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Ein lauer Maiabend, 3655 Zuschauer im Stadion und ein Spiel, das man getrost als "Regionalliga mit Herzrasen-Garantie" bezeichnen darf: FK Pirmasens und Bad Dürrenberg trennten sich am Mittwochabend nach einem wilden Schlagabtausch 3:3 (2:2). Wer zu spät kam, verpasste nicht nur Tore, sondern auch eine Partie, die zwischen Genie und Wahnsinn tanzte. Schon die Anfangsminuten ließen ahnen, dass es kein ruhiges Spiel werden würde. Pirmasens stürmte mit Dani Tabenkin an vorderster Front los, als wolle er beweisen, dass man auch mit einem linken Fuß allein Geschichte schreiben kann. Doch die Gäste hielten dagegen - und wie! In der 21. Minute klingelte es zum ersten Mal: Ivan Maric, 34 Jahre jung und offenbar topfit, traf nach feinem Zuspiel des flinken Alfie Densham. Maric grinste danach: "Ich wollte eigentlich flanken, aber manchmal muss man den Zufall einfach machen lassen." Die Antwort der Gastgeber folgte prompt und kunstvoll. In der 33. Minute zog der junge Vitorino Ramallo ab - 1:1, und das Stadion tobte. "Nikolai hat mir den Ball perfekt serviert", sagte Ramallo später, "da musste ich nur noch so tun, als wäre ich Lionel Messi." Drei Minuten später aber dämpfte Bad Dürrenbergs Routinier Juri Adamow die Euphorie der Pirmasenser Fans. Nach einer schönen Kombination über Otto Gudjohnsen stellte er auf 1:2 - und deutete dabei an, dass Erfahrung manchmal mehr wert ist als frische Beine. Doch kaum hatte man sich auf den Rängen wieder hingesetzt, schlug Pirmasens zurück. Zwei Minuten nach dem Adamow-Treffer traf Dani Tabenkin zum 2:2. "Ich hab einfach draufgehauen", erklärte er mit einem Schmunzeln, "der Ball wollte halt rein." Nach dieser furiosen ersten Halbzeit gönnten sich beide Teams in der Kabine wohl einen doppelten Espresso. Denn auch nach dem Seitenwechsel boten sie ein Duell auf Augenhöhe - statistisch wie emotional: 12:12 Torschüsse, Ballbesitz 46 zu 54 Prozent. Bad Dürrenberg agierte etwas ruhiger, strukturierter - ganz der Stil ihres Trainers Daniel Mahler, der an der Seitenlinie mit verschränkten Armen aussah wie ein Schachspieler, der den nächsten Zug schon fünf Minuten vorher kennt. Pirmasens-Coach Gudrun Schweitzer hingegen gestikulierte wild, schrie Anweisungen und feuerte ihr Team an, als ginge es um die Meisterschaft. "Ich hab gesagt: Wenn wir schon rennen, dann richtig!", lachte sie nach dem Spiel. Und ihre Jungs gehorchten. In der 77. Minute schien sich das Spiel jedoch zu Gunsten der Gäste zu drehen: Der junge Brasilianer Fabio de Freitas vollendete nach Vorlage von Adamow zum 2:3. Mahler ballte die Faust, Schweitzer trat gegen eine Wasserflasche. "Da dachte ich kurz, jetzt ist der Ofen aus", gab sie später zu. Doch sie irrte sich. Nur drei Minuten nach dem Rückstand stieg Innenverteidiger David Marano nach einer Ecke von Nikolai Dotschew am höchsten und köpfte zum 3:3 ein - ein Tor, das man in Pirmasens noch lange besprechen wird. Die letzten zehn Minuten waren dann pures Nervenflattern. Maric prüfte Torhüter Lucas Grantham in der 91. Minute noch einmal - Grantham rettete mit den Fingerspitzen. Auf der Gegenseite vergab Tabenkin in der 89. Minute per Direktabnahme die Entscheidung. "Ich hab’s versucht, aber mein Standbein war offenbar im Wochenende", witzelte er später. Als Schiedsrichterin das Spiel abpfiff, klatschten beide Mannschaften erschöpft ab. Ein 3:3, das keiner so richtig einordnen konnte - zu chaotisch, zu lebendig, zu schön. Mahler meinte trocken: "Wenn man drei Mal führt, sollte man vielleicht gewinnen." Schweitzer konterte mit einem Augenzwinkern: "Wenn man dreimal zurückliegt und trotzdem was mitnimmt, hat man’s auch verdient." Unterm Strich passte das Ergebnis: Beide Teams zeigten Mut, Moral und reichlich Offensivlust - und lieferten Werbung für den Fußball, wie man ihn in der Regionalliga B nicht jeden Mittwoch bekommt. Vielleicht war es kein perfektes Spiel. Aber es war eines, das man mit einem zufriedenen Lächeln verlässt - und mit der Gewissheit, dass auch ein 3:3 manchmal wie ein Sieg schmecken kann. 29.04.644000 11:43 |
Sprücheklopfer
Das war die erste Gelb-Rote Karte gegen uns, bei der ich grinsen musste.
Stefan Effenberg zum Platzverweis von Oliver Kahn nach dessen Handtor in Rostock