Anpfiff
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TeBe Berlin siegt knapp - Speldorf hadert mit der Chancenverwertung

Ein lauer Maiabend, 6415 Zuschauer im Mommsenstadion, Flutlicht, Regionalliga-C-Feeling pur: TeBe Berlin empfängt den VfB Speldorf - und liefert sich mit den Gästen ein Spiel, das zwar kein fußballerisches Feuerwerk war, aber alles bot, was ein Freitagabendspiel so braucht: Tempo, Dramatik, und eine Prise Chaos in den Strafräumen. Am Ende hieß es 2:1 (1:0) für die Berliner, die damit ihre Heimbilanz aufpolieren, während Speldorf sich fragt, wie man mit 52 Prozent Ballbesitz und zwölf Torschüssen trotzdem verlieren kann.

Schon in den ersten Minuten war klar: Das wird kein Spaziergang. Speldorf begann selbstbewusst, ließ den Ball gut laufen, und Javier Manu prüfte TeBe-Keeper Olav Gärtner bereits in der ersten Minute - ein satter Linksschuss, den Gärtner mit den Fingerspitzen über die Latte lenkte. "Da war ich noch nicht richtig wach", gab Gärtner später lachend zu. "Zum Glück hat mich der Kaffee vor dem Spiel gerettet."

Doch dann kam TeBe. Und wie. In der 23. Minute kombinierte sich die rechte Seite der Berliner sehenswert durch: Joel Barth tanzte seinen Gegenspieler aus, legte quer, und der 20-jährige Mathias Pfeifer vollendete trocken - 1:0. Sein erster Treffer in der Regionalliga, und das ausgerechnet vor heimischem Publikum. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Pfeifer hinterher. "Der Trainer sagt immer, ich soll mutiger werden. Heute hab ich ihn wohl überrascht." Trainer Axel Herr nickte zufrieden: "Mathias hat das gemacht, was wir trainieren: den Ball nicht streicheln, sondern verprügeln."

Speldorf reagierte wütend, drängte auf den Ausgleich. Aitor Melendez scheiterte kurz vor der Pause gleich zweimal an Gärtner, der an diesem Abend den Eindruck machte, als hätte er sich vorgenommen, auf keinen Fall mehr hinter sich zu greifen. Mit 1:0 ging es in die Kabine - und Axel Herr hatte offenbar die richtige Halbzeitansprache parat, denn TeBe kam wieder aggressiv aus der Pause.

Doch dann der Rückschlag: In der 50. Minute kombinierten sich die Gäste durch die Berliner Abwehr, als wäre diese kurzzeitig in den Feierabendmodus gewechselt. Morten Nilsen flankte von rechts, Mario Demo nahm den Ball volley - und traf herrlich zum 1:1. Alles wieder offen.

Vier Minuten später allerdings der Gegenschlag: TeBe antwortete mit Wucht. Fritjof Norgaard zog über links, passte präzise in den Rückraum, wo Jay Drummond lauerte und den Ball eiskalt ins rechte Eck setzte - 2:1. Der Engländer im Berliner Trikot jubelte mit ausgestreckten Armen, als hätte er gerade Wembley erobert. "Ich hab den Ball kommen gesehen und wusste: Das ist meiner", erzählte Drummond später. "Und dann… zack. Tor. Ich liebe diese Momente."

Von da an entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Berlin wollte das dritte Tor, Speldorf den Ausgleich. Henri Link wirbelte über den linken Flügel und hatte gleich mehrere gute Gelegenheiten, doch sein Schuss aus der 71. Minute strich knapp vorbei. Auf der anderen Seite prüfte Asier Espriu in der 83. Minute erneut Gärtner - wieder war der Berliner Keeper zur Stelle.

In der 79. Minute wurde es dann noch einmal hitzig: TeBe-Verteidiger Stanko Jovanovic sah Gelb, nachdem er Speldorfs Melendez rustikal vom Ball getrennt hatte. "Ich hab nur den Ball gesehen", erklärte Jovanovic nach dem Spiel mit Unschuldsmiene. "Der Ball war halt hinter dem Gegner."

Die letzten Minuten gehörten den Gästen, die verzweifelt anrannten. In der 87. Minute köpfte Sebastian Brzeczek nach einem Eckball nur Zentimeter über die Latte - der kollektive Aufschrei der Speldorfer Bank hallte durchs Stadion. "Wenn der reingeht, reden wir hier ganz anders", knurrte VfB-Trainer Jakob Meier nach Abpfiff. "Aber so ist Fußball: Manchmal ist das Tor einfach zu klein."

TeBe rettete den Vorsprung über die Zeit, und als Schiedsrichter Hoffmann schließlich abpfiff, brach auf der Berliner Bank Jubel aus. Trainer Herr umarmte seine Spieler, während der Stadionsprecher die Torschützen verkündete - Pfeifer und Drummond, zwei Youngster, die an diesem Abend den Unterschied machten.

Statistisch gesehen war das Spiel fast ausgeglichen: 17 Torschüsse für Berlin, 12 für Speldorf, Ballbesitz leicht zugunsten der Gäste. Doch die Effektivität war auf Berliner Seite. "Wir haben nicht schön gespielt, aber clever", bilanzierte Herr mit einem Grinsen. "Manchmal reicht das. Und heute war so ein Tag."

Am Ende blieb Speldorf nur der Trost, dass man durchaus mithalten konnte - und das Gefühl, dass ein Punkt verdient gewesen wäre. Doch Fußball ist kein Wunschkonzert. TeBe Berlin holt sich dank Kaltschnäuzigkeit und einem glänzenden Keeper drei Punkte und lässt die Fans zufrieden in die Berliner Nacht hinausziehen.

Und irgendwo hinter der Haupttribüne sagte ein älterer Herr beim Bier: "Wenn TeBe immer so kämpft, glaub ich wieder an den Aufstieg." - Ein Satz, der an diesem Abend fast so schön klang wie das Ergebnis selbst.

12.12.643999 20:57
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