Anpfiff
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Teutonia Bielefeld stürzt Blau Weiß Bochum mit jugendlicher Frechheit

An einem lauen Juniabend, als der Himmel über Bielefeld in Pastelltönen glühte und die 3588 Zuschauer das Stadion in eine Mischung aus Volksfest und Nervenschlacht verwandelten, spielte sich in der Regionalliga B eine jener Geschichten ab, die Trainer graue Haare und Fans Dauergrinsen bescheren. Teutonia Bielefeld bezwang Blau Weiß Bochum mit 3:1 - und tat das auf eine Weise, die gleichermaßen nach Mut, Chaos und jugendlicher Unbekümmertheit roch.

Von Beginn an war klar: Peer Chamier hatte seiner jungen Truppe eingeschärft, nicht auf Ballbesitz zu schielen, sondern auf Wirkung. "Wir wollten einfach Spaß haben - und den Ball notfalls dem Gegner überlassen", grinste Chamier nach dem Spiel. 45,7 Prozent Ballbesitz reichten am Ende für drei Tore, was die Statistikfreunde auf der Tribüne wohl noch heute irritiert die Stirn runzeln lässt.

Bereits in der fünften Minute hatte Stanislav Stastny die Bochumer Defensive das erste Mal aufgeschreckt. Sein Schuss zischte haarscharf am Pfosten vorbei - ein Vorgeschmack auf das, was noch kommen sollte. In der 35. Minute war es dann soweit: Louis Allington, 19 Jahre jung und offenbar mit der Lunge eines Marathonläufers ausgestattet, sprintete die rechte Linie entlang, legte quer, und Eri Gruber drosch den Ball unter die Latte. 1:0 - und das Stadion vibrierte. "Ich hatte eigentlich gar nicht so fest geschossen", meinte Gruber später schelmisch. "Aber der Ball wollte wohl einfach heim."

Bochum, trainiert von einem sichtlich angesäuerten Coach, reagierte mit kontrolliertem Druck, mehr Passspiel und über 54 Prozent Ballbesitz. Doch lange blieb das alles Stückwerk. Teutonias Abwehr, angeführt von Laurent Beaumanoir, blockte, grätschte, räumte ab - und wenn mal ein Loch blieb, war Torwart Paolo Napolitano da, der mit der Nonchalance eines Straßenkickers zwei Distanzschüsse pflückte, als handele es sich um Luftballons.

Nach der Pause kam Bochum dann doch zurück. In der 61. Minute, als Teutonia gerade etwas träumte, setzte sich der erfahrene Valeri Kapustin im Strafraum durch, legte ab auf David Menendo, und der linke Verteidiger vollendete mit einem trockenen Schuss ins lange Eck - 1:1. "Kurz dachte ich, jetzt kippt das Spiel", gab Chamier später zu. "Aber dann haben unsere Jungs einfach wieder angefangen zu rennen."

Und sie rannten. Nur fünf Minuten später bediente Stastny den flinken Allington, der den Ball elegant ins kurze Eck schlenzte. 2:1 - die Jugend hatte wieder zugeschlagen. Peer Chamier riss die Arme hoch, während der Gasttrainer auf der Bank mit den Augen rollte. "Wir haben uns von einem Teenager austricksen lassen", knurrte er später in der Pressekonferenz.

Als Bochum dann in der Schlussphase alles nach vorne warf, passierte das, was in solchen Spielen fast zwangsläufig geschieht: der Konter des Abends. Der eingewechselte Lars Van Cortlandt - ebenfalls 19, ebenfalls unverschämt unbekümmert - stürmte über rechts, legte quer auf Giovanni Carlopoli, 19, und der schob in der 84. Minute eiskalt zum 3:1-Endstand ein. Drei Tore, drei Vorlagen von Spielern, die zusammen kaum älter sind als Bochums Sturmveteran Kapustin.

Kurz darauf musste Bochums Abwehrmann Arne Richter verletzt vom Feld. Ein Sinnbild: die Gäste müde, die Gastgeber aufgedreht. "Ich hatte das Gefühl, die spielen mit drei Lungen", stöhnte Bochums Kapitän nach Abpfiff.

Statistisch war das Ganze eine kleine Absurdität: Bochum mit mehr Ballbesitz, Bielefeld mit doppelt so vielen Torschüssen (12:4) - und die klar bessere Zweikampfquote (55 Prozent). Wichtiger aber war der Eindruck: Teutonia spielte befreit, mutig, manchmal naiv, aber immer mit Herz.

Nach Schlusspfiff tanzten die jungen Wilden vor der Fankurve, während Trainer Chamier auf dem Rasen stand, die Hände in den Taschen, und mit einem Lächeln sagte: "Wenn sie weiter so spielen, werde ich wohl bald der älteste Mann in der Kabine - aber der glücklichste."

Und irgendwo über den Flutlichtern schien selbst der Fußballgott zu grinsen. Es war einer dieser Abende, an denen Statistik gegen Leidenschaft verliert - und die Jugend einfach unverschämt gewinnt.

23.02.644003 17:35
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Schach ist für mich neben Fußball der schönste Sport, weil es aufgrund der Figuren auch ein Mannschaftssport ist.
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