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Ein lauer Maiabend im Erndtebrücker Pulverwaldstadion, 3.542 Zuschauer, Bratwurstduft in der Luft - und eine TuS-Mannschaft, die sich dachte: "Heute zeigen wir mal, dass Sauerländer Fußball auch Spaß machen kann." Am Ende stand ein 4:2-Sieg gegen TeBe Berlin, der so verdient war wie das Feierabendbier danach. Schon in der 14. Minute sorgte Andres Santoyo für das erste Raunen auf den Rängen. Nach schöner Vorarbeit von Eric Fryer zog der quirlige Linksaußen einfach mal ab - und zack, 1:0. Trainer Sigurd Stuhl ballte die Faust, während der Berliner Coach Axel Herr mit zusammengekniffenen Augen Richtung Rasen blickte, als suche er dort sein Glück. "Wir wussten, dass Erndtebrück früh Druck machen würde, aber dass sie so zielstrebig sind, hat uns überrascht", murmelte Herr später leicht säuerlich. TeBe Berlin antwortete prompt. In der 20. Minute zirkelte Mathias Pfeifer, nach feinem Zuspiel des unglücklich agierenden Fritjof Norgaard, den Ball ins lange Eck - 1:1. Berliner Jubel, Berliner Hoffnung. Doch der Schmerz sollte nicht lange warten. Nur vier Minuten später donnerte Michael Sonnenschein (der Name ist Programm) einen Distanzschuss in die Maschen. Vorlage: Innenverteidiger Ruslan Kowaltschuk, der anscheinend beschlossen hatte, mal kurz als Spielmacher zu arbeiten. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Sonnenschein später, "und gehofft, dass der Ball nicht den Zaun trifft." Aber TeBe wäre nicht TeBe, wenn sie nicht noch einmal zurückkämen. In der 26. Minute nutzte Frederik Graversen die viel zu offene Erndtebrücker Abwehr und glich per Kopf aus. 2:2 - ein offener Schlagabtausch, bei dem die Abwehrreihen beider Teams eher symbolisch anwesend waren. Dann kam die 42. Minute, und mit ihr der Moment des Abends: Kurt Benz, der rechte Flügelstürmer, setzte sich über die Seite durch, bekam den Ball von Linksverteidiger Timo Hein - und schob lässig ein. 3:2 zur Pause, das Stadion vibrierte. "Ich hab gar nicht gemerkt, dass das Halbzeit war", lachte Benz später, "so viel Adrenalin hatte ich im Blut." Die zweite Halbzeit begann mit zwei Wechseln beim Heimteam: der 17-jährige Ricardo Conceicao kam für Benz, und Marc Marchand ersetzte Santoyo. Der Teenager mit dem Babyface machte gleich auf sich aufmerksam, rannte wie ein Duracell-Hase und zwang TeBe-Keeper Olav Gärtner zu mehreren Glanzparaden. "Der Junge hat keine Angst, das sieht man", lobte Trainer Stuhl. "Vielleicht zu viel Energie - er hat mir fast den vierten Offiziellen umgerannt." TeBe versuchte, das Spiel zu drehen, hatte mehr Ballbesitz (52 Prozent), aber weniger Zielstrebigkeit. Graversen schoss aus allen Lagen, doch diesmal blieb ihm das Glück versagt. In der 49. Minute sah Stefan Schmidt Gelb, weil er meinte, Kurt Benz (bzw. dessen jugendlichen Nachfolger) müsse man auch mal "körperlich beeindrucken". Dann die 65. Minute: Jack Leech, bisher glücklos, ging vom Platz - für ihn kam der 19-jährige Agemar Fernandez. Und was macht der? In der 77. Minute macht er das 4:2! Nach Vorlage von Marc Marchand drückt der Neuling den Ball über die Linie. Standing Ovations, ein paar ungläubige Gesichter auf der Berliner Bank. "Ich hab den Ball kaum gesehen, nur gespürt", sagte Fernandez verschmitzt. Danach verwaltete Erndtebrück das Ergebnis erstaunlich souverän. Die Berliner, inzwischen leicht genervt, sammelten noch eine Gelbe Karte (Jovanovic, 85.) und verloren langsam die Lust. "Wir wollten noch mal Druck machen", erklärte Axel Herr, "aber irgendwie hatte der Bus mehr Zug als wir." Insgesamt hatte Erndtebrück zwar etwas weniger Ballbesitz, aber 15 Torschüsse gegenüber 9 der Berliner sprechen eine klare Sprache. Der Sieg war verdient, weil die TuS einfach mehr wollte - und weil sie an diesem Abend das gewisse Quäntchen "Dorfplatz-Magie" in den Schuhen hatte. Trainer Stuhl fasste es zum Schluss mit einem Grinsen zusammen: "Vier Tore, kein Platzverweis, keine Bierdusche - ich nenne das einen gelungenen Sonntag." Und während die Flutlichtmasten langsam erloschen, murmelte ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions: "Wenn die so weitermachen, spielen die bald in der Champions League - der Westfalenliga." Ein schöner Gedanke. Und wer weiß - an diesem Abend war alles möglich. 15.06.644000 03:04 |
Sprücheklopfer
Wer am Samstag nicht so läuft, wie ich mir das vorstelle, der kann ja am Sonntag noch laufen.
Werner Lorant