Anpfiff
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Torlos, aber keineswegs reizlos: Kiel und Linx trennen sich 0:0

Holstein Kiel gegen den SV Linx - das klang auf dem Papier nach einem klaren Fall für die Nordlichter. Doch am 3. Spieltag der Regionalliga A zeigte sich, dass Fußball eben kein Rechenschieber ist. Nach 90 Minuten, 18 Torschüssen und drei Gelben Karten stand ein 0:0, das vermutlich nur den Torhütern so richtig gefiel.

2954 Zuschauer fanden am Sonntagabend den Weg ins Holstein-Stadion und sahen eine Partie, die man wohlwollend als "intensiv" bezeichnen konnte. Kiels Trainer Malte Gosch hatte seine Mannschaft offensiv ausgerichtet, während Gäste-Coach Michal Dickschat auf eine ausgewogene Formation setzte - zumindest bis die letzten Minuten ihm das Adrenalin durch die Adern trieben.

Gleich in den ersten Minuten legte Kiel los, als wolle man die Partie schon vor Sonnenuntergang entscheiden. Sascha Stock, Innenverteidiger mit Herz für Fernschüsse, prüfte in der 4. Minute Linx-Keeper Thomas Dietz - der Ball zischte knapp am Pfosten vorbei. Nur eine Minute später versuchte es Christoph Erdmann, dann Elroy Sane - und die Zuschauer begannen, leise zu ahnen, dass es einer dieser Abende werden könnte, an dem man lieber den Grill im Garten angelassen hätte.

"Wir wollten früh Druck machen, aber der Ball wollte einfach nicht rein", seufzte Gosch nach dem Spiel. "Vielleicht hätten wir vorher eine Glücksmünze werfen sollen - oder zwei."

Linx brauchte rund zehn Minuten, um sich aus der Umklammerung zu lösen. Ralph Konrad schlich sich in der 12. Minute über links durch und zwang Kiels Torwart Harald Lindner zu einer Parade, die mehr nach Handball aussah. Danach beruhigte sich das Spiel etwas, was wohl auch den Gelben Karten geschuldet war: Otto Fritsch sah in der 7. Minute Gelb, nachdem er Pedro Cabrera etwas zu rustikal an der Seitenlinie stoppte. "Ich hab’ nur den Ball getroffen - also, fast", grinste Fritsch später in der Mixed Zone.

Kiel kombinierte gefällig, hatte mit 13 Torschüssen fast dreimal so viele Abschlüsse wie der Gegner, doch die Präzision blieb irgendwo zwischen Ostsee und Oberliga hängen. Lasse Schulz vergab in der 30. Minute die bis dahin größte Chance, als er aus kurzer Distanz den Ball über das Tor drosch. Elroy Sane, der rechte Flügelstürmer mit der Energie eines Duracell-Hasen, versuchte es immer wieder, aber Linx’ Abwehrchef Stefan Neubauer hielt dagegen - manchmal eleganter, manchmal weniger.

"Wir haben das solide verteidigt", lobte Dickschat seine Mannschaft. "Auch wenn wir am Ende ein bisschen wie die Feuerwehr rumgerannt sind." Tatsächlich: In der Schlussphase, als Kiel noch einmal alles nach vorne warf, stellte Linx auf aggressives Pressing um - und plötzlich sah man die Gäste mit glühenden Gesichtern und pumpenden Lungen über den Platz jagen.

Kiel antwortete mit purem Willen. Sascha Stock rannte in der 60. Minute nach vorn, bekam Gelb, weil er beim anschließenden Freistoß wohl zu leidenschaftlich diskutierte. "Ich wollte nur helfen", erklärte er lachend. "Leider war der Schiri anderer Meinung."

In der 75. Minute wechselte Gosch den jungen Niels Schwab ein, der gleich mit einem beherzten Sprint auf sich aufmerksam machte. "Trainer hat gesagt, ich soll einfach laufen. Also bin ich gelaufen", erzählte der 20-Jährige, der sich seinen Humor bewahrte, obwohl auch sein Versuch in der 83. Minute knapp vorbeiging.

Dann die letzten Minuten: Linx witterte plötzlich die Sensation. Robert Jahn und Wolfgang Seitz prüften Lindner in der 79. und 88. Minute - doch der Kieler Keeper blieb unüberwindbar. Als Schiedsrichter Meyer nach 93 Minuten abpfiff, klatschten sich beide Mannschaften ab - erleichtert, dass es vorbei war, aber auch zufrieden, dass keiner mit leeren Händen dastand.

Statistisch gesehen war Kiel leicht überlegen: 45 Prozent Ballbesitz, 13 Schüsse, eine leicht bessere Zweikampfquote - aber eben kein Tor. Linx dagegen hielt mit 54 Prozent Ballbesitz den Ball länger, ohne daraus viel Kapital zu schlagen.

"Ein 0:0 der besseren Sorte", meinte ein Fan beim Hinausgehen, "aber ich hätte trotzdem gern ein Tor gesehen." Damit sprach er vermutlich den meisten im Stadion aus der Seele.

Zum Abschluss noch eine Szene, die sinnbildlich für diesen Abend stand: In der Nachspielzeit flog der Ball nach einer Flanke von Pedro Cabrera quer durch den Strafraum, Elroy Sane sprang, verfehlte um Millimeter - und landete lachend im Tornetz. "Wenn man schon nicht trifft, kann man wenigstens elegant scheitern", witzelte er nach Abpfiff.

So endete ein torloses, aber keineswegs langweiliges Duell in der späten Maiabendsonne. Kiel bleibt weiter ungeschlagen, Linx sammelt einen Punkt, und beide Trainer dürften den Montag mit einer Mischung aus Erleichterung und leichter Frustration beginnen.

Oder, wie Malte Gosch es formulierte: "Wir haben heute alles gegeben - außer ein Tor."

03.09.644000 19:14
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