellinie zu tasten. Herbert Schulze wurde zum gefeierten Helden des Abends. Die Fans sangen seinen Namen, und er selbst scherzte: "Wenn ich nächste Woche wieder treffe, darf ich vielleicht endlich den Mannschaftsbus fahren." TeBe Berlin bleibt mit diesem Sieg oben dran, während Falke Fellbach zumindest die Gewissheit mitnimmt, dass man 90 Minuten lang erfolgreich verhindern kann, am gegnerischen Strafraum zu scheitern - weil man gar nicht dort war. Zum Schluss blieb das Resümee eines Zuschauers im Ohr, der beim Hinausgehen murmelte: "Ein 1:0 wie ein Gedicht - nur halt ohne Reim." Da kann man kaum widersprechen. 03.06.644000 15:35 |
Sprücheklopfer
Das ist Schnee von morgen.
Jens Jeremies