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Ein lauer Aprilabend, 4808 Zuschauer im schmucken Pfullinger Stadion, Flutlicht, Regionalliga C - und am Ende ein 0:0, das sich anfühlte wie ein Roman ohne Schlusskapitel. Der VfL Pfullingen und der Hamburger ASV boten sich am 26. Spieltag ein Duell, das sportlich zwar keinen Sieger hervorbrachte, dafür aber reichlich Gesprächsstoff. Schon in den ersten Minuten war klar: Hier wollte keiner die Rolle des Statisten übernehmen. Paolo Bortolotti vom HASV prüfte nach drei Minuten mit einem beherzten Versuch aus der Distanz die Reaktionsfähigkeit von Pfullingens Keeper Antonio Eusebio - der lässig parierte und dabei aussah, als würde er gerade die Einkaufsliste im Kopf durchgehen. "War wichtig, gleich wach zu sein", sagte Eusebio später mit einem Grinsen. Danach übernahm Pfullingen das Kommando. Wilhelm Klaus zog in der 7. Minute ab, und spätestens da wusste der Gast aus Hamburg: Das wird kein Spaziergang. Trainer Günter Thiede dirigierte von der Seitenlinie, als ginge es um die Champions League: "Bleib ruhig, Wil!" rief er, als Klaus den Ball über das Tor jagte. Hamburg musste früh wechseln. Der 18-jährige Sergi Izquierdo verletzte sich unglücklich in der 15. Minute - Muskelprobleme, wie es später hieß. Für ihn kam Barend Groat, der sich wacker schlug, aber sichtlich überrascht wirkte, plötzlich auf der großen Bühne zu stehen. "Ich dachte, ich sitze heute durch", murmelte er nach dem Spiel. Danil Berjosin, der rechte Flügelwirbel des VfL, war in der Folge der auffälligste Mann auf dem Platz. Drei gefährliche Abschlüsse in der ersten Hälfte (21., 29. und 35. Minute) - und jedes Mal fehlte nur eine Schuhspitze. "Ich hätte vielleicht meine alten Stutzen tragen sollen", witzelte der 24-Jährige später. Der Hamburger ASV? Bemüht, aber harmlos. Zwei Torschüsse insgesamt - einer davon von Rechtsverteidiger Hatay Özcan, der sich in der 19. Minute nach vorne wagte und sich prompt eine gelbe Karte abholte, als er kurz darauf Justin Albers unsanft stoppte. "Er hat halt geflankt wie ein Flummi", verteidigte sich Özcan trocken. Nach dem Seitenwechsel dasselbe Bild: Pfullingen rannte an, Hamburg verteidigte - tapfer, aber zunehmend nervös. Alfie Argyll prüfte den HASV-Torwart Gunnar Nilsson gleich zweimal (46. und 48. Minute), während Albers, der 17-jährige Linksaußen, mit jugendlicher Unbekümmertheit über den Rasen fegte. Seine Direktabnahme in der 96. Minute war der letzte Aufreger der Partie - und vielleicht die beste Chance des Spiels. Nilsson fischte den Ball aus dem Winkel und ließ sich danach feiern, als hätte er den Weltpokal gewonnen. "Wir haben 90 Minuten dominiert und vergessen, dass Tore dazugehören", knurrte Pfullingens Coach Thiede nach Abpfiff. "Aber wenn du zwölf Schüsse hast und keiner rein will, dann musst du wohl einfach den Fußballgöttern danken, dass wenigstens keiner reinfällt." Hamburgs Trainer, dessen Name in der offiziellen Liste fehlt (vielleicht war er auch einfach zu beschäftigt mit Fingernägelkauen), zeigte sich dagegen zufrieden: "Auswärts einen Punkt, das nehmen wir mit. Und wenn wir schon keine Tore schießen, dann wenigstens keine kassieren." Statistisch war die Sache eindeutig: 12:2 Torschüsse, 50,1 Prozent Ballbesitz für Pfullingen, 56,5 Prozent gewonnene Zweikämpfe - aber am Ende eben null Treffer. Fußball, dieser alte Schelm, hat mal wieder gezeigt, dass Zahlen nicht alles sind. Als der Schlusspfiff ertönte, klatschten die Pfullinger Spieler frustriert in die Hände, während die Hamburger sich umarmten, als hätten sie gerade den Klassenerhalt klar gemacht. Vielleicht war dieses 0:0 genau das, was beide Teams brauchten: Pfullingen, um Demut zu lernen, Hamburg, um Hoffnung zu schöpfen. Der junge Justin Haag musste nach 58 Minuten verletzt raus - eine bittere Szene, denn er hatte bis dahin das Mittelfeld zusammengehalten. "Ich hab’ nur kurz gezuckt, dann war’s vorbei", erzählte er tapfer mit Eisbeutel auf dem Knie. Für ihn kam Antonio Miro, der jedoch kaum Akzente setzen konnte. Nach dem Spiel, als die Flutlichter langsam erloschen, stand Trainer Thiede noch lange am Mittelkreis. Einer der Platzwarte rief ihm zu: "Trainer, wir machen jetzt das Licht aus!" Thiede winkte nur und murmelte: "War’s ja auch im Spiel schon." Ein 0:0 also, das man schnell vergisst - oder doch nicht? Vielleicht bleibt es als jene Partie in Erinnerung, in der Pfullingen alles tat, nur nicht traf, und Hamburg alles überstand, ohne zu wissen wie. Und wer weiß: Vielleicht schreiben sie beim nächsten Mal wieder Tore - statt Geschichten über das Nichttreffen. 25.11.643996 09:11 |
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