// Startseite
| Anpfiff |
| +++ Sportzeitung für Deutschland +++ |
|
|
|
Abpfiff, 22:20 Uhr, Tumlingen: 9.869 Zuschauer rieben sich die Augen. Was sie gesehen hatten, war kein Fußballspiel, sondern ein Lehrvideo in Sachen Effektivität - präsentiert vom TSV Rain, der den SV Tumlingen mit 5:0 (3:0) aus dem eigenen Stadion fegte. Für Tumlingen wurde der 33. Spieltag der 3. Liga zum Albtraum in Flutlichtfarbe. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen", murmelte SV-Torhüter Jan Kluge nach Spielende, während er sich das Trikot über den Kopf zog. "Fünf Stück… das ist schon hart. Aber immerhin ist der Ball nicht geplatzt." Humor als letzte Verteidigungslinie - mehr blieb dem Keeper an diesem Abend nicht. Dabei fing alles gar nicht so schlecht an. In der achten Minute prüfte Noach Spoor mit einem beherzten Schuss den Rainer Torwart Marek Marko - der erste und beinahe letzte Lichtblick für die Gastgeber. Eine Minute später klingelte es auf der anderen Seite: Connor Irwin, der wieselflinke Linksaußen aus Irland, traf nach Vorarbeit von Anders Frigard zum 0:1. Nur vier Minuten später legte Irwin erneut nach, diesmal nach Pass von Bjarni Pettersson - 0:2. Tumlingen taumelte, Rain tanzte. "Wir wollten eigentlich ruhig beginnen", grinste Rains Trainer Patrick Müller hinterher, "aber die Jungs hatten wohl andere Pläne." Noch vor der Pause fiel das 0:3, und es war beinahe symptomatisch: Frigard nickte eine butterweiche Flanke von Linksverteidiger Mateusz Jop ein (45.). Wer da noch an ein Comeback der Tumlinger glaubte, trug vermutlich Vereinsfarben und sehr dicke Fanbrillen. Die zweite Halbzeit begann wie die erste aufgehört hatte - mit einem Tor für Rain. Kaum war der Pausentee verdaut, zog Andre Osterhoudt aus 20 Metern ab, der Ball zischte unhaltbar ins rechte Eck (47.). Spätestens da herrschte auf der Tumlinger Trainerbank betretenes Schweigen. Nur kurz darauf setzte Pettersson selbst den Schlusspunkt (56.), nach feinem Steckpass von Vitorino Frechaut: 0:5. Die Statistik lügt nicht: 17 Torschüsse für Rain, nur 4 für Tumlingen, 55 Prozent Ballbesitz für die Gäste. Selbst in der Zweikampfquote hatte der TSV mit 57 Prozent die Nase vorn. Kurzzeitig schien es, als würde Tumlingen zumindest kämpferisch aufwachen - dann kam die 64. Minute: Julian Gama sah Gelb, drei Minuten später Gelb-Rot. "Ich hab ihn doch kaum berührt", versuchte er sich später zu verteidigen, während der Schiedsrichter wohl innerlich "kaum" durch "komplett" ersetzt hatte. Ab da war das Spiel endgültig gelaufen. Trainer Müller wechselte munter durch, brachte sogar seinen Ersatztorhüter Patrik Nedved in der 76. Minute. "Wir wollten ihm auch mal frische Luft gönnen", lachte Müller. Für Tumlingen blieb nur Schadensbegrenzung - und selbst die gelang nur bedingt. Laurent Doucet und Noach Spoor versuchten es noch mit ein paar Verzweiflungsschüssen, aber die Kugel wollte einfach nicht rein. Nach dem Abpfiff standen die Tumlinger Spieler lange auf dem Rasen, als wollten sie noch einmal prüfen, ob das alles wirklich passiert war. "Das war heute ein Klassenunterschied", gab Kapitän Petar Petrow ehrlich zu. "Wir waren offensiv eingestellt, aber ohne Durchschlagskraft. Vielleicht hätten wir defensiv ’NONE’ einstellen sollen, wie’s am Ende aussah." Ein Seitenhieb auf die eigene Taktik, die laut Statistik "offensiv" ausgerichtet war, aber eher wirkte wie ein freundlicher Begleitschutz für die Gegenspieler. Bei Rain dagegen wurde gelacht, gejubelt und gealbert. Irwin, zweifacher Torschütze, grinste breit: "Ich hätte fast noch das Dritte gemacht, aber da war der Ball wohl zu brav." Sein Teamkollege Pettersson ergänzte trocken: "Wir wollten einfach Spaß haben - und Tore schießen macht Spaß." Der SV Tumlingen indes muss sich jetzt ernsthafte Sorgen machen. Die Abwehr wirkte löchrig wie ein alter Trainingsball, das Mittelfeld verlor fast jeden Zweikampf, und nach vorn ging so gut wie nichts. Die Zuschauer quittierten das Debakel mit einem kollektiven Seufzen, gefolgt von höflichem Applaus für die Gäste. "Manchmal ist Fußball brutal ehrlich", meinte ein älterer Fan auf der Tribüne. "Heute hat er uns die Wahrheit mitten ins Gesicht geschossen." Bleibt die Erkenntnis: Der TSV Rain hat nicht nur drei Punkte, sondern auch ein Ausrufezeichen gesetzt - und Tumlingen eine bittere Lehrstunde erteilt. Coach Patrick Müller brachte es auf den Punkt: "Wir waren einfach gieriger. Und wenn du gierig bist, frisst du eben auch auswärts fünf Gänge." Ein Satz, der wohl noch lange im Tumlinger Vereinsheim an der Wand hängen wird - direkt neben dem Ergebnis: 0:5. 06.07.644000 09:12 |
Sprücheklopfer
Die Hitze kann für die deutschen Spieler sogar ein Vorteil sein. An einem Urlaubsort sieht man in der Mittagshitze auch immer nur Deutsche draußen, also kommen wir mit der Temperatur sogar besser zurecht.
Erich Ribbeck