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Ein lauer Maiabend, Flutlichtstimmung im Stadion Husterhöhe, 3515 Zuschauer, die mit Bierbechern und lautstarker Erwartung in den 14. Spieltag der Regionalliga B starteten - und sie bekamen ein Spiel, das alles bot, was man von einem Dienstagabend-Kick nur erwarten kann: Tempo, Tore, ein bisschen Chaos und viel Unterhaltung. FK Pirmasens und der FC Homberg trennten sich nach 90 turbulenten Minuten 3:3 (2:2). Schon in der Anfangsviertelstunde deutete sich an, dass beide Abwehrreihen den Begriff "Defensive" nur aus dem Taktikheft kannten. Pirmasens begann druckvoll, angetrieben von Trainerin Gudrun Schweitzer, die - so berichtete ein Zuschauer - "so laut coachte, dass selbst die Ersatzspieler von Homberg kurz salutierten". Und tatsächlich: In der 15. Minute traf Dani Tabenkin nach feinem Zuspiel von David Bernier zum 1:0. Nur zwei Minuten später legte derselbe Tabenkin nach, diesmal bedient von Linksverteidiger Samuel Reid. "Ich dachte, ich probier’s einfach nochmal. Wenn’s einmal klappt, warum nicht gleich zweimal?", grinste der Doppeltorschütze später. Doch Homberg zeigte Moral. Nico Brauer, 20 Jahre jung, sprintete in der 19. Minute in eine Lücke, die man in Pirmasens eher auf dem Parkplatz vermutet hätte, und netzte nach Pass von Joan Zorrilla eiskalt ein. Die Gäste legten nach, als kurz vor der Pause Doruk Bulut nach einem Eckball von Alfonso Da Cru zum 2:2 einköpfte. Pirmasens’ Keeper Dennis Frei sah den Ball wohl erst, als er schon wieder aus dem Netz kullerte. "Wir wollten nach dem 2:0 zu schön spielen", haderte Schweitzer später. "Und schön spielen ist in der Regionalliga B meist der schnellste Weg zum Chaos." Nach der Pause beruhigte sich das Spiel kurz - also etwa fünf Minuten lang. Dann donnerte der Pirmasenser Mittelfeldmotor Kornej Babinow in der 59. Minute den Ball aus 20 Metern unter die Latte. Ein Treffer, der so präzise war, dass selbst Hombergs Trainer Fridolin von Zahn kurz klatschte. "Ich hab ihm das in der Kabine schon gesagt: Wenn man so trifft, darf man das ruhig genießen - aber dann bitte gegen andere Mannschaften", meinte von Zahn halb lachend, halb grummelnd. Homberg drückte - und wie! Ganze 16 Torschüsse zählte die Statistik am Ende, mehr als doppelt so viele wie Pirmasens (7). Der Ballbesitz war mit 53 zu 47 Prozent zwar leicht bei den Hausherren, doch die gefährlicheren Szenen gehörten den Gästen. Besonders der junge Logan Satchmore machte auf der linken Seite ordentlich Dampf. In der 86. Minute belohnte er sich schließlich selbst: Nach erneuter Vorlage von Zorrilla traf er flach ins lange Eck - das 3:3. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte der 19-Jährige nach dem Spiel, "und gehofft, dass keiner im Weg steht - hat geklappt!" Sein Trainer nickte anerkennend: "Der Junge hat noch Milch im Gesicht, aber Nerven wie ein alter Hase." Die Schlussphase war ein wildes Hin und Her. Pirmasens brachte in der 90. Minute Noah Specht für den ausgepumpten Doppeltorschützen Tabenkin, Homberg hatte da schon längst den erfahrenen Bulut durch den jungen Dänen Aina Damgaard ersetzt. Beide Seiten wollten den Lucky Punch, beide fanden ihn nicht. Statistisch gesehen war das Remis fast eine logische Konsequenz: Pirmasens mit leichtem Ballbesitzvorteil, Homberg mit klar mehr Abschlüssen und besserer Zweikampfquote (53 Prozent). Taktisch blieb Schweitzer flexibel - von offensiv über defensiv bis ausgewogen, während von Zahn durchgehend auf Angriff setzte. "Ich kann mich einfach nicht mit diesem Wort ’defensiv’ anfreunden", scherzte der Homberger Coach nach Abpfiff. "Ich mag’s, wenn’s brennt." Und gebrannt hat es auf dem Rasen reichlich. Drei Tore in der ersten Halbzeit, drei in der zweiten, dazu eine Gelbe Karte für den übermotivierten Zorrilla, der nach eigenem Bekunden "nur den Ball treffen wollte - aber der Ball war halt gerade weg". Am Ende gingen beide Teams mit gemischten Gefühlen vom Platz. Pirmasens verschenkte eine 2:0-Führung, Homberg rettete spät einen Punkt - und die Zuschauer bekamen ein Spektakel, das man so schnell nicht vergisst. "Wenn jedes 3:3 so unterhaltsam wäre, würde ich mich nie über Unentschieden beschweren", lachte Schweitzer beim Abschied. Und während die Flutlichtmasten langsam verlöschten, raunte ein Fan auf der Tribüne: "So spielen sie in der Champions League auch nicht schöner - nur teurer." Ein Fazit also, das passt: Sechs Tore, keine Verlierer, aber jede Menge Gesprächsstoff für den nächsten Frühschoppen. 07.11.643999 20:00 |
Sprücheklopfer
Ich sehe einen positiven Trend: Tiefer kann es nicht mehr gehen.
Olaf Thon