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Ein Flutlichtabend wie gemalt für Offensivfußball: 12.500 Zuschauer hatten sich am Sonntagabend im kleinen Stadion von Rain eingefunden, um Zeuge eines Spiels zu werden, das in den ersten 45 Minuten eher einem Feuerwerk als einem Fußballspiel glich. Am Ende hieß es 3:1 (3:0) für den TSV Rain gegen Weiler im Allgäu - ein Ergebnis, das so deutlich war wie verdient, auch wenn die zweite Halbzeit eher einem Selbstversuch in Geduld glich. Schon in der achten Minute zappelte der Ball zum ersten Mal im Netz der Gäste. Vitorino Frechaut, der zentrale Mittelfeldmotor der Rainer, fasste sich nach einem feinen Zuspiel von Karl Benz ein Herz und drosch den Ball aus gut 20 Metern flach ins Eck. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Frechaut später - und man glaubte es ihm fast. Weiler wirkte kurz geschockt, und ehe sie sich sammelten, klingelte es erneut. In der 20. Minute war es Connor Irwin, der nach Vorarbeit von Frechaut eiskalt abschloss. Ein Tor wie aus dem Lehrbuch - Pass in die Tiefe, flacher Abschluss, Torjubel. Trainer Patrick Müller klatschte an der Seitenlinie, als hätte er das Tor selbst geschossen. "So stell ich mir das vor - kurz, präzise, entschlossen", sagte er nach der Partie. Doch der TSV hatte noch nicht genug. In der 31. Minute war Anders Frigard zur Stelle, der nach einem Doppelpass mit Irwin das 3:0 markierte. Weiler-Keeper Hanns Peter streckte sich verzweifelt, kam aber nicht mehr ran. Man schrieb gerade einmal die 31. Minute - und das Spiel schien entschieden. "In der Halbzeit wollte ich eigentlich nur noch den Tee warm halten", witzelte ein Rainer Fan auf der Tribüne. Doch das Spiel hatte noch einen zweiten Akt, und der begann mit einem kleinen Lebenszeichen der Gäste. Nur vier Minuten nach Wiederanpfiff traf Eilert Olsson, ausgerechnet ein Linksverteidiger, nach einem Freistoß von Dimas Allegri zum 3:1. "Wenn der trifft, dann weißt du, dass irgendwas nicht stimmt", murmelte sein Trainer Mino Raiola später halb im Spaß, halb im Ärger. Weiler witterte kurz Morgenluft, doch die Rainer blieben Herr im eigenen Haus - zumindest bis zur 75. Minute, als Innenverteidiger Marcio Gama nach seiner zweiten Gelben Karte unter die Dusche geschickt wurde. "Ich hab doch nur laut geatmet", verteidigte er sich, während er vom Platz ging. Die Zuschauer quittierten es mit einem kollektiven "Uuuh", das irgendwo zwischen Mitleid und Schadenfreude lag. Ab da hieß es: Beton anrühren. Rain stand tief, verteidigte mit Leidenschaft - und gelegentlich auch mit beiden Beinen. Weiler kam zwar noch zu ein paar Chancen, etwa durch Michael Siebert in der 81. und 92. Minute, doch TSV-Keeper Marek Marko war auf dem Posten. "Ich wollte wenigstens einmal fliegen", meinte er mit einem Augenzwinkern. Was die Statistik verrät, passt zum Spielverlauf: 20 Torschüsse für den TSV Rain, nur neun für Weiler, dazu 58 Prozent Ballbesitz für die Hausherren. Es war kein Spiel auf Augenhöhe, aber eines, das zeigte, dass Rain nicht nur kicken, sondern auch kämpfen kann. "Wir haben’s hinten raus unnötig spannend gemacht", gab Trainer Müller zu. "Aber wir sind ja nicht hier, um die Zuschauer zu langweilen." Weilers Coach Raiola hingegen suchte Trost in der Ironie: "Wir haben in der zweiten Halbzeit gewonnen - 1:0", sagte er und zog die Schultern hoch. "Wenn wir das jetzt noch in beiden Halbzeiten schaffen, läuft’s." Zum Schluss blieb das Gefühl, dass der TSV Rain an diesem Abend ein Statement gesetzt hatte: offensiv stark, spielfreudig, manchmal hitzig - aber immer mit Herz. Und vielleicht war es genau das, was die 12.500 Fans sehen wollten: ehrlichen Fußball mit Ecken, Kanten und gelegentlich einem Platzverweis. Und als die Flutlichter langsam erloschen, hörte man irgendwo auf der Tribüne einen Zuschauer sagen: "So kann man den Sonntagabend schon ausklingen lassen - besser als jeder Tatort." Man konnte ihm schwer widersprechen. 15.10.643999 19:05 |
Sprücheklopfer
Kritik macht mich nur noch stärker. Wenn mich in Dortmund von 55 000 Zuschauer 50 000 hassen, mir am liebsten ein Bein abhacken würden, mich mit 'Arschloch' begrüßen, dann fühle ich mich wie Arnold Schwarzenegger gegen den Rest der Welt. Das ist geil für mich.
Mario Basler